Neues Faltsegel von RRD: Compact Wave

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 3 Jahren

Drei Segel samt Zubehör in einem Rucksack – in den Ohren Übergepäck-geplagter Windsurfer klingt das wie Musik! Was es mit dem RRD Compact Wave Konzept auf sich hat, erklärt Entwickler John Skye im SURF-Interview.

Reist gerne ohne Stress am Übergepäck-Schalter – John Skye

John, du arbeitest für RRD am Versprechen, drei Riggs in einen Rucksack zu bekommen. Wie kamst du auf diese Idee?

Alles begann vor drei Jahren, als mich mein Boss, Roberto Ricci, bat, ein Segel zu entwickeln, welches zu aufblasbaren Windsurfboards passte. In Erwartung der ersten aufblasbaren Bretter entwickelte ich damals ein Dacronsegel mit einer Latte und wurde beim ersten Test gleich auf dem falschen Fuß erwischt. Es zeigte sich sofort, dass von Seiten des Boards, dem AirWindsurf Freeride, echtes Gleitsurfen möglich ist, wenn man einen richtigen Finnenkasten einbauen kann und dem Brett scharfe Abrisskanten verpasst. Damit war klar, dass wir auch ein Segel bauen mussten, welches diesem Anspruch gerecht wird – voll durchgelattet und ohne Einschränkungen bei der Performance. Daraus entstand das Airwindsurf Rigg, welches sich dank einer senkrecht eingearbeiteten Dacronbahn und teilbarer Latten in der Mitte falten und zusammenklappen lässt. Dazu gibt es einen 5-teiligen Mast und eine teilbare Gabel, wodurch alles in eine Tasche passt. In euren SURF-Tests hattet ihr ja festgestellt, dass es surft wie ein normales Segel.

Das Compact Wave Concept ist also die Fortsetzung der Airwindsurf-Idee?

Fünf Mastteile, drei Segel und eine teilbare Carbongabel passen in einen Rucksack.

Genau! Ein kompletter Satz Wavesegel samt Zubehör soll in einen Rucksack passen. Zuerst haben wir ein 4,6er designt und mit zum Testen nach Maui genommen. Abgesehen von der Geometrie, die wir ein wenig ändern mussten, um das Zusammenfalten zu verbessern, hat es sofort eingeschlagen. Die meisten Surfer wollen mit drei Segeln auskommen, daher haben wir die Idee auf gängige Wavegrößen übertragen. Für die schweren Fahrer gibt’s die Kombi 5,3/4,6/4,0qm, für leichtere Fahrer 3,5/4,0/4,6qm.

Wie habt ihr das Mastproblem gelöst? Passt eine Mastlänge für alle vier Größen von 3,5 bis 5,3?

Dass wir viele Teile haben, ist gewissermaßen ein Vorteil, wir kommen ohne Variotopp aus. Nach viel Testarbeit hat sich ein vierteiliger 340er Mast als beste Variante für die kleinen Größen 3,5 und 4,0 herausgestellt, plus ein 60 Zentimeter Extender, um daraus einen 400er Mast zu machen, der für 4,6 und 5,3qm passt.

Es wird immer viel über Mast-Biegekurven diskutiert – ist diese bei einem 400er Mast aus fünf Teilen und vier Steckverbindungen nicht schwierig umzusetzen? Und wird ein solcher Mast nicht zwangsläufig schwer?

Optisch unterscheidet sich das Compact Wave Segel nur aufgrund der senkrechten Dacronbahn – hier wird es längs gefaltet

In der Tat mussten wir lange daran arbeiten, eine Biegekurve wie bei einem zweiteiligen Mast hinzubekommen. Die ersten Versionen waren im unteren Bereich noch zu weich. Der 5-teilige Mast ist naturgemäß ein bisschen schwerer als ein 2-teiliger Mast, die Biegekurve ist aber identisch.

Auch die Gabel ist teilbar. Kann eine geteilte Gabel im Wave-Einsatz bestehen? Die Steckverbindung ist ja dort, wo beim Landen die höchsten Kräfte auftreten...

Zuerst hatten wir das Problem, dass der zusätzliche Pin an der geteilten Stelle immer genau im Griffbereich war – das ging natürlich nicht. Deshalb ist die Gabel jetzt etwas hinter der Mitte geteilt, wodurch dieses Problem gelöst werden konnte. Wir wollten ein Produkt ohne Kompromisse bei Steifigkeit und Haltbarkeit, deshalb haben wir ein teilbare Carbongabel entwickelt: Im Griffbereich hat diese nur 25 Millimeter Holmdurchmesser, das ist perfekt für kraftfreies Greifen. Hinten wird sie etwas dicker, um die Steifigkeit zu gewährleisten. Damit hatten wir alle Komponenten zusammen und ich konnte zum Testen nach Kapstadt fliegen – mit drei Segeln plus Zubehör in einem Rucksack, den ich nicht mal als Sperrgepäck aufgeben musste und der unter 23 Kilo wog.

John Skye beim Produkttest auf den Kanaren

Ist ein Engagement bei teilbaren Riggs nicht müßig solange es für die größte Komponente des Equipments, das Brett, zumindest im Wavebereich keine echte Alternative zu herkömmlichen Brettern gibt? Wo also ist der Vorteil?

Ich denke, dass es trotzdem Sinn macht. Als zweifacher Familienvater weiß ich, wie vollgepackt das Auto vieler Windsurfer meistens ist. Die Möglichkeit, drei Segel samt Zubehör einfach in einer Tasche zu verstauen, ist da eine echte Hilfe. Auch bei Flugreisen wird vieles einfacher – man hat nicht mehr das Problem, dass man die Gewichtsbeschränkungen der Airlines, oft sind das nur 23 Kilo – nicht erfüllen kann. Man checkt das Board in einem kleinen Singlebag ein, der Rest kommt als normales Reisegepäck mit! Aber es geht nicht nur um Flugreisen, auch im Campingbus, Womo oder auf Booten hat das Compact Wave Konzept nur Vorteile. Bei den Boards sind wir mit aufblasbaren Konzepten leistungsmäßig noch nicht dort, wo feste Bretter sind. Bei Segeln ist das anders – warum also sollten wir den Vorteil eines kleinen Packmaßes an dieser Stelle nicht nutzen?  

Hinweis: Aktuell probiert das SURF-Testteam das neue RRD Compact Wave Konzept  in Südafrika aus. In einer der nächsten Ausgaben erfahrt ihr, ob das Segel auch auf dem Wasser performt – oder von den Testern zusammengefaltet wird.

Themen: compact waveRRDRRD


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