PWA Worldcup vs. International Windsurfing Tour PWA Worldcup vs. International Windsurfing Tour PWA Worldcup vs. International Windsurfing Tour

PWA Worldcup vs. International Windsurfing Tour

  • Andreas Erbe
 • Publiziert vor 3 Jahren

Lina Erpenstein ist eines der größten Wave-Talente im Worldcup. Sowohl 2107 als auch 2018 fuhr sie auf der PWA (Professional Windsurfers Association) Tour auf den vierten Rang. In Peru surfte sie erstmals am Traumspot Pacasmayo bei der IWT mit und siegte prompt. Über die Unterschiede der beiden oft verglichenen Windsurfing-Touren hat sie sich ausführliche Gedanken gemacht. Hier ihr Fazit.

Miguel Cortez/IWT Lina greift gerne an, egal an welchem Spot.

Ich muss zugeben, dass ich vor meiner ersten Teilnahme der IWT relativ kritisch gegenüberstand. In meinen Augen machte sie es sich als Tour sehr einfach, an Weltklasse Spots zu fahren, um dort Contest auszutragen und alles aus der Tasche des Fahrers zahlen zu lassen. Für gute Windsurfbedingungen sicherlich toll, doch mit professionellem Windsurfen hat das wohl wenig zu tun. Und dies stimmt zum Teil auch. Die IWT ist überwiegend eine Hobbyveranstaltung, die gerade durch das „International“ einen sehr klangvollen Namen hat. International sind zwar die Fahrer und Spots, doch ein vergleichbarer internationaler Stellenwert wie einer Weltmeisterschaft ist den Events nicht zuzuschreiben. Kein Preisgeld, wenig Media Coverage und kaum Sponsoren machen das einfach nicht möglich.

Die IWT ist sich dessen aber auch durchaus bewusst. An oberster Stelle steht bei ihnen der Spot mit bestmöglichen Wave Bedingungen, gefolgt von Durchführbarkeit des Events und Infrastruktur für die Fahrer vor Ort. Sicherlich gelingt es ein paar vereinzelten Fahrern sich durch gute Ergebnisse und Medienarbeit letztlich über ihren Sponsor zu finanzieren, doch das ist wohl eher die Ausnahme. Für die IWT wären zwar professionelle Events in den bestmöglichen Bedingungen wohl schon das Ziel, doch ist dies mit den aktuellen Mitteln nicht zu erreichen. Deshalb möchte die Tour mit dem Status quo zumindest denjenigen Windsurfern, die Spaß am Wettkampf haben (Profi oder nicht) und zusätzlich bereit sind dafür zu zahlen die Möglichkeit bieten, in tollen Bedingungen Wettkämpfe zu fahren. Und daran ist ja nichts Verwerfliches. Ganz im Gegenteil, die Wettkämpfe sind ein großer Spaß für alle Beteiligten, denn die Tour sieht sich ja als große Windsurf Family, in der alle die selbe Leidenschaft für Wind und Welle teilen.

John Carter Beim PWA Worldcup auf Sylt fuhr Lina aufs Podium.

Die PWA hingegen ist eine professionelle Organisation, die zudem den Weltmeistertitel vergibt. Sie investiert viel Arbeit und Geld, um möglichst gut organisierte Events für ein breites Publikum zu veranstalten und die Möglichkeit ihren Fahrern, wie in jedem anderen professionellen Sport Preisgelder zu zahlen. So herrscht sicherlich über die Qualität Sylts als Windsurfspot eine geteilte Meinung, doch verfolgen dort jedes Jahr tausende Menschen bei Sturm und Regen wie die Windsurf-Weltmeisterschaft ausgefochten wird. Das Event wird online übertragen, kommentiert und von überall auf der Welt können Windsurfer live mitfiebern. Allein für all diese Begeisterung würde ich meinen, lohnt es sich schon. Denn worin läge, aus finanzieller sowie professioneller Sicht, der Sinn für die Promotion unseres Sports, für die besten Windsurfer dieser Welt und für die Sponsoren, wenn die radikalste Action kaum zu verfolgen ist, da der Tourstop zwar ein einem Weltklasse Spot, aber weitab von jeglichem Publikum und Medien ausgetragen wird? Sicherlich hat die PWA ihre Schwächen, was nicht zuletzt am schrumpfenden Tourkalender sichtbar wird, doch die Bemühungen für einen professionellen Standard der einzelnen Events ermöglichen es vielen Fahrern erst an den Events teilzunehmen und den Sport professionell zu betreiben. Und wo ständen wir, wenn es kein professionelles Windsurfen mehr gäbe? Wie einmal Ben Severne zu mir sagte: „ I just love seeing Philip (Köster) or Jaeger (Stone) out there on our gear, doing all this crazy sh*t, that we can only dream of“ und ich finde damit hat er Recht.

Suleika Apaestegui IWT – kleines Set Up, kein Preisgeld, familäre Atmosphäre

Doch wieso werden die beiden Touren nicht einfach vereint, um möglichst professionelle Events mit bestmöglichen Bedingungen zu kombinieren? Sicherlich wären für beide ein paar weitere Events eine große Bereicherung. „Obwohl das wohl das Ideal wäre gibt es leider einige Punkte an denen dies aktuell scheitert“, erzählt Head Judge Simeon Glasseon. Vor allem ist die IWT als Organisation einfach nicht groß genug. Den Standard den die PWA in ihren Events liefert, könne sie mit ihren aktuellen Mitteln schlichtweg nicht liefern, wodurch derzeit auch keine gemeinsame Tour zustande kommen kann. Schade, denn eine Kooperation würde nicht nur die Windsurf Weltmeisterschaft diverser und interessanter machen, sondern wäre die Perfekte Promotion für Sponsoren und Fahrer. Letztlich sind die beiden Touren wahrscheinlich kaum zu vergleichen, da sie völlig anderen Grundsätzen folgen und somit schlichtweg zu unterschiedlich sind.

John Carter PWA – ein Hauch von Profisport

Die PWA Events stellen Professionalität und den Wettkampf in den Vordergrund. Das Level ist hoch und die große Konkurrenz pusht die Rider immer wieder zu neuen Leveln. Der Standard der Veranstaltungen sichert das professionelle Windsurfen und ist Grundlage der Marketingarbeit für die meisten Board- und Segelmarken. Die IWT sieht das Ganze etwas anders, denn eigentlich ist bei ihnen alles zum Spaß. Schöne Spots mit guten Bedingungen, Surfer aller Levels und Altersklassen, rein aus Liebe zum Sport. Dass es zudem manche der Fahrer schaffen sich mit der Teilnahme an der Tour durch ihre Sponsoren zu finanzieren ist natürlich sehr erfreulich, aber wohl eher die Ausnahme.Ich für meinen Teil hatte große Freude Teil des Contests in Pacasmayo zu sein. Besonders genoss ich die entspannte Stimmung, die über dem Event und auch meiner gesamten Zeit dort schwebte, was wahrscheinlich nicht zuletzt an der Einzigartigkeit des Orts liegt. Mir wurde erneut vor Augen geführt, wie vielfältig das Windsurfen doch ist und wie verschieden die Leute sind, die unseren Sport allesamt mit großer Leidenschaft leben. Und das Schöne ist, dass wir am Ende doch alle die selbe Sprache sprechen, die des Windes und der Wellen.

Themen: Lina ErpensteinPeruPWAPWA World CupPWA World Tour


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