Simmer Boards - Interview mit Ola Halenius

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 6 Jahren

Als Segelhersteller ist Simmer altbekannt, dass die Marke auch eine, zugegeben recht spezielle Brettrange anbietet, wissen nur die wenigsten. Im Interview spricht Shaper Ola Helenius über seine Philosophie, den Weggang von Cobra und darüber, was man von „normalen” Endverbrauchern lernen kann

Ola, du gehörst zu den Shapern, die man nicht automatisch kennt. Verrate uns deinen Hintergrund und wie du zum Shapen gekommen bist. Seit ich in den 80ern als Kind zum Windsurfen gekommen bin, beschäftige ich mich mit Shapes. In den 90ern begann ich intensiv Bretter zu vermessen und eine Computer-Software zu entwickeln, um Brett-Shapes zu visualisieren. 2000 habe ich dann Boards für Starboard geshapt und bald ist Simmer an mich herangetreten. Ich arbeite und lebe in Portugal.

Simmer ist ja im Segelbereich sehr bekannt, bei Boards eher weniger. Warum tut man es sich auf einem hart umkämpften Markt an, auch noch Boards zu entwickeln, zu testen und in den Ring zu werfen? Die ganze Entwicklung von Brettern, Segeln und Zubehör greift ineinander, es macht Sinn, Dinge gemeinsam voranzutreiben. Davon abgesehen ist die Produktion von Boards nur ein kleiner Teil, du musst sie auch vertreiben, brauchst Importeure und Shops. Warum sollten wir unser von den Segeln bestehendes Netzwerk nicht nutzen und ein komplettes Programm auf die Beine stellen?!

Simmer-Shaper Ola Helenius weiß, was er tut, wenn er neue Prototypen testet. Er baut lieber Boards mit einem speziellen Einsatzbereich als Allrounder. 

Eure Boardlinie ist sehr speziell. Vier von sieben Linien fallen in den Wavebereich... Simmer war immer waveorientiert. Ich denke, dass es ein wunderbares Gefühl ist, ein Waveboard zu fahren, das zu den jeweiligen Ansprüchen, Bedingungen und dem Stil des Fahrers passt. Oft wird argumentiert, eine große Auswahl mache alles unnötig kompliziert. Aber ich denke, Simmer-Kunden sind kompetent genug zu entscheiden, was sie haben wollen. Und bei vier Wavemodellen findet eben jeder das perfekte Brett für sich.

Was ist deine Shape-Philosophie? Ich gehe nie an einen Shape heran, um "das perfekte Brett" zu bauen, sondern versuche mir zu überlegen, was ein bestimmter Shape für bestimmte Fahrertypen leisten kann. Dies beinhaltet, dass man den Leuten zuhören muss, nicht nur Teamfahrern und Pros, sondern auch ganz normalen Endverbrauchern. Es ist wichtig, weil man gerade von unvoreingenommenen Personen gutes Feedback bekommt. Letztlich sind es diese Leute, die sich auch die Boards kaufen sollen. Deshalb versuche ich, diese Infos auch praktisch umzusetzen. Dafür nutze ich ein von mir selbst entwickeltes Computerprogramm, mit dem ich Kurvenverläufe und Formen sehr gut simulieren kann. Ich versuche eher cleane Shapes und Kurvenverläufe hinzubekommen, ohne unnütze Gimmicks. Und zu guter Letzt investiere ich viel Zeit ins Finnentuning, denn Board- und Finnenentwicklung gehen immer Hand in Hand. Mit den richtigen Finnen bekommen Boards einen größeren Einsatzbereich und bessere Performance.

Wir produzieren bei einem kleineren Anbieter, dadurch können wir schneller und unmittelbarer Einfluss auf den Produktionsprozess nehmen.  

Als eine der wenigen Marken produziert Simmer nicht bei Cobra in Thailand. Warum? Das stimmt. Wir waren einige Zeit in China, sind jetzt allerdings nach Vietnam gewechselt, weil wir dort den Produktionsprozess besser überwachen können. Wir bevorzugen einfach einen kleineren Produzenten, der es uns erlaubt, schnell und auf direktem Wege Einfluss auf die Konstruktionen nehmen zu können. Man kann dort auch mal im direkten Kontakt mit den Arbeitern stehen und über bestimmte Konstruktionsmöglichkeiten diskutieren. Für die Zukunft haben wir sehr spannende Pläne hinsichtlich Produktion.

Wie sehen die aus? Es ist noch zu früh, um Details zu verraten. Bis vor kurzem war ich mir sicher, dass sich die Brettproduktion auf absehbare Zeit nicht groß verändern wird. Jetzt bin ich mir sicher, dass dies in den nächsten fünf Jahren passieren wird, einfach weil wirtschaftliche und auch ökologische Rahmenbedingungen ein Umdenken von uns erfordern.

Ist ein Wechsel hin zu kleinen Produzenten nicht auch immer ein Risiko? Bei Cobra sind mittlerweile alle Kinderkrankheiten ausgeräumt. Man weiß, was man bekommt. Es gibt immer Risiken, egal wie groß dein Produzent ist. Bei Cobra arbeiten so viele Leute, dort einen Fehler im System zu finden, kostet dich viel Zeit und Geld. Wir können dagegen jedem der Arbeiter auf die Finger schauen und die Qualität unserer Produkte bestmöglich kontrollieren.

Ich glaube, dass sich die Boardproduktion in den nächsten fünf Jahren radikal verändert. 

Boards bauen ist immer auch mit viel Testarbeit verbunden. Wer ist da bei euch verantwortlich? Ich baue ja viele Customs, manche für mich selbst, andere für Endkunden und habe aktuell zwölf Waveboard- Linien. Viele dieser Boards sind alte, aktuelle oder zukünftige Serienboards. Oft entstehen auch aus den Wünschen einzelner Kunden Serienboards, wenn ich den Ansatz spannend finde und glaube, dass es eine Zielgruppe dafür gibt. Auch unser neues, ultrakompaktes Board Freegal entstammt einem Kundenwunsch nach einem extrem kurzen 100-Liter-Waveboard. Wir fanden die Idee interessant und haben auch kleinere Versionen davon gebaut, verfeinert und für 2016 in Serie gebracht. Als sich dann letztes Jahr der Trend zu  urzen und kompakten Waveboards abzeichnete, hatten wir unser Serienboard quasi schon entwickelt und mit diversen Finnen-Set-ups getestet in der Schublade.

Gib uns einen kurzen Überblick über eure 2016er-Range! Es wird viele Neuerungen geben! Die Shapes sollen sich gegenseitig sinnvoll ergänzen. Der Kern der Range ist sicherlich das Allround-Waveboard Quantum, welches für mittlere Wellen und Euro-Bedingungen konzipiert ist und bei dem wir viel am Speedpotenzial gearbeitet haben. Man kann es als Thruster oder Quad nutzen und perfekt für seine Ansprüche anpassen. Davon ausgehend wird es das Sideshore-Waveboard Fly, den Freewave und das Freegal geben, welches mit seinem kompakten Skateboard-Feeling perfekt zum neuen Shapetrend in der Welle passt. Bei den Freemoveboards haben wir viel an den Deckskonstruktionen gearbeitet, diese sind jetzt spürbar steifer. Das macht das Fahrgefühl knackiger und sportlicher. Wir sind damit sehr happy!

Themen: PortraitProdukteSimmer


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