Redaktion

SURF 1/2009: Fit für die Saison

11.12.2008

Besonders, wenn die Kälte zusätzlich den Organismus belastet, ist es nicht verkehrt, neben der im Heft 1-2/2009 (Basics: Wetterfest?) beschriebenen angemessenen Bekleidung, auch durch sein Verhalten für eine entsprechende Fitness zu sorgen.

Den Artikel aus SURF 1/2009 über die richtige Bekleidung findet ihr hier ->

Sicherlich wird der eine oder andere Leser im Winter weniger exotische Outdoor-Sportarten betreiben und nass geschwitzt vielleicht schon bemerkt haben, dass der Abkühlungsfaktor bei Feuchtigkeit wesentlich höher ist als in trockenem Zustand. Im Wasser ist dieser sogar 23 mal größer als an der Luft! Es ist also klar, dass man sich auf eine Surfsession in der kalten Jahreszeit besonders verantwortungsbewusst vorbereiten sollte.

Wie Dr. H. Tanguy in der Zeitschrift „Bateaux“ im April 1970 ausführte, ist die Widerstandskraft gegen Kälte insbesondere abhängig von dem Zeitraum,  den man ihr ausgesetzt ist. Individuell variiert sie weiterhin durch die spezifische Empfindsamkeit, die wiederum aus der Dicke der Fettpolster, der Ausdauer und der psychologischen Widerstandskraft resultiert.

Auch der geschärfte Blick für die Beanspruchung des eigenen Muskelapparates hilft, das Surfen in der kalten Jahreszeit zu einem gelungenen Event werden zu lassen. Hier gilt es, den richtigen Rahmen für die eigene Aktivität zu finden, da zuviel schnell zu Erschöpfung führt und den Körper dadurch empfindsamer auf Kälte reagieren lässt, während zu wenig Bewegung die Abwehrreaktionen des Körpers negativ beeinträchtigt.

Man sollte auch vermeiden, müde, oder in Phasen vermehrten Schlafmangels aufs Brett zu steigen. Direkt nach einer Mahlzeit ist es gar nicht gut, die Session zu starten Die Verdauung, ähnlich wie anhaltendes Fasten, verringert das Anpassungsvermögen an Kälte aus gefäßphysiologischen Gründen. Natürlich erhöht auch Alkohol den Wärmeverlust, da er gefäßerweiternd wirkt. Das sich einstellende Wärmegefühl wird rasch durch eine starke Kältewahrnehmung substituiert.

Positiv machen sich Schlaf und reduzierte Muskeltätigkeit auf die Widerstandskraft gegen Kälte bemerkbar. Die beste Medikation gegen Kälte dürften eineinhalb bis zwei Gramm Vitamin C am Tag sein!

Hier nun noch die Meinung des Fachmanns, Herrn Dipl.-Ing. Dr. med. Wolfgang Baumeier vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, zum Thema.  Er ist Spezialist des Projektes Sarrrah, welches sich der Verbesserung der Überlebensmöglichkeiten von unfallbedingt stark unterkühlten Menschen in der Seerettung und den Rettungsdiensten an Land verschrieben hat. Ihr findet das Projekt im Internet unter www.sarrrah.de

Herr Dipl.-Ing. Dr. med. Wolfgang Baumeier, gibt es valide Daten darüber, wie lange man es ohne, mit 3mm Wetsuit, 5mm Semidry, 5mm Dry & Seglertrockenanzug (Nylon) bei 0, 5, 10°C Wassertemperatur im Wasser aushält?

Daten hierüber sind mir nicht bekannt. Derartiges müsste man ggf. bei den Herstellern erfragen. „Aushalten“ ist eine sehr dehnbare Formulierung. Transparenter wären die Begriffe „Handlungsfähig sein“, „erhaltenes Bewusstsein“, „erhaltener Kreislauf und Atmung“, „Überlebensfähigkeit“. Die Zeiten für die formulierten Zustände unterscheiden sich beträchtlich und werden mit dem durch die Bekleidung bedingten Ausbremsen des Wärmeabstroms verlängert. Die Einflussfaktoren sind vielfältig und lassen sich experimentell nicht verlässlich ermitteln. Man kann nur auf die Nachbereitung tatsächlicher Unfallsituationen zurückgreifen. Dort sind die Randbedingungen nicht standardisiert und somit nicht miteinander vergleichbar.  Für einzelne Komponenten in dem Zusammenspiel lassen sich Maßzahlen ermitteln, niemals aber für eine verlässliche Voraussage über die biologischen/medizinischen Auswirkungen im Einzelfall. Es gibt nur eine englische Studie über diesbezügliche Beobachtungen bei reellen Unfallsituationen.

Wie wirkt sich der Windchill bei 5-9bft. auf das Kälteempfinden und ggf. die Abwehrkräfte des Körpers aus?

Der Windchill vergrößert den Wärmeabstrom über die ungeschützte Haut. Dieser wird verringert durch eine winddichte Außenschicht und eine darunterliegende stabile durch den Winddruck wenig kompressible Isolationsschicht(en) mit vielen stabilen Lufteinschlüssen. Die „Abwehrkräfte“ des Körpers unterliegen natürlich den Temperatureinflüssen des Organe, hierzu sind auch die Muskeln zu zählen, und in erheblichem Maße mentale Einflüssen.

Warum ist es wichtig, auch Hände, Füße und Kopf zu schützen?

Grundsätzlich ist es wichtig, so viel Körperoberfläche wie möglich gegen einen Wärmeabstrom zu isolieren. Ausreichend temperierte Fuß- und Handmuskeln haben einen erheblichen Einfluss auf die Handlungsfähigkeit  und die Fähigkeit für die mentale Bewältigung der Situation. Auskühlende Muskulatur durchläuft zudem eine sehr schmerzhafte Phase. Hände und Füße sollten deshalb bestmöglich geschützt werden. Keinesfalls Schuhe der Handschuhe ausziehen. Ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers gegen Auskühlung stellt die Eigenschaft dar, die oberflächliche Kapillardurchblutung zu drosseln und schließlich völlig einzustellen.  Die Kopf-, Gesichts- und Halsoberfläche werden in diesen Mechanismus nicht oder nur zu einem geringen Teil eingebunden.  Über diese Region wird deshalb auch bei schon eingetretener Unterkühlung viel Wärme abgegeben. Deshalb ist ein sorgfältiger Schutz dieser Region von Anfang an besonders wichtig.

Wie kann man Hände & Arme, neben der adäquaten Kleidung, am Besten warm halten? Schon vorab und kontinuierlich durch regelmäßiges Armkreisen? Durch eine Pause und Aufwärmen z.B. an einer heißen Tasse Tee? Was hilft und warum? Außerhalb des Wassers wird jegliche Muskelaktivität zur Wärmeproduktion beitragen. Im Wasser beschleunigt Körperbewegung die Auskühlung. Warme Getränke ohne Alkohol sind hilfreich und wohltuend (mentale Auswirkungen mit Beeinflussung des vegetativen Nervensystems mit der Folge der Stärkung der körpereigenen Abwehr), wenngleich die unmittelbaren kalorischen Auswirkungen eher vernachlässigbar sind.

Wie groß ist die Gefahr von Erfrierungen am Fuß, an der Hand? Bemerke ich die Gefahr, oder ist der Übergang fließend?

Erfrierungen treten auf durch unmittelbare Frosteinwirkungen im Gewebe mit der Folge der Gewebezerstörung. Ein bereits stark ausgekühlter Körperteil ist gefühllos, der Frosteintritt wird nicht bemerkt. Besonders gefährdet sind Nasenspitze, Ohren, Zehen und Finger.

Besteht (Schock-)Gefahr, wenn eiskaltes Wasser in den Halbtrockenanzug sickert und auf den erhitzten Körper trifft? Wie kann ich mich durch mein Verhalten bestmöglich davor schützen?

Wenn eiskaltes Wasser unvermittelt und schlagartig großflächig auf die Hautoberfläche trifft, wird dies eine Schmerz-, Schreck- und Stressreaktion auslösen und bedrohliche Reaktionen des vegetativen Nervensystems zur Folge haben können mit vorübergehenden Auswirkungen auf die Atem-  und Herz-Kreislauf-Funktion.  Dies wird häufig fälschlicherweise mit dem Begriff „Kälteschock“ belegt. Fällt ein Mensch in normaler Bekleidung ins eiskalte Wasser, so besteht durch die schlagartige Beaufschlagung der gesamten Körperoberfläche eine große Gefahr von akut einsetzenden Herzrhythmus- oder Atemstörungen. Diese Körperfunktionsstörungen vergehen aber recht schnell, sobald sich das Wasser zwischen innerster Textilschicht und der Hautoberfläche in der Temperatur ein wenig angeglichen hat.  Diese Gefahr ist im Halbtrockenanzug geringer, da der Wassereinstrom langsamer erfolgt.

Wie merke ich, ob und wann die kältebedingte Erschöpfung kritisch wird?

1. Es tritt eine motorische Beeinträchtigung ein, so dass eine ohnmachtsichere Position (Atemwege frei) nicht mehr eingehalten werden kann. 2. Rationales und damit der Situation angemessenes Verhalten setzt aus.  Denkstörungen, Verlangsamung, Müdigkeit, Einschlafen, sog. Kälteidiotie: Entkleiden,…

Hier noch die Internetadressen der Hersteller aller von uns in den Basics 1-2/2009 vorgestellten Winterneopren-Accessoires:

www.ascan-surf.de www.camaro.at www.gunsails.de www.neilpryde.de

(Interview: Christian Kuhlmann)

Artikel aus SURF 1/2009

 

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