Redaktion

surf-Test 2020 – Update 3

  • Manuel Vogel
11.11.2019

Tester im Matchrace-Modus und gute Hoffnung auf dem Weg ans Kap – was beim surf-Test in Südafrika diesmal so los war.

"Braucht ihr vielleicht noch Mitarbeiter?" – dieser Post unter einem unserer Facebook-Fotos erreicht uns so oder in leicht abgewandelter Form ziemlich oft. Dahinter verbirgt sich der Glaube, wir hätten den besten Job der Welt – was natürlich stimmt. Trotzdem ist Testen viel mehr als nur auf Wind warten und Surfen: Jedes einzelne Action-, Produkt- und Detailfoto im Heft wird von uns gemacht, wir verwenden keine Herstellerfotos und Gewichtsangaben und von Marketingsprüchen in Prospekten bekommen wir Ausschlag. Alles wird von mehreren Testern unter die Lupe genommen, vermessen, gewogen und natürlich auf dem Wasser ausgiebig ausprobiert.

Im Heft sieht man nur ein Schlaufe, in der Realität steckt hinter jedem Detailbild auch etwas Arbeit.

Noch immer ließ der Sommer mit seinem verlässlichen Südostwind noch auf sich warten. Für alle Wavefans in Kapstadt bedeutete das jetzt: Pause. In Langebaan gibt's bei derartigen Wetterlagen glücklicherweise oft noch brauchbare Bedingungen für die größeren Boards und Segel. Mit dabei haben wir diesmal z.B. die Freerideboards mit 120 bis 130 Litern und eine Gruppe Freeraceboards. Diese wollen wir nicht nur untereinander vergleichen, sondern auch einen ausführlichen Quervergleich zu den Slalomboards bieten: Wie groß sind die Unterschiede zwischen diesen beiden Brettklassen tatsächlich? Oder ist das vermeintliche Upgrade auf einen Slalomboliden manchmal eher ein Downgrade? Spannendes Zusatzthema: Wir probieren aus, ob sich Freeride- und Freeraceboards auch zum Foilen eignen, denn unsere aktuelle Leserumfrage hat eindeutig gezeigt: Foilen ist für viele Windsurfer interessant. Ein extra Foilbrett wollen sich allerdings die Wenigsten anschaffen. Ohne zu viel zu verraten: Es gibt durchaus einige Windsurfboards, die den Doppelnutzen tatsächlich bieten. Diesen wollen wir in der kommenden Saison mehr Beachtung schenken – im Gegensatz zu den reinen Foilprodukten.

Langebaan – auch bei Nordwestwind ein Spot mit tollen Bedingungen.

Matchrace mit dem Fanatic Falcon (links) und dem Fanatig Jag.

Südafrika ist, in jeglicher Hinsicht, ein Land der Gegensätze – auch der Wind macht da keine Ausnahme. Wer sich nicht auskennt, kann hier in der Flaute am Spot sitzen, ohne zu ahnen, dass es 30 Kilometer weiter fürs kleinste Besteck ballert. Zuversichtlich wurde daher auch diesmal wieder der Trailer für unseren nächsten Ausflug ans Kap mit Segelgrößen zwischen 5,0 und 3,7 qm beladen. Nach dem üblichen Stopp an der R27 Richtung Kapstadt vermischte sich auch diesmal wieder der Geruch von Chicken Wings, Sushi, Humusbroten und alten Surfschuhen zu einem unvergleichlichen Duft. Eigentlich war an diesem Tag Whitsands, 20 Kilometer von Cape Point entfernt, als Test- und Fotospot geplant. Zwar liefen hier mächtige Wellen an die Küste, von Wind war allerdings nichts zu sehen. Also weiter Kurs Kap und hoffen, dass die Vorhersage recht behielt. Als wir die letzte Kurve hinunter zum Spot nahmen, war das Meer weiß.

Nicht unbedingt ein Spot für Wave-Einsteiger: Platboom

Platboom ist vermutlich einer der aufregendesten Spots weltweit – mit seinem smaragdgrünen Wasser und dem nur wenige hundert Meter entfernten "Kap der Guten Hoffnung" einerseits wunderschön. Andererseits ist hier auch schon vielen Windsurfern angesichts des felsigen Einstiegs, schräg ablandigem Wind (nächster Stop: Argentinien) und mitunter monströsen Wellen das Herz in die Hose gerutscht. Auch diesmal konnte ein wenig Kap-Erfahrung nicht schaden – 3,2 Meter Swell auf 14 Sekunden, das bedeutet hier deutlich über masthoch in den Sets.

Platboom-Perfektion

"Och, sind die süß!" – der Begeisterung der anderen Kaptouristen zur umherziehenden Horde Paviane schlossen wir uns nicht an. Wir brachten stattdessen unsere Vorräte in Sicherheit und bewaffneten uns mit Mastverlängerungen. Es wäre nicht das erste Mal, das es hier geheißen hätte "man vs monkey". Vor allem unser Testleiter Stephan kann ein Lied davon singen - ihm klaute ein Affe mal die komplette Kameratasche und verteilte Objektive und Kleinteile bei seiner Flucht gleichmäßig im Unterholz.

Diesmal blieben wir davon glücklicherweise verschont und auch unser Testequipment konnte einige Stunden später vollzählig und unversehrt die Heimreise antreten. Aktuell sieht es so aus, als wäre dies auf absehbare Zeit unsere letzte Reise ans Kap gewesen, denn: Der Sommer kommt! Und mit ihm endlich eine stabile Windphase mit "south easter". Stay tuned!

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