Redaktion

surf-Test Südafrika – Update 3

  • Manuel Vogel
07.11.2018

Bei Flaute haben surf-Tester frei?! Denkste! Stattdessen steht "Selbstfilettierung" auf dem Programm. Wer überlebt hat und was es sonst noch so an Schwund gab, lest ihr in unserem Blog.

Nik hebt ab.

Filettier-Kurs

Tatsächlich! Es ist soweit. Nach acht Tagen Wind am Stück hängt die Fahne heute morgen schlapp am Mast. Holiday! Natürlich wissen wir Tester, dass dem nicht so ist. Im Normalfall nutzen wir Flautentage, die endlosen Fotostrecken zu Produktdetails oder Produktaufsichten zu fotografieren. Heute aber hat sich der Chef eine andere Gemeinheit überlegt: Foil-SUPen! Will heißen: Kleine Wave-SUPs mit Foils drunter. Damit soll man quasi über den Wellen schweben. Dabei sind wir zum Testen von Foil-SUPs etwa so geeignet wie Donald Trump als Chef-Diplomat. Abgesehen von Tester Nik hat niemand das bisher je ausprobiert. "Soll mehr ein Selbstversuch werden", stellt unser Testleiter klar. "Ihr probiert das aus, ich dokumentiere mit der Kamera wie ihr euch selbst filettiert und am Ende machen wir eine schöne Reportage für die nächste Printausgabe des SUP-Mags draus." Na dann.

Ist es schon Foil-SUPen oder noch Arschbombe?

Auf der Fahrt rüber nach Swartriet sehen wir uns schon blutend im Lineup paddeln und sämtliche Haie der Region Western Cape anlocken. Die Wellen sind perfekt zum Üben – bis zu kopfhoch und relativ rund rollen sie heute gemütlich an den wieder mal vereinsamten Strand. Auf eine Leash verzichten wir erstmal, schließlich wollen wir vermeiden, bei einem Sturz den scharfen Carbonflügel von der Welle über den Schädel gespült zu kommen. Dann lieber hinterherschwimmen bis zum Strand. Schon der Weg ins Wasser mit dem knapp ein Meter langen Monstrum unterm SUP ist nicht einfach, beim Rauspaddeln bremst der Flügel eher als das er hilft. Wellen mit den sehr kurzen SUPs überhaupt zu bekommen, ist auch kein Kinderspiel. Irgendwann klappt es – die Welle schiebt, das Brett gleitet los, ein kurzer Wackler und schon schnalzt einen das Foil nach oben. Eine Sekunde später segelt man aus knapp einem Meter Höhe wieder runter. Oberste Priorität: Irgendwie das Foil verfehlen oder es zumindest nur mit Körperteilen treffen, die nicht unbedingt benötigt werden. Nik zeigt uns derweil wie's geht – nach einigen Versuchen hat er den Bogen raus und schwebt im Kai-Lenny-Gedächtnis-Style die kleinen Wasserwände entlang. Für den Rest der Truppe steht nach dieser Session fest: Weiteres Training ist nötig – oder vielleicht lassen wir's auch einfach bleiben.

Sieht nach Spaß aus, oder?

Neidgesellschaft

Langebaan wäre nicht Langebaan, wenn es nicht doch am Abend wieder – entgegen aller Vorhersagen – surfbaren Wind liefern würde. Wir starten deshalb mit den Vergleichsfahrten der Freeraceboards. Teams aus je zwei gleichschweren Testern fahren dabei die Leistungsunterscheide der Boards heraus. Dazu verwendet jedes Team identische Riggs – von der Segelgröße, über die Komponenten bis hin zum Trimm sind diese Riggs absolut gleich. Die Tester positionieren sich auf dem Wasser leicht versetzt, damit jeder Fahrer freien Wind hat und testen die Boards auf Kriterien wie Angleiten, Beschleunigung, Speed im mittleren und oberen Windbereich, Kontrolle und Halseneigenschaften. Nach einigen Schlägen werden die Boards getauscht, jeder Tester behält dabei sein Segel. Die Unterschiede werden auf diese Weise schnell deutlich und nach jeder Vergleichsfahrt werden die Ergebnisse als Sprachnachricht oder auf Papier festgehalten. Zusätzlich lassen wir bei leistungsoroientieren Brettgruppen wie Freerace auch mal eine GPS-App mitlaufen. Natürlich werden beindruckende GPS-Topspeeds von den Testkollegen regelmäßig angezweifelt: "Kann ja nicht sein, dass die Hanswurst über 60 km/h fährt, die Speed-App geht sicher falsch."

Für den Test der Freeraceboards verwenden wir identische Riggs.

Summa summarum: Was als Flautentag angedacht war, entwickelte sich wieder mal ganz anders: Blaue Flecken vom Foil-SUPen geholt, und am Nachmittag mal eben 70 Kilometer bei Vergleichsfahrten mit dem 7,8er abgespult. Die teaminterne Speed-Messlatte auf 65,01 km/h gehoben, (was natürlich nicht sein kann) und am Abend völlig fertig im Bett gelegen. Flautentage können so anstrengend sein.

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