Surfspots in Gefahr – viele Probleme, aber auch Lösungen Surfspots in Gefahr – viele Probleme, aber auch Lösungen Surfspots in Gefahr – viele Probleme, aber auch Lösungen

Surfspots in Gefahr – viele Probleme, aber auch Lösungen

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor einem Monat

Dem coronabedingten Ansturm auf die heimischen Spots folgten viele Probleme, bis hin zu Verboten und Beschränkungen – z.B. im Raum Berlin, in der Kieler Bucht, auf Rügen und am Ammersee. Aber vielerorts setzen sich die Surfer dafür ein, die Probleme zu lösen – teilweise mit Erfolg!

Von Flensburg bis zum Ammersee häuften sich in diesem Sommer die Hiobsbotschaften – an immer mehr Spots gab es Probleme mit gesperrten Parkplätzen bzw. Zufahrten oder sogar Spotschließungen. Als Gründe wurden von den Behörden meist die aus dem Ruder gelaufenen Parksituationen genannt, in Verbindung mit wildem Campen und liegengelassenem Müll. Weil COVID-19 zu massiven Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr geführt hat, galt für viele Surfer in diesem Jahr: Ammersee statt Aruba und Heiligenhafen statt Hurghada. Und weil dieses Reiseverhalten nicht nur für Wassersportler, sondern quasi für alle Urlaubswilligen zutraf, kam es vielerorts teilweise zu chaotischen Zuständen. Dass einige Gemeinden die Reißleine zogen, war insofern die logische Konsequenz.

Kieler Bucht

Am Ostsee-Kultspot Weissenhaus installierte der Betreiber des exklusiven Resorts Ende August eine Höhenbeschränkung (2,10 Meter) am westlichen Parkplatz „Alte Liebe“. Hohe Womos müssen nun draußen bleiben oder teilweise auf den kostenpflichtigen Parkplatz weiter östlich (max. 2,30 Meter Höhe) ausweichen.

Der westliche Parkplatz am Wavespot Weissenhaus ist derzeit für Fahrzeuge über 2,10 Meter gesperrt.

Zwar wurde einer tageweisen Öffnung der Schranke zugestimmt, eine automatisierte Lösung, z.B. über eine Push-Nachricht bei entsprechender Windfinder-Vorhersage, auf deren Basis die Betreiber dann die Höhenbeschränkungen hätten öffnen können, wurde aber abgelehnt. Ein vom Resort gewünschter konkreter Ansprechpartner erscheint nicht realistisch, zu unterschiedlich sind die Interessen verschiedener Szenen wie Windsurfen, Wellenreiten oder Kiten. Deshalb soll jetzt angeregt werden, die Höhenbeschränkung zumindest nur auf die Zeit im Hochsommer zu beschränken und den Zugang vom Herbst bis ins Frühjahr offen zu halten. Was haltet ihr von einem solchen Vorschlag? Schreibt euer Feedback an redaktion@surf-magazin.de

Großraum Berlin

Auch am Fahrlander See westlich von Berlin steht eine Spotsperrung im Raum, hier ist die Surfszene bereits im Austausch mit der Gemeinde, um eine einvernehmliche Lösung zu finden und die Interessen von Wassersport und Naturschutz in Einklang zu bringen. Um Unterstützung wird gebeten, alle Hintergründe und den Link zur Petition findet ihr hier.

Erfolgreicher Protest in Bayern

Dass der Dialog zwischen Wassersportlern und politischen Entscheidungsträgern meist der beste Weg ist, zeigt auch das Beispiel Ammersee: Entlang der Rieder Straße wurden diesen Sommer Erdwälle aufgeschüttet, ohne dass es – nach Aussage der Locals – vorher zu nennenswerten Verkehrsbehinderungen durch an der Straße parkende Wassersportler gekommen wäre.

Ammersee-Action

Innerhalb weniger Tage zeichneten über 1600 Wassersportler die Petition (Infos & Link) . In Gesprächen mit den Behörden wurde jetzt erreicht, dass die Erdwälle wieder zurückgebaut werden. Ob dieser Zustand dann von Dauer sein kann, dürfte allerdings maßgeblich davon abhängen, ob sich die Wassersportgemeinde vor Ort an die Regeln hält – im Extremfall bedeutet das für Windsurfer auch mal weiterzufahren, wenn die offiziellen Parkplätze belegt sind.

Kreativ in Kreptitz

Ein gänzlich anderer Grund legte in diesem Sommer den Top-Spot Kreptitz auf der Insel Rügen lahm: Weil die Treppe an der Steilküste marode war, sperrte die Gemeinde Dranske kurzerhand den Zugang. Eine neue Treppe war nicht geplant, der Spot damit dicht. Damit wollte sich die Rügener Surf-Community allerdings nicht abfinden und erwirkte bei der Gemeinde, dass die Treppe neu errichtet werden darf, allerdings auf eigene Kosten! Und diese lagen mit geschätzt über 20.000 Euro nicht gerade niedrig!

Die alte Treppe am Spot Kreptitz/Rügen war marode, der Zugang wurde gesperrt...

...was die lokale Surfgemeinde aber nicht davon abhielt, "ihren" Spot per Crowdfunding-Kampagne zu retten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Weil ein Rügener Urgestein den Bau der Treppe vorfinanzierte und die daraufhin ins Leben gerufene Crowdfunding-Kampagne mehr als über 200 Unterstützer fand, kam der nötige Betrag zusammen – 22.300 Euro. Die neue Treppe wurde bereits errichtet und sorgt bereits dafür, dass der Strand auch weiterhin ohne den Abstieg über die sensiblen Dünen erreicht werden kann. „Stairway to wave sailing heaven!“

Auch an eurem Spot gibt es vermehrt Sperrungen & Einschränkungen? Dann schreibt uns eine Mail an redaktion@surf-magazin.de

Schlagwörter: Surfspots Surfverbot


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