Techno Wind Foil – Interview mit Leon Delle Techno Wind Foil – Interview mit Leon Delle Techno Wind Foil – Interview mit Leon Delle

Techno Wind Foil – Interview mit Leon Delle

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 3 Monaten

Techno Wind Foil (TWF) soll die neue Einstiegsklasse für Jugendliche U17 ins Foil-Racing sein. Wir haben die Vor- und Nachteile des Konzepts im Interview mit Leon Delle vom Deutschen Segler-Verband (DSV) beleuchtet und das Material ausprobiert.

In vielen Surfclubs werden Jugendliche über den Techno 293 ans Windsurfen und an den Regattasport herangeführt. Seit die Entscheidung für das iQFOiL als neues Olympiamaterial gefällt wurde, hat auch das olympische Windsurfen für Jugendliche wieder an Attraktivität gewonnen. Als Bindeglied zwischen der Jugendklasse Techno 293 (mit Schwert) und dem iQFOiL kommen, neben einer offenen Klasse (Formula Foil), mehrere Möglichkeiten in Betracht: Das iQFOiL Youth oder auch das Techno Wind Foil (TWF). Leon Delle vom Deutschen Segler-Verband (DSV) erklärt im surf-Interview, welche Vor- und Nachteile sich aus den unterschiedlichen Konzepten ergeben.

Andreas Erbe Leon Delle vom DSV

Der DSV steht vor der Entscheidung, auf welchem Material Jugendliche in Zukunft Regattasport betreiben sollen. Wohin geht die Tendenz?

Wir sind im Dialog mit den Klassenvereinigungen und natürlich auch unseren Vereinen. Auf Vereinsebene funktioniert die Jugendklasse für U13/U15/U17 mit dem Techno 293 recht gut und international gibt’s gut organisierte Events. In der Altersklasse U17 könnte dann auf das Techno Wind Foil gewechselt werden. Der Vorteil: Es können Materialkomponenten des Techno 293 weiterverwendet werden beim TWF, das spart Kosten, was für die Vereine wichtig ist. Das Material ist robust und langlebig, die Bauweise ist die gleiche wie beim bewährten Techno 293, deswegen wollen wir den Techno Wind Foil als Einstiegsklasse etablieren.

Andere Länder setzen auf das iQFOiL Youth, weil es leistungsorientierter und damit näher dran ist am Olympiamaterial iQFOiL. Verpasst der Nachwuchs in Deutschland mit dem Techno Wind Foil nicht den Anschluss?

Der Techno Wind Foil soll die Einstiegsklasse sein für eine breite Basis. Die älteren und leistungsorientierten Fahrer können natürlich auch direkt aufs iQFOiL gehen, das System soll durchlässig sein. Eine zusätzliche iQFOiL Youth-Klasse ist vorerst nicht sinnvoll, da diese die noch recht kleinen Teilnehmerfelder weiter aufteilen würde und eine zusätzliche Investition vor dem Einstieg in die iQFOiL-Klasse notwendig wäre. Techno Wind Foil ist sicher kein Highend-Foil­material. Aber man darf nicht vergessen, dass das auch für das Jugendbrett Techno 293 zutrifft, trotzdem ist Techno 293 die international erfolgreichste Jugendserie. Bei WM oder EM sind da 400 Teilnehmer dabei! Weil alle mit dem gleichen Equipment unterwegs sind, herrscht Chancengleichheit – das ist wichtiger und motivierender als teures Hightechmaterial. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man das Techno Wind Foil auch mit Finne nutzen kann, z.B. wenn der Wind zu stark zum Foilen wird – der Einsatzbereich ist maximal groß.

Welche Strukturen werden aufgebaut, um den Nachwuchs stärker zu fördern?

Wir haben 2020 erste Workshops durchgeführt, um das Material zu präsentieren und Know-how zu vermitteln. Zusätzlich bieten wir 2021 diverse Fortbildungsmöglichkeiten für Trainer und Vereine im Bereich Windfoiling an. Parallel dazu arbeiten die beiden Windsurf-Klassenvereinigungen DWSV und GWA eng zusammen und bieten weitere Trainingsmaßnahmen an. Auch ein gemeinsamer Terminkalender mit neun Regatten steht auf dem Programm. Diese Maßnahmen sollen auch ein Anreiz für die Vereine sein, diesen Bereich stärker zu forcieren oder ihn neu zu etablieren. Zusätzlich soll es Landeskader mit eigenen Trainern geben, so wie dies z.B. in Schleswig-Holstein bereits der Fall ist. Die Aufnahme in einen Landeskader bedeutet, dass man Trainingsmöglichkeiten und finanzielle Unterstützung bekommen könnte. Allerdings bedeutet das auch, sich auf die neue Disziplin einzulassen und das entsprechende Material zu nutzen.

Welche Chancen bietet diese Entwicklungen im Bereich Jugend-Windfoiling für den Nachwuchs?

Für die Jugendlichen eröffnet diese Einstiegsklasse verschiedene Möglichkeiten: Zum einen, kann man über einen Verein kostengünstig Material nutzen und in einer Trainingsgruppe gemeinsam Spaß auf dem Wasser haben. Zudem hat man mit dem Techno Wind Foil erstmals die Möglichkeit, sich unter fairen Bedingungen in einer Jugendklasse im Windfoiling zu messen. Zum Anderen besteht durch die Nutzung von einheitlichem Jugendmaterial auch die Chance, bei Erfolgen in eine Landes- und Bundesförderung zu kommen, was die Basis für eine Profikarriere in der olympischen iQFOiL-Klasse darstellt. Viele Jugendliche sind bereits auch auf anderem Material und in mehr als einer Disziplin aktiv. Wichtig ist, zu verstehen, dass dies eine weitere, neue Klasse ist und nicht bedeutet, dass sie pa-rallel nicht auch in den anderen Klassen aktiv sein dürfen und dort z.B. andere Sponsoren haben können.

Danke Leon für das Gespräch!

Wir konnten bereits einige Runs mit dem Techno Wind Foil machen. Hier sind unsere Eindrücke.

An Land:

Das 130-Liter-Board vom Hersteller Tahe (ehemals Bic Sport) fällt mit 230 x 81,5 Zentimetern deutlich länger und schmaler aus als reine Foilboards – dies ist der Windsurfeignung geschuldet, denn das Konzept soll sowohl zum Foilen als auch zum Windsurfen einsetzbar sein. In die Deep Tuttlebox steckt man wahlweise eine 43er Select Finne oder das T Windfoil OD – ein Foil mit 90 Zentimeter Aluminiummast, Alu-Fuselage (91 Zentimeter) und Frontwing (850 cm2) aus robustem G10-Material. Der Backwing lässt sich im Winkel verstellen und auf „Lift“ oder „Speed“ tunen. Das Set aus Board und Foil kostet regulär 2598 Euro, das komplette TWF-Rigg inklusive Segel, Gabel, Mast und Verlängerung soll, je nach Größe, für rund 1500 Euro zu haben sein. Jugendliche, die aus der Techno 293-Klasse auf den Techno Wind Foil wechseln, können Komponenten wie Mast, Gabel und Verlängerung übernehmen, was die Kosten drückt. Das TWF-Segel ist in den Größen 5,6/6,3/7,0 und 7,8 qm erhältlich, alle Größen haben zwei Camber und eine recht schmal gehaltene Masttasche. Auch dank spezieller Einführungsangebote soll der Preis für ein komplettes Set (Board/Foil/Rigg) mit rund 3500 Euro nur einen Bruchteil dessen betragen, was z.B. das Olympiamaterial iQFOiL kostet (VK-Preis ca. 9.500 Euro).

Marius Gugg Techno Wind Foil

Auf dem Wasser:

Das Board kommt, sicher auch aufgrund seiner Länge, gut auf Abhebegeschwindigkeit – spürbar leichter, als dies auf reinen Foilboards üblicherweise der Fall ist. Abgesehen davon, dass die Schlaufen recht störrisch sind und sich zu Beginn schlecht groß stellen lassen, fühlt man sich an Deck gut aufgehoben, sofern man es gewohnt ist, in weit außen liegenden Schlaufenpositionen zu surfen. Das Foil hebt harmonisch ab und wird durchaus schnell. Auch wenn Kontrolle und Maximalspeed nicht vergleichbar mit dem von Highend-Racemaschinen sein dürften, so kann man auf dem Techno Wind Foil doch sportlich foilen. Gut gefallen hat uns auch das Rigg, welches recht leicht wirkt und obendrein mit sanfter Camberrotation ausgestattet ist. Auch das Segel wird dem Hybridanspruch gerecht, lässt sich auch im Windsurfeinsatz gut anpumpen und kontrollieren.

surf-Fazit:

Das Techno Wind Foil ist kein Spezialistenmaterial, sowohl für Foilracer als auch sportliche Windsurfer gibt es besseres Equipment. Trotzdem funktioniert das Material für beide Einsatzbereiche wirklich gut und überzeugt sowohl im Foileinsatz als auch mit Finne. Wer also schon Erfahrung auf dem Foil hat, mit weit außen liegenden Schlaufenpositionen klarkommt und recht kostengünstig ins Regattafoilen einsteigen will, dürfte hier das Richtige finden.

Infos unter www.tahesport.com

Themen: InterviewRegatta


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