Unbegrenzte Möglichkeiten: Finnen aus der Form

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 4 Jahren

Pio Marasco, Designer beim Finnenbauer Maui Fin Company, verrät im Interview, warum Finnen aus der Form unbegrenzte Möglichkeiten bieten.

"Unbegrenzte Möglichkeiten bedeuten auch, dass wir unglaublich viel testen müssen.” Pio Marasco, MFC-Designer

Pio, Finnendesigner suchen immer nach der perfekten Kombination aus Leistung, Speed und der Möglichkeit, das Biegeverhalten der Finnen zu steuern. Was sind die Schwierigkeiten, dies zu erreichen? Man kann an der perfekten Kombi aus Profil, Dicke, Länge und Breite tüfteln wie man will, am Ende kommt es darauf an, welche Materialien man verwenden will. Dafür muss man sich erstmal bewusst machen, dass es zwei Möglichkeiten gibt, eine Finne zu bauen: Erstens: Formbauweise. Zweitens: laminierte Finnen. Eine laminierte Finne wird aus einem rechteckigen Block von etwa 10 x 30 x 30 cm, bestehend aus G10-Material oder Fiberglass, herausgefräst. Die computergesteuerte Fräse fräst den gewünschten Shape aus dem Block, man muss nur ein wenig nachschleifen und kann im Prinzip damit sofort aufs Wasser. Abgesehen davon, dass ein Haufen nicht gerade umweltfreundlichen Restmaterials übrig bleibt, sind die limitierenden Faktoren der Flex und die Torsion (Twist, die Red.) der Finne. Ein Beispiel: Will ich ein schnelles Profil, muss dieses dünn sein – aber dann wird es auch weich. Soll die Finne hart sein, geht das nur wenn man sie dicker macht – dann wird sie langsam. Deshalb bauen wir laminierte Finnen nur, um möglichst schnell ein neues Profil auszuprobieren und machen uns da­ran, eine Form zu bauen und den Aufbau der Finne zu variieren.

Pio Marasco

Welche Vorteile bietet die Formbauweise gegenüber gefrästen Finnen? Die CNC-Fräse fräst in diesem Fall nicht die Finne, sondern die Form dafür. Je nachdem welches Material man jetzt in diese Form reinlegt und wie man es anordnet, kann man den Flex und die Torsion der Finne steuern. Man kann also zehn verschiedene Finnen bauen, die äußerlich komplett identisch aussehen, die aber alle unterschiedliche Eigenschaften haben. Man kann experimentieren mit Carbon, verschiedenen Glasstärken und sogar unterschiedlichen Harzen, all das beeinflusst, wie die Finne am Ende fährt. Das ist der Schlüssel! Es gibt dadurch keine Limits mehr. Will man, dass die Finne im Mittelteil etwas mehr flext, nimmt man etwas Carbon raus und baut hier stattdessen Glasfaser ein. Soll sie im Tip (Spitze der Finne, die Red.) etwas mehr twisten, legt man die Carbonmatten leicht schräg, usw. Weil man so viele Möglichkeiten hat, muss man natürlich testen, testen, testen – und das nicht nur auf Maui, sondern in unterschiedlichsten Bedingungen. Denn am Ende ist es leichter eine spezielle Finne für einen Hawaii-Profi zu bauen, als eine, die für unterschiedlichste Boards und Benutzer passt. Jetzt können wir beispielsweise dünne Profile verwenden und diese, indem wir Material wie Carbon verbauen, trotzdem steif konstruieren. Dadurch wird der Fahrwiderstand reduziert, was sich drastisch auf den Top-Speed auswirkt. Außerdem sind dünne Profile naturgemäß leichter – unsere 18er-Freestylefinne ist die leichteste auf dem Markt und wiegt gerade mal 135 Gramm.

Ihr habt mit euren Finnen Serienboards unterschiedlicher Marken ausgestattet und es gab 2015 auch Beschwerden, dass diese bei Bodenkontakt nicht sonderlich widerstandsfähig waren... Die erste Generation dieses Finnentyps war sensibel, das stimmt. Aber natürlich sollte man weder mit dem Brett noch den Finnen auf die Steine fahren. Trotzdem haben wir uns über neue Materialzusammensetzungen Gedanken gemacht, beispielsweise über die Verwendung eines anderen Harzes. Es geht einfach immer weiter!

Die Maui Fin Company gibt es bereits seit 1986, Pio Marasco ist schon seit 1992 als Designer dabei.

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Themen: FinnenFormenbauMaui Fin CompanyPio Marasco


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