Windsurfen bleibt olympisch – aber wie?

02.07.2018 Manuel Vogel - Der Weltsegelverband hat entschieden, Windsurfen bleibt olympisch. Für Damen und Herren. Offen ist aber jetzt noch die Disziplin – und das Material. Ein Chance fürs Foil-Surfing und damit ein Anreiz für viele Worldcupper, oder bleibt es weiterhin beim Hybridboard RS:X?

© Sailing Energy
Olympionik Toni Wilhelm bei den Spielen in Rio (2016).
Olympionik Toni Wilhelm bei den Spielen in Rio (2016).

Hoyle Schweitzer, Produzent des original „Windsurfer“, war 1980 stinksauer, als der damalige Weltsegelverand IYRU (International Yacht Racing Union) sich für das deutsche Fabrikat „Windglider“ als Olympiabrett für die Spiele 1984 in Los Angeles entschied. Der Funsport Windsurfen boomte in den 80ern weltweit und die hohen Herren des IOC hatten beschlossen, diese Sportart ins olympische Programm zu heben, um sich als Modernisierer zu zeigen.

Aktuell befindet sich World Sailing, der Weltsegelverband hat sich mittlerweile einen modernen Anstrich gegeben, wieder in einer ähnlichen Situation. Nachdem kürzlich beschlossen wurde, von den zehn olympischen Segelklassen weiterhin zwei fürs Windsurfen (Damen/Herren) und als neue eine fürs Kitesurfen (Teamwettbewerbe) zu fixieren, steht nun die entscheidende Frage an: Soll auch 2024 das aktuelle Olympiabrett RS:X bei den Spielen in Paris, die Segel- und Surfwettbewerbe laufen in Marseille am Mittelmeer, an den Start gehen. Oder braucht es wieder eine Material-Änderung?

Um bei dieser schwierigen Entscheidung auch die Aktiven einzubinden, hat World Sailing sich die Unterstützung eines fünfköpfigen Fahrerkomitees gesichert, in das mit Vincent Langer auch ein erfolgreicher deutscher Top-Surfer eingebunden wurde. Der Segelverband möchte die aktuelle Entwicklung durch das Foil-Racing nicht übergehen, muss allerdings auch eine zweite Vorgabe durch die Wettbewerbshüter in Brüssel berücksichtigen. Man wird die Monopolsituation von zwei Herstellern, RS:X von NeilPryde und die Segeljolle Laser (Laser Performance), überprüfen.

Mit einer Boxrule, wo die Maximalmaße wie Länge, Breite, Gewicht, Segelgröße fixiert werden, könnte dann eine Öffnung für weitere Hersteller geschaffen werden. Mit dieser Vorgabe für den freien Wettbewerb unter den Produzenten ergäbe sich gleichzeitig die Chance, im Windsurfen über ein neues Board (Foilboard) und neue Wettbewerbsformen (Foil-Racing) zu entscheiden, zumal sich ja aktuell im Worldcup und auch schon in diversen Ländern die neue Sportart „Foilsurfen“ bei den Rennen durchsetzt.

© Carter/pwaworldtour.com
Zukunft Foilsurfen? Im PWA World Cup hat sich die neue Disziplin bereits etabliert.
Zukunft Foilsurfen? Im PWA World Cup hat sich die neue Disziplin bereits etabliert.

Beispiel: In der Schweiz und auch im Deutschen Windsurf-Cup (DWC) wurde Formula-Racing für die Foilboards geöffnet. Nach den ersten gemeinsamen Rennen ist schon abzusehen, das die einen Meter breiten Formulabretter gegen die Foilboards vor allem an der Kreuz chancenlos sind. Allerdings ist dabei das Thema Sicherheit nicht zu vernachlässigen, kurzfristig wurde jetzt Helm- und Protektorenpflicht eingeführt.

Noch ist Foil-Racing Herrensport, aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Damen übers Wasser schweben. Im Worldcup wird diese Saison noch abgewartet, es könnte aber durchaus 2019 geöffnet werden.

Sobald „World Sailing“ die Entscheidung trifft, und die soll auf der Jahreskonferenz im November 2018 erfolgen, werden weltweit die nationalen Segler-Verbände auf diesen Sport aufspringen. Vincent Langer, kürzlich Slalom-Europameister geworden, sieht eine Chance für Olympia: „Ich werde fest darauf hinarbeiten, dann 2024 an den Start zu gehen.“

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