• SLALOM HERREN Big Five – das sind Antoine Albeau, Björn Dunkerbeck, Micah Buzianis, Finian Maynard und Kevin Pritchard. Diese fünf Heroes dominieren seit Urzeiten den Slalom-Worldcup und machen den Weltmeister unter sich aus, wobei vor allem Dunki, Albeau und Buzianis abräumten. Sollte es auch 2009 wieder so sein? Podersdorf am Neusiedler See sah eine Slalom-Premiere und eine Überraschung – der Engländer Ross Williams düpierte die Stars und gewann nach vier Finals vor Weltmeister Albeau, Gonzalo Costa Hoevel und Julien Quentel. Erst dann folgten Dunkerbeck (5.), Maynard (6.) und Pritchard (7.). Sollte das ein Fingerzeig für die Saison sein? Nicht doch, denn in Südkorea übernahm Albeau wieder das Zepter und landete nach fünf Serien einen überlegenen Triumph. Micah Buzians ergänzte mit Rang zwei den Erfolg von JP-Australia/ NeilPryde zum Doppelsieg. Für Dunkerbeck reichte es nur zu Rang drei, vor Maynard, der nach seinem Umstieg auf RRD-Boards ansteigende Form zeigte. Das volle Slalom-Programm mit 14 Serien lieferte Gran Canaria am Turbo-Spot Pozo. Das sollte der Event von Local Dunki werden. Weit gefehlt, ein enttäuschender Rang 6 für den Hero. Lag’s am Wechsel auf Severne-Segel? Albeau wieder überlegen, im Kampf um den Kronprinz matchten sich Pritchard, erstmals Cyril Moussilmani und Maynard. Nur 0,7 Punkte lag das Trio auseinander, diesmal zeigte Pritchard (2.) Konstanz. Auf Fuerte am Strand von Sotavento kehrte nach dem Sieg von Albeau fast Langeweile ein, denn die WM war nun schon fast entschieden. Doch wer wird Vize? Finian Maynard zeigte mit Rang zwei die meisten Ambitionen, während Dunkerbeck mit Rang sieben die Saison fast abhaken konnte. Die Bucht von Alaçati sah einen identischen Sieger, damit war die Saison entschieden. Albeau ist vorzeitig Weltmeister. Björn zeigte mit Rang drei Kampfgeist und aufsteigende Tendenz. Deshalb stellte sich auf Sylt einzig noch die Frage nach dem Vize, denn Dunkerbeck sah noch eine hauchdünne Chance bei einem Sieg. Den holte sich aber wieder Antoine – vor Björn. Maynard reichte Platz acht zur Vize-Weltmeisterschaft.
  • SLALOM DAMEN Während die Herren bei sieben Slalom-Worldcups reichlich Gelegenheit bekamen, ihr Können zu zeigen, durften die Damen nur bei drei Events um die Tonnen heizen. Los ging’s in Südkorea in der Jinha Beach, wo die Französin Valerie Ghibaudo vier von acht Slaloms gewann und erste Titelambitionen andeutete. Auch an der Costa Brava lag Preisgeld für die Damen bereit, allerdings ließ der Wind nur ein Rennen zu. Gleicher Einlauf wie in Südkorea – Ghibaudo vor Karin Jaggi. War das schon die halbe Miete für die WM-Krone? Nur noch der Worlcup im türkischen Alaçati stand für die Frauen im Tour-Kalender. Ghibaudo legte, wie in Südkorea, wieder mit einem zehnten Rang im ersten Finale los, hämmerte aber dann sechs Siege auf die kabbeblige Slalom-Piste. Sieg und WM-Titel! Hinter ihr lieferten sich Sarah-Quita Offringa, Sarah Hebert und Karin Jaggi einen spannenden Dreikampf, den Slalom-Einsteigerin und Freestyle-Weltmeisterin Offringa gewann.
  • WAVERIDING HERREN Als großer Favorit nach seinen WM-Erfolgen 2007 und 2008 ging Kauli Seadi ins Rennen. Wer sollte dem Brasilianer den Titel streitig machen? Sein alter Rivale Victor Fernandez, dessen Teamkollege Marcilio Browne oder die beiden Oldies Josh Angulo und Kevin Pritchard? Oder gar ein Außenseiter? Bei nur drei durchgeführten Events war ein spannender Ausgang zu erwarten. Einen Ausrutscher durfte sich keiner erlauben. Ene, mene muh, und rauß bist du – für Victor Fernandez begann auf der Kapverden-Insel Sal schon in der zweiten Runde der Single Elimination das Fiasko, das sich mit dem schnellen Aus in der Verliererrunde fortsetzte. Platz 17 am Ende, der erste Favorit konnte einpacken. Dass sich Josh Angulo bei seinem Heimspiel nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollte, zeigte er mit einem ungefährdeten Durchmarsch ins Finale, musste sich dort aber Kauli Seadi beugen. Die Überraschung auf Sal bot Wiedereinsteiger Cisco Goya, der Wave-Weltmeister von 2000 kam auf Rang vier. Deutschlands bester Mann in der Welle, Klaas Voget surfte auf neun der Single. Wie immer die letzten Jahre bot der Spot Ponta Preta perfekte Bedingungen, weiter ging’s mit der Double. Browne überholte Goya, scheiterte dann an Pritchard. Der zog gegen Angulo den kürzeren, damit stand ein Finale wie 2007 und 2008: Kauli gegen Josh. Aber nicht mit dem Ausgang vom letzten Jahr. Josh lief in der heimischen Welle zur Überform auf und konnte Seadi zweimal besiegen. Der nächste Showdown bot sich auf Gran Canaria beim Grand Slam. Auch hier gab‘s wieder einen Heimsieg, und zwar einen sensationellen, den nicht mal die Insider auf dem Zettel hatten. Der erst 15-jährige Deutsch-Kanario Philip Köster mit der G-44 im Segel zeigte den Favoriten die Grenzen auf, loopte sich durch die Single, bezwang im Finale Pozo-Favorit Victor Fernandez und wiederholte in der Double das Kunststück noch mal, während Seadi (9.), Angulo (9.) und Pritchard (17.) abstürzten. Dagegen zeigte Klaas Voget mit Rang sieben Potenzial nach oben. Dies wiederholte Klaas auf Sylt mit einem sensationellen zweiten Rang bei epischen Bedingungen, wobei vor allem seine unglaubliche Aufholjagd mit acht siegreichen Heats in der Double die eigentliche Leistung war. Erst der neunte im Finale gegen Alex Mussolini brach Voget das Genick. Völlig entkräftet („ich war im Arsch“), aber glücklich über den großen Erfolg, wurde der Deutsche von den Kollegen und Fans am Westerländer Strand gefeiert. Angulo, den Voget einen Heat vorher „erledigt“ hatte, nahm’s entspannt, der dritte Platz reichte ihm locker zum Gewinn der Weltmeisterschaft.
  • WAVERIDING DAMEN Schwester-Zweikampf – elf Jahre schon fokusiert sich die Disziplin Waveriding bei den Damen auf den Geschwisterfight zwischen Daida und Iballa. Die Moreno-Sisters dominieren das Waveriding seit 1999, acht Titel gingen an Daida, drei an Iballa. Nach dem die langfristige Ehe mit ihrem Boardsponsor Mistral Ende 2008 beendet wurde, schien ein Karriereende in Sicht. Nicht so, auch 2009 bekämpften sich die Schwestern bis aufs Blut. Dazu später. Erste Gelegenheit dazu bekamen die Morenos direkt vor ihrer Haustüre in Pozo. Auf Gran Canaria ist das Damen-Waveriding im Pflichtprogramm, von den 90.000 Euro Preisgeld für alle Disziplinen fällt auch für die Wave-Ladies ein Batzen ab. Im Halbfinale der Single Elimination kickte Daida ihre Landsfrau Nayra Alonso raus, Schwesterherz Iballa konnte sich gegen die starke Japanerin Junko Nagoshi durchsetzen. Und so trafen sich die Morenos naturgemäß im Finale, wo die beiden mit radikalen Vorwärts-Doppelloops, Backloops und Takas, ausgeführt mit winzigen 3,3ern, den Männern kaum noch nachstanden. Daida erfreute sich der Gunst der Judges und ließ sich einen Punktevorsprung auf den Zettel schreiben. Wind und Wellen spielten weiterhin mit, es reichte noch locker für die Double Elimination (Verliererunde). Vom Strand aus konnten sich beide entspannt den Kampf der Unterlegenen anschauen, Karin Jaggi schlussendlich durfte gegen Iballa ran, um die Finalteilnehmerin gegen Daida zu ermitteln. Iballa tat ihr aber keinen Gefallen, hielt die Schweizerin nieder und ging in den Revanchefight gegen Daida. Nach einem Air Chacho verlor Iballa ihr Equipment, das war’s. Daida gewann locker. Der zweite Wave-Worldcup der Damen stand auf Sylt an – mit deutscher Beteiligung. Steffi Wahl, 2008 Fünfte, und Heike Reimann griffen ins Geschehen ein. Nach der Vorrunde, Iballa gewann gegen Daida, bestätigte diese in der Double das Ergebnis – mit einem gewaltigen Pushloop und perfektem Wellenritt. Sieg auf Sylt für Iballa, damit punktgleich in der Rangliste. Die PWA setzte noch zwei Entscheidungsheats an, nach heftigem Druck von Daida verzichtete Iballa. Damit war der WM-Titel innerfamiliär entschieden – kampflos für Daida.
  • FREESTYLE HERREN Artistik auf dem Wasser – mit Freestyle ist diese Disziplin nur noch unzureichend beschrieben. Was die besten Profis, die vorwiegend aus der Karibik (Bonaire), Venezuela (Isla Margarita) und jetzt auch vermehrt aus Brasilien (Jeri) zeigen, stellt selbst die Judges vor ernste Probleme. Deshalb erklären vor dem ersten Wettbewerb die Fahrer den Punktrichtern quasi in einem „Einführungslehrgang“ die neuesten Moves. Vorreiter im Erfinden sind natürlich Weltmeister Gollito, sein Kronprinz Kiri Thode und die Frans-Brothers Taty und Tonky. Erfindet einer einen neuen Trick, versucht er ihn vor den Wettbewerben mehr oder weniger geheim zu halten, denn spätestens nach zwei Tagen Vorführung auf dem Wasser hätte ihn auch die Konkurrenz drauf. Dass die besten Europäer (Paskowski, Günzlein, Roßmeier, Akgazciyan, Otaegui, Ruenes & Co.) nur noch mithalten können, wenn sie in den Trainingsrevieren auf der Südhalbkugel überwintern, könnte der Zukunft des Tricksurfens im Wege stehen. Weniger Könner, kleinere Felder, geringeres Interesse der Veranstalter, schwindende Preisgelder, kaum noch Veranstaltungen. Das Ende? Mit nur noch drei Freestyle-Cups zeigt sich der Abwärtstrend. Wer hält ihn auf? Die PWA ist gefordert, mehr Ausgleich zwischen den Disziplinen herzustellen. Aber leicht gesagt in der Wirtschafts- und Finanzkrise, wenn selbst der Millionen-Zirkus Formel 1 ins Schlingern gerät. Die einzige Überraschung beim Saisonauftakt auf Lanzarote ist ein neues Gesicht im Worldcup. Steven van Broeckhoven rockte sich sofort auf Rang sechs, nachdem er schon auf der EFPT an die Spitze gestürmt war. Bei drei Double Eliminations, die Costa Teguise zauberte wieder perfekte bis geniale Bedingungen hervor, dominierte Gollito vor Thode, Otaegui, Browne und Tonky Frans. Deutschlands Aushängeschild André Paskowski schaffte mit Platz neun noch den Sprung in die Top Ten. Mit der Fähre ging’s direkt im Anschluss auf die Nachbarinsel Fuerteventura, wo René Egli in Sotavento wieder für den Grand Slam Worldcup (Slalom und Freestyle) 90.000 Euro Preisgeld organisiert hatte. Viel Slalom, wenig Freestyle, nur eine Double und eine halbe Single, mehr ging diesmal nicht. Vorne alles klar, Gollito vor Tonky Frans und „Brawzinho“ Browne. Van Broeckhoven schon auf vier, Thode nur auf fünf. Und dahinter die Deutschen Paskowski und Günzlein, die sich trotz Film-Projekte und Einsätze im elterlichen Tauch-Business in Bestform zeigten. Die Entscheidung über den WM-Titel sollte in einem Freestyle-untypischen Revier fallen. Sylt mit seiner Brandung, vor allem bei ungünstiger Windrichtung plus zusätzlicher starker Strömung plus frostigen Temperaturen, ist denkbar ungeeignet für Warmwasser-Trickser. Gollito wurde nicht so richtig warm, er musste die Frans-Brüder Taty (1.) und Tonky (3.) vorbeilassen. Dazwischen schob sich Kiri Thode. Allein, es reichte dem Lockenkopf zum erneuten ersten Platz in der Rangliste. Paskowski und Günzlein teilten sich einmütig Rang neun auf der Nordseeinsel.
  • FREESTYLE DAMEN Kanaren-Tour - so könnte man die Trickserei der Damen benennen. Nur zwei Events bekamen Preisgeld und Status. Auch ohne die Austragung hätte man den Titel vergeben können, denn die Favoritin setzte sich souverän durch. Sarah-Quita Offringa trickst im Freestyle in einer eigenen Liga. Auf Lanzarote konnte ihr im Finale die japanische Wave-Spezialistein Junko Nagoshi kaum Gegenwehr bieten, denn der braune Wuschelkopf aus Aruba zeigte bei den exzellenten Wellenbedingungen bevorzugt Freestyle in der oberen Etage – deutlich über der Wasseroberfl äche. Auf der Nachbarinsel Fuerteventura wiederholte sich das Schauspiel in ähnlicher Darbietung, diesmal durfte ihr Daida Moreno nach der Finalniederlage zum Worldcupsieg gratulieren. Und auch gleich noch zum WM-Titel, zum zweiten nach 2008. Noch im Juli also konnte die Professional Windsurfers Association (PWA) seine erste Weltmeisterin feiern. Mangels Arbeit startete dann Sarah im Alaçati-Slalom – mit Erfolg.