Worldcup Sylt: Zwei Stunden Sideshore-Traum

  • Tobias Frauen
 • Publiziert vor einem Jahr

Auch heute wieder bot Sylt zwischenzeitlich traumhafte Bedingungen. Während Philip Köster dreifach Glück hatte, war für WM-Spitzenreiter Ricardo Campello vorerst Schluss.

Eine sanfte Gesichtsbehandlung mit Nordsee-Schaum und Segeltuch

Nach dem actionreichen Tag gestern war der Start heute etwas gemächlicher. Zunächst reichten die Bedingungen nicht, um das Waveriding oder Freestyle fortzusetzen. Eigentlich ideal für die Foiler, doch der massive Shorebreak hätte ein sicheres Herauskommen unmöglich gemacht.

Doch als gegen Mittag bei auflaufendem Wasser nicht nur traumhafte Wellen an den Brandenburger Strand liefen, sondern auch noch der Wind etwas zulegte, gab die Rennleitung den Startschuss. Die Top 16 der Herren wurden auf Wasser geschickt, doch auch zahlreiche Fahrerinnen und Fahrer, die nicht zu offiziellen Heats antreten mussten, ließen sich den seltenen Sideshore-Traum nicht entgehen.

Zwei Wellen und ein Sprung gingen in die Wertung ein, die meisten Fahrer griffen zu großen Segeln, um beim immer noch recht schwachen Wind auf der sicheren Seite zu sein. Sobald der Sprung im Kasten war, widmeten sich alle den exzellenten Wellen, die stellenweise deutlich über kopfhoch waren. Thomas Traversa war dabei natürlich in seinem Element und kickte Gollito Estredo raus, während Moritz Mauch kaum eine Chance gegen Stylemaster Marcilio Browne hatte. Anschließend machte Julian Salmonn Victor Fernandez das Leben schwer und unterlag am Ende dem Weltmeister nur knapp. Alex Mussolini fand im Gegensatz zu gestern nicht richtig in seinen Rhythmus und verlor gegen Marc Paré.

Bei wieder schwächer werdendem Wind wurde es dann immer schwieriger, den geforderten Sprung einzufahren. Alessio Stillrich hatte dabei gegen den WM-Zweiten Jaeger Stone zwar die Nase vorn, der Australier pickte sich aber die besseren Wellen raus und holte sich mit radikalen Ritten und Wave360ern den Sieg. Philip Köster hatte dann zum ersten Mal an diesem Tag das Glück auf seiner Seite: Gegen Dieter van der Eyken fehlte ihm bis kurz vor Ende des Heats der nötige Sprung. Doch dann erwischte Köster beim Rausfahren eine der seltenen Böen und er setzte einen fast perfekten Doppelloop auf die Nordsee und zog damit ins Viertelfinale ein.

Die Judges hatten daraufhin ein Einsehen und beschränkten die Wertung nach diesem Heat auf zwei Wellenritte. Während Adam Lewis mit einer herausragenden Wellen-Auswahl und stylischen Ritten den jungen Spanier Marino Gil Gherardi besiegte, sorgte Antoine Martin für Spannung im WM-Kampf: Er gewann gegen Ricardo Campello, der mit seiner Wellen-Auswahl haderte und beim Timing häufig ein bisschen daneben lag. Campello muss jetzt auf die Double Elimination hoffen, um seine Führung in der WM zu verteidigen.

In den ersten beiden Viertelfinals standen sich dann Thomas Traversa und Marcilio Browne sowie Marc Paré und Victor Fernandez gegenüber. Der leichte Traversa hatte beim weiter abnehmenden Wind Vorteile gegen Brawzinho, der nach einem Waschgang lange brauchte, um wieder nach draußen zu kommen. Auch Marc Paré kämpfte mit dem Sylter Shorebreak und unterlag am Ende knapp gegen Fernandez. Inzwischen war beim Rausfahren kaum ein Fahrer noch im Gleiten, der lange und zähe Weg nach draußen machte die Wellenauswahl umso wichtiger.

Das bekamen auch Philip Köster und Jaeger Stone sowie Antoine Martin und Adam Lewis in den nächsten Heats zu spüren. Während die Wellen nach wie vor ordentlich liefen und massiven Shorebreak mit sich brachten, war vor allem in Ufernähe kaum noch Druck in den Segeln. Viele Fahrer ließen sich Ersatzmaterial weit nach Luv bringen, um dann nach einem Wellenritt am Strand zurückzujoggen und von weiter oben wieder zu starten. Jaeger Stone hatte zwar schnell zwei gewertete Wellen gesammelt, verzweifelte dann aber eine gefühlte Ewigkeit an Shorebreak und Strömung. Philip Köster brauchte recht lange für die erste Wertung, doch dann kam ihm zum zweiten Mal heute das Glück zuhilfe. Die Wettfahrtleitung sah ein, dass die Bedingungen für faire Entscheidungen nichgt mehr ausreichten und brach den Heat ab.

Nach einer längeren Pause wurde dann gegen Abend im strömenden Regen tatsächlich nochmal ein Versuch gestartet, diesen Heat regulär zu fahren. Doch schon nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass es wieder einmal nicht reicht. Der dritte Glücks-Moment für Köster.

Morgen sieht es dann nach Big Day aus: Es sind bis zu 30 Knoten aus West-Nord-West angekündigt, also Wind von rechts. Das dürfte wieder für einen spannenden Tag sorgen und einige Entscheidungen bringen!

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Themen: Worldcup Sylt


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