Allison Shreeve

 • Publiziert vor 15 Jahren

Die aus Australien stammende Allison Shreeve kam als Jugendliche durch den Schulsport zum Windsurfen. Rasch wechselte sie ins Lager der Regattafahrer und entwickelte sich zur Vollblut-Wettkämpferin. Nach dem Sprung vom Mistral One Design zu den Profis heimste sie ihren ersten PWA-Weltmeistertitel im Racing ein und erweitert nun das Feld der Damen im Windsurfen in professioneller Manier.

 Neben den hohen Zielen, die sie sich im Windsurfen gesteckt hat, will sie stets ihren Grundsätzen treu bleiben. An oberster Stelle stehen für sie ihre Familie, der Glaube an Gott und die Freude am Sport. Zielgenauigkeit und Präzision erlernte sie schon im zarten Alter von acht Jahren: „Ich schoss mein erstes Wallaby (kleines Känguruh) im Outback“. surf: An was glaubst du?

SHREEVE: Ich bin Christin. Ich glaube an Gott und lese die Bibel. Besser gesagt, ich habe die Bibel immer dabei, auch auf Reisen. So als Glücksbringer. Du liest sie also nicht? Nein, nicht wirklich. Es ist gut, wenn man darüber etwas weiß. Aber ich gucke eigentlich lieber Filme an (Anm. der Red.: Allison reist mit über 60 Filmen im Gepäck rund um den Erdball). Aber das Regelbuch des Segelverbandes lese ich sehr genau. Und bei den Regeln bist du ein Profi? Ja. Ich habe diese in der Olympischen Klasse gelernt. Es kann schon vorkommen, dass ich nach jedem einzelnen Lauf Protest einlege. Das machen alle Racer so. Nur wer alle Chancen nutzt, gewinnt am Ende. Wie lange bist du schon Profi? Ich begann 1997 im Alter von 15 Jahren mit dem Windsurfen und nahm 1998 zum ersten Mal an einer Regatta in Südafrika teil. Dort konnte ich mich auf Rang 11 platzieren. Von 2000 an bis 2004 trainierte ich auf dem Mistral One Design, der damaligen Olympischen Klasse. Ich trainierte mindestends viermal pro Woche und immer unter der Aufsicht eines Trainers. Im weltweiten Ranking schaffte ich den Sprung von Rang 55 auf Platz 4. Anschließend wechselte ich dann zu den Worldcup-Profis auf die Boards der Formula Windsurfing. War der Umstieg schwierig? Nein. Es ist viel einfacher vom schmalen, hoch technischen Mistral One Design auf den breiten Formularacer zu wechseln als umgekehrt. Eigentlich ging alles einfacher, nur das Halsen war anfangs ungewohnt. Für die Olympische Klasse trainierte ich viel spezifischer in festgelegten aeroben und anaeroben Bereichen. Wie fielen deine Platzierungen aus? Hervorragend. Im Januar 2004 schaffte ich bei den nationalen Meisterschaften mit Leihmaterial auf Anhieb den zweiten Rang. Bei den Europameisterschaften der Formula Windsurfing am Gardasee war es erneut der zweite Platz. Auf Gran Canaria wurde ich PWA-Racing-Weltmeisterin 2004. Und 2005 konnte ich weitere Topevents für mich entscheiden. Checkt einfach meine Website! Wirst du wieder ins olympische Lager zurückkehren? Ja, ich habe mein neues Olympiaboard RS-X im August in Kiel abgeholt. Mein Plan ist es, 2008 in China bei den Olympischen Spielen für Australien an den Start zu gehen und die Goldmedaille zu gewinnen. Das ist definitiv mein Langzeitziel. Hast du noch andere Ziele im Visier? Ja, natürlich. Ich möchte den Speedweltrekord von Karin Jaggi brechen und im Dezember den Formula-Weltmeistertitel gewinnen. Die WM findet in meinem Heimatland Australien, genauer in Melbourne, statt. Die meiste Zeit werde ich aber dem Olympiaboard widmen. Es ist eine so technische Angelegenheit. Auf das Formula- oder Slalomboard spring ich einfach rauf und mache auf Anhieb ein gutes Ergebnis. Ist ein Speedrekord realistisch? Ich möchte es herausfinden. Auf Fuerteventura habe ich GPS-Zeiten geschafft, die weit über 30 Knoten lagen. In Australien findet im November ein Speed event am Sandy Point statt. Dort kann ich auch trainieren. Wirst du zusammen mit Jaggi am Speedkanal aufs Wasser gehen?

Nein. Wir sind individuelle Sportlerinnen, die für dieselbe Marke fahren. Karin experimentiert sehr viel. Aber es ist für mich ok, wenn wir in der Speeddisziplin nicht zu eng zusammenarbeiten. Wie sieht dein Training aus? Neben der Wasserarbeit (Anm. d. Red.: Allison trainiert zweimal pro Tag für ca. 2-3 Stunden) absolviere ich ein spezielles Landtraining. Ich laufe, trainiere in der Kraftkammer und versuche mit speziellen Übungen mein Gleichgewicht zu verbessern. Alle Informationen, die mir GPS und der Pulsmesser geben, speichere ich am Computer. Am liebsten trainiere ich mit einem Partner. Insgesamt betrachtet ist mein Training sehr abwechslungsreich, genau so, wie sich auch die Sportart selbst gestaltet: Windsurfen verändert sich andauernd. Du veränderst dich auch ständig? Mein Motto ist, es gibt keinen freien Tag, wenn es windig ist. Der Sport ist immer aufregend. Aber ich kenne noch nicht alle Facetten. Waveriding beispielsweise habe ich schon versucht, aber ich hatte nicht genügend Zeit. Vielleicht verändere ich mich in diese Richtung. Jetzt konzentriere ich mich sehr zielgerichtet auf den Bereich des Racings. Steht dein Einkommen im Verhältnis zu deinen Erfolgen?

Ich habe schon viele Rennen gewonnen, aber konnte bis jetzt gerade mal so meine Auslagen decken. Ich habe 2004 Australien mit nichts verlassen und kam mit nichts zurück. Das einzige, was ich mir gekauft hatte, war ein Auto, das ich jetzt in Europa verwende. Hast du Vorbilder? Letzte Saison beeindruckte mich mein Landsmann Steve Allen sehr. Er hatte an allen Stränden, wo er sich aufhielt, ein Ohr für die „kleinen Leute“. Er verriet Tricks und gab Anweisungen an normale Windsurfer. Was machst du, wenn du nicht zum Windsurfen gehst?

Ich reite die Pferde auf unserer Farm, surfe im Internet oder esse Schokoeis. Und am Sonntag besuche ich zusammen mit Tausenden anderen die Kirche, wenn ich in Australien bin. STECKBRIEFName: Allison Shreeve Geburtsdatum: 5.2.1982 Wohnort: Sydney/Australien Staatsangehörigkeit: Australierin Größe: 170 cm Schule/Uni: High School Abschluss, 2 Jahre Studium Bauingenieurwesen an der Universität in Sydney Segelnummer: AUS-911 Lieblingsmusik: Christliche Musik Lieblingsfilm: Robin Hood – König der Diebe Lieblingsessen: Schokolade, Mango, Steak Lieblingsspot: Hafen in Sydney, Rhodos, Maui Lieblingsbedingungen: Formula und Slalom bei Leichtwind, Olympische Klasse bei 25 Knoten und mehr Lieblingssegel: Neil Pryde RS5 6,2 qm und RS5 9,8 qm Lieblingsboards: F2 SX 91, F2 FX 100 Sponsoren: F2, Neil Pryde, Deboichet, Zhik Website: www.aus911.com

Interview: Chris Pressler, Fotos: Kerstin Reiger


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