Amelie Lux

 • Publiziert vor 10 Jahren

Die Silbermedaille 2000 veränderte das Leben des kleinen „Surffloh“ dramatisch, die Olympiasurferin Amelie Lux stand plötzlich in den Schlagzeilen. Vier Jahre später landete die Kielerin in Athen wieder in den Top Ten, 2008 legte sie eine berufliche Pause ein. Jetzt versucht Lux ein Comeback, um 2012 in England Gold zu holen.

Der Darling der deutschen Olympiasurfer ist zurück: Amelie Lux hat sich dreieinhalb Jahre nach ihrem Rücktritt vom aktiven Leistungssport zum Comeback entschlossen. Als “Surffloh” aus Kiel hatte die heute 33-Jährige den Deutschen bei den Olympischen Spielen von Sydney 2000 mit ihrer überraschenden Silbermedaille ein kleines Sommermärchen geschenkt. Jetzt soll ein großes folgen – 2012 im englischen Olympia revier Weymouth.

surf: Was hat dich zu deinem unerwarteten Comeback bewegt?

LUX: Die Entscheidung habe ich im vergangenen Winter gefällt. Ich hatte einfach wieder Lust zum Surfen und bereits im September erste kleine Einheiten mit geliehenem Formula-Material von Bundestrainer Diederik Bakker absolviert. Dabei habe ich gemerkt, dass ich Athlet bin und auch wieder sein will. Die Arbeit an meinem Körper erfüllt mich einfach. Ich bin im Winter manchmal mit den Laser-Seglern im Schnee zum Training über die Kieler Förde gepumpt, bis mir die Finger fast abgefroren sind. Danach hat sich ein einmaliges Gefühl der Zufriedenheit eingestellt. Diese Art der Rückmeldung auf Leistung finde ich so nur beim Surfen.

Wie sehr hat dich die vor zehn Jahren gewonnene Silbermedaille verändert?

Sie hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben. Die Menschen kennen mich bis heute als das Mädchen mit der Silbermedaille. Das ist ein schönes Gefühl. Inzwischen habe ich eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht. Die Prüfung stand letzten Herbst an, ich habe sie auch erfolgreich bestanden. Dadurch bekam ich Abstand und das hat mir gutgetan. Ich habe gemerkt, dass ich mich gar nicht immer so stressen muss wie ich mich früher gestresst habe. Ich bin sicher, dass ich Schmerzen und Qualen heute viel gelassener begegnen kann.

Ein Olympiasurfer muss auf einem einzigen Bahnabschnitt bei leichten Winden bis zu 350 anstrengende Pumpschläge absolvieren – ein Pensum, das sonst nur Ruderer beherrschen. Wie schaffst du das bei 1,63 Meter Körpergröße und als 53-Kilogramm-Leichtgewicht?

Das Optimalgewicht auf dem neuen Olympiabrett RS:X liegt für mich bei etwa 56 Kilogramm. Ich trainiere viel auf dem Ruderergometer und natürlich draußen auf der Kieler Förde. Da kommt die Muskelmasse schon fast von alleine.

Hast du mit dem RS:X schon Freundschaft geschlossen?Dieses Hybridbrett, das mehr einem Formulaboard ähnlich ist als dem langen 2000er Olympiabrett Mistral One Design, ist doch ganz anders zu fahren, oder?

Anfangs fand ich es schrecklich. Doch wenn man die Technik beherrscht, macht es auch Spaß. Bei wenig Wind habe ich allerdings manchmal das Gefühl, in einem Opti zu sitzen. Einmal Pumpen bringt dich einen Meter voran – und schon ist wieder Schluss. Das Pumpen lässt sich nicht so einfach in Speed umsetzen, es ist ein tierischer Kraftakt. Aber wenn der RS:X erst gleitet, dann macht es viel mehr Spaß als der Mistral One Design.

Man hört, der Materialaufwand in der Olympiaklasse RS:X wäre enorm. Mindestens einmal im Jahr müssen Brett und Segel ausgetauscht werden, da man mit weichgefahrenem Equipment in der Weltspitze ohne Chancen ist.

Der Faktor, der das Ganze wirklich aufwändig macht – das Material unterscheidet sich einfach noch viel zu sehr, obwohl es Einheitsmaterial sein sollte. Aber man muss z. B. erst einmal eine ganze Range von Masten bestellen, bevor man einen bekommt, der wirklich zu einem passt.

2000 warst du im A-Kader des Deutschen Segler-Verbandes, hattest auch noch einen Sponsor und wurdest gefördert. Wie sieht es jetzt aus?

Der Landesverband Niedersachsen hat mir viel geholfen! Seit Mai bin ich jetzt wieder in der Sportfördergruppe.

Dein Einstieg ins Wettkampfjahr vor kurzem bei der großen Princesa Sofia Regatta auf Mallorca war mit mittlerem Erfolg gekrönt. An was lag es?

Ich hatte im gesamten Winter nicht mehr als dreimal eine Woche trainieren können, die anderen hatten durchtrainiert. Ich fand meine Leistungssteigerung während der Regatta ehrlich gesagt ziemlich erfolgreich. Und wenn das Jahr so weiter geht, dürfte die A-Kader-Quali im August kein Problem sein.

Speziell bei Starkwind scheint deine deutsche Konkurrentin Mona Delle zurzeit noch einen Vorsprung zu haben. Wie willst du den Anschluss schaffen?

Moana hat noch bei allen Bedingungen aufgrund von viel mehr Wasserstunden Vorteile. Ich muss halt trainieren, mein Ding machen und zu meinen alten Stärken zurückfinden.

Wer sind international momentan die stärksten Gegnerinnen?

Alessandra Sensini hat sich mit einer beeindruckenden Performance zurückgemeldet. Ansonsten sind die Spanierinnen im Moment stark, auch die jungen Italienerinnen und Bryony Shaw aus England.

Mit welchem Ziel startest du in dein zweites olympisches Leben?

Ich meine es ernst: Ich will in London 2012 Gold gewinnen.

Und falls die interne deutsche Qualifikation gegen Moana Delle nicht klappen sollte?

Dann werde ich Moana, mit der ich mich super verstehe, als Physiotherapeutin in das Olympiarevier Weymouth begleiten und sie nach Kräften unterstützen.

Profil Amelie Lux:

Geburtsdatum: April 1977

Herkunft: Oldenburg

Sponsor: Bundeswehr

Größte Erfolge: 1994/1995 Olympische Spiele, 2000 Sydney 2. Platz (Silber), 2004 Athen 7. Platz, 2005 Vize-Weltmeisterin

Lieblingsmusik: Linkin Park

Liebste Flautenbeschäftigung: Mountainbiken

Web: www.amelie-lux.de

Amelie Lux - ganz entspannt

Mit 12 Jahren begann Amelie Lux das Windsurfen und stieg in die Weltspitze auf. 2000 gewann sie in Sydney die Silbermedaille. 2012 will sie noch mal nach Edelmetall greifen. Dazu muss sie sich national gegen Moana Delle (links im Foto) durchsetzen.

Themen: Amelie Lux


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