Arianne Aukes

  • Chris Pressler
 • Publiziert vor 6 Jahren

Windsurf-Profis haben es nicht immer einfach – das Beispiel der Niederländerin Arrianne Aukes zeigt das einmal mehr. Trotz Top-Ergebnissen auf der PWA-Tour ist die Freestyle-Vize-Weltmeisterin von 2013 noch relativ unbekannt. Zeit, dies zu ändern...

Arianne Aukes, Freestyle-Vize-Weltmeisterin 2013

Arrianne, du bist aktuell die zweitbeste Freestylerin der Welt, trotzdem kennen dich viele nur über deinen Vater Albert August... Ja, zu Hause werde ich oft auf ihn angesprochen. Er war mal ein super Raceboarder und Slalom-Racer und ist auf Flachwasser der King der High Jumps. Am Strand sagen die Leute auch heute noch "Ahh, du bist die Tochter von Albert August" und nicht "Ahh, du bist die bekannte Freestylerin Arrianne Aukes". Schon eigenartig.

Wie ist der Level aktuell im Frauen- Freestyle? Im Vergleich mit den Jungs ist er noch nicht so hoch. Da gibt es verdammt viele sehr gute Fahrer. Aber das Starterfeld ist auch sehr groß. Wenn bei den Mädels die Zahl der Starterinnen ebenfalls steigt, wird das Level rapide nach oben schnellen. Viele Mädels sind erst seit kurzem dabei.

Arianne Aukes, die sympathische Holländerin liebt die Disziplin Freestyle.

Muss man ein "Talent" sein, um im Worldcup nach vorne zu kommen? Ich würde mal sagen, ich habe gute Voraussetzungen, weil ich vor meiner Freestyle-Karriere schon so lange gesurft und sehr motiviert bin. Da ich früher Gymnastik gemacht habe, kann ich schnell Bewegungen analysieren, finde raus, was ich falsch mache und korrigiere die Fehler dann auch. Ich glaube, ich habe auch einen guten Körperbau fürs Windsurfen.

Wann kannst du Sarah-Quita Offringa schlagen, die seit 2008 sechs Mal in Folge den Freestyle-Weltmeistertitel einheimsen konnte? Ich habe klare Ziele und das ist gut so. Vor einigen Jahren war mein Ziel das Podium, 2013 war ich schon Zweite. Jetzt bin ich der festen Überzeugung, dass es nicht unmöglich ist, zu gewinnen. Ich trainiere gerade den Ponch, den Toad und den Burner. Wenn diese Moves sitzen, steigen meine Chancen. Sarah-Quita ist mir viele Jahre voraus, aber sie hat niemanden vor sich. Ich wünschte, ich könnte sie irgendwann mit meiner Leistung ein wenig einschüchtern.

Haben deine ausgezeichneten Ergebnisse auf der der PWA-Tour dein Leben verändert und leichter gemacht? Natürlich, emotional. Aber es ist weiterhin sehr schwierig in Magazine zu kommen und Sponsoren zu finden. Ich mach’ auch nicht richtig Geld mit den Sponsoren. Meine Erfahrung ist einfach: Wenn du jemanden triffst, der dich mag, dann geht auch etwas. So ist das in den meisten Fällen.

Kono, Burner, Toad & Culo – das Level bei den Freestyle-Ladies ist mittlerweile sehr hoch.

Freestyle auf professionellem Level lohnt sich für euch Mädels also kaum. Ich mache es, weil ich es liebe. Reich werde ich davon nicht. Wenn man ans Geld denkt, das dadurch rüberkommt, sollte man erst gar nicht mit einer professionellen Kariere als Freestylerin starten. Aber ich treffe an den verschiedensten Spots immer dieselben Menschen und das macht mich glücklich. Wir beobachten uns bei den Heats, ich bekomm‘ Tipps von den Jungs oder Feedback, ob ich gut gefahren bin.

Was machst du neben dem Windsurfen, um über die Runden zu kommen? Nach dem Abschluss meines Bachelor Studiums in Business Communication 2009 hab’ ich immer so zwei Monate gearbeitet, für den nächsten Trip gespart und bin dann verreist. Das ging eine Weile so. Zwei Monate arbeiten, zwei Monate reisen, zwei Monate arbeiten...

Was hast du gearbeitet? Verschiedenste Jobs. Als Kellnerin, auf Kinder-Camps, als Windsurf-Lehrerin. Aktuell will ich aber einfach nicht mehr zu Hause sein. 2013 arbeitete ich dreieinhalb Monate in England und kam in dieser Zeit nur drei Mal aufs Wasser. Ich wurde schon richtig nervös. Aber danach änderte sich alles zum Guten. Es ist nicht einfach. Ich muss für einen Teil meines Materials immer noch bezahlen und versuche, die richtige Balance zwischen Arbeit und Windsurfen zu finden.

Wenn du neue Moves lernst, wie gehst du das an? Erst bespreche ich die Manöver mit Leuten, die sie bereits draufhaben und beobachte andere dabei. Da mein Freund James und ich die meisten Moves gleichzeitig lernen, helfen wir uns gegenseitig. Aber wenn du einen Move in Jeri kannst, musst du ihn auf Bonaire wieder neu lernen. Und auf Fuerte ist dann wieder alles anders...

Hast du einen Tipp für alle, die Moves schneller lernen wollen? Analysiert euch, zum Beispiel auf Video! Schaut, was ihr falsch macht und achtet darauf, was der Knackpunkt ist. Und übt auf beide Seiten!

Arianne Aukes: "Von den Jungs Imponiert mit Steven van Broeckhoven am meisten. Der hat spät angefangen, surft top und ist absolut null arrogant."

Du bist im Freestyle fast an der Spitze. Aber du hast auch bereits in andere Disziplinen reingeschnuppert. Ja, genau. 2012 bin ich in Alaçati im Slalom gestartet. Meinen Vater habe ich damit sehr glücklich gemacht. (lacht) Es lief gar nicht schlecht, ich schaffte Rang 16. 2013 bin ich beim Wave-Worldcup auf Teneriffa in Cabezo gestartet. Da ging es voll zur Sache mit bis zu 40 Knoten Wind. Rang 9 unter 19 Teilnehmerinnen war ebenfalls nicht übel.

"Allroundtalent Arrianne"? Ich habe bereits alle Disziplinen versucht und würde am liebsten auch in allen antreten. Im Slalom muss man sehr spezifisch trainieren und man hat relativ viele Chancen im Wettkampf. Ich glaube eigentlich, dass es einfacher ist vom Freestyle zu den anderen Disziplinen zu wechseln, als umgekehrt. Freestyle macht man nicht mal so ein Jahr nebenbei und fährt dann mit. Die Disziplin braucht viel Übung.

Auch an Land machst du eine gute Figur. Fällst du bei den Jungs am Strand auf? Ja, ich denk‘ schon! Es sind ja auch nicht so viele blonde Mädels auf dem Wasser.

Und ist es von Vorteil, wenn man beim Windsurfen auch mal sexy rüber- kommt? Ich denke, man sollte es nicht übertreiben. Aber ehrlich gesagt, es hat schon was, im Bikini Windsurfen zu gehen. Und ich denke es kommt auch gut, wenn sich Mädels ein wenig rausputzen, bei Preisverleihungen oder Eröffnungsfeiern.

Wäre es dir lieber eine reine Mädels-Tour zu haben? Nein, definitiv nicht. Ich mag es sehr, dass die Events mit den Jungs kombiniert sind. Reine Frauen-Veranstaltungen wären ansonsten noch kleiner. Einige Mädels geben auch wieder auf, so wie Xenia Kessler. Wir brauchen unbedingt eine größere Anzahl an Events, das würde auch mehr Mädels dazu motivieren, alles zu geben.

PROFIL

Arianne Aukes hat trotz ihrer Passion Windsurfen den Bachelor in Business Communication abgeschlossen.

Alter: 27 Jahre, Geboren:  1. 10. 1986 Wohnort: Wolvega, Friesland, Holland, nahe dem Ijsselmeer, aber derzeit reise ich sehr viel (Brasilien, Europa) Ausbildung: Bachelor in Business Communication (2009 Abschluss) Lieblingsfilm: Django Unchained Sponsoren: RRD, Simmer Style, Maui Ultra Fins, Gearfreak.nl Aktuelles PWA-Ranking: Nummer 2 im PWA Freestyle Ranking auf der Tour 2013 Segelnummer: H-131 Musik: Indy Rock, Brit Pop Lieblingsspot: Amstelmeer (in der Nähe von Amsterdam), Ijsselmeer und Jericoacoara Größte Erfolge: Rang 2 im PWA Freestyle Ranking 2013, Holländischer Freestyle Champion 2012, Rang 3 PWA Freestyle Ranking 2012 Lieblingsbuch: "Die Buchdiebin" von Markus Zusak Lieblingsspeise: Eine Pizza oder was vom Grill Hobbies: Lesen, Laufen, Wellenreiten, Fitness, Kochen und gutes Essen Ziel im Windsurfen: Power Moves lernen und nach Maui, Australien, Indonesien und Madagaskar reisen Was ich wirklich mag: Eine Session zu zweit in guten Bedingungen

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