Astrid Muldoon

 • Publiziert vor 16 Jahren

„Eine kleine Deutsche mit großem Niveau“ titelte das französische Windsurf Magazin PLANCHEMAG über Astrid Muldoon im vergangenen Herbst. Grund der französischen Medienaufmerksamkeit für die Surferin aus dem Nachbarland: Das 158 Zentimeter große Energiebündel aus Dieburg bei Aschaffenburg erkämpfte sich in ihrer ersten Saison in Frankreich bei den nationalen Wettbewerben der AFW den Titel der Vize-Meisterin in der Welle.

Und auch in dieser Saison scheint „Speedy“, wie sie von ihren Freunden genannt wird, nichts aufhalten zu können. Nach ihrem Sieg in Carro liegt sie in der Freestylewertung bereits auf Platz eins. Für Skeptiker, die meinen, mit 37 Jahren sei es vielleicht ein wenig zu spät für eine Regatta-Karriere, hat die Power-Frau mit der Segelnummer F-2 nur ein müdes Lächeln übrig.

Du bist Deutsche, aber warum hast du einen französisch klingenden Akzent und Nachnamen?

Mein Nachname ist nicht französisch, sondern amerikanisch. Ich habe mit 19 einen Amerikaner geheiratet, was sich aber ziemlich schnell als Fehler herausstellte. Wir trennten uns, aber seinen Namen wollte ich behalten. Mein Mädchenname ist Gross, was aber nicht wirklich zu mir passt (lacht). Und einen französischen Akzent habe ich, weil es so charmant klingt (lacht noch lauter). Nein, ich lebe bereits seit einigen Jahren in Frankreich, und französisch ist das Erste was ich morgens höre, und das Letzte, bevor ich einschlafe.

Was hat dich nach Frankreich verschlagen?

Die Liebe. Nachdem ich ‘95 meine VDWS-Ausbildung als Windsurflehrerin gemacht habe, arbeitete ich bis 2000 mit einigen Unterbrechungen im Sommer in der Vela Station auf El Yaque. Dort habe ich Bastien kennen gelernt. Er ist Franzose.

Auch ein Windsurfer?

Ja klar, wir verbringen jede freie Minute zusammen auf dem Wasser an unseren Homespots in Siouville und in der Haute Normandie.

Arbeitest du immer noch als Windsurflehrerin?

Nein, ich arbeite im Vertrieb einer Firma, die Leiterplatten herstellen. Nach vielen Jahren am Strand ist es nicht ganz einfach wieder einen Bürojob zu machen, aber da ich nette Kollegen habe und einen sehr verständnisvollen Chef, arbeite ich gerne dort.

Ist der Chef auch noch verständnisvoll, wenn du wegen einer Regatta mal einen Tag ausfällst?

Oh ja, da habe ich sehr viel Glück. Ich werde in diesem Jahr alle Contests in Frankreich mitfahren, da wird noch der ein oder andere Tag hinzukommen.

Und international?

Wenn es weiter so gut läuft, mal sehen. Ich sag nicht nein. Gegen wie viele Mädels trittst du in Frankreich an?

Unterschiedlich, aber meistens sind wir so um die fünf. Mehr als in Deutschland, aber auch nicht gerade viel?

Das stimmt, aber trotzdem fahren wir auf einem sehr hohen Niveau. Nur leider ist es auch für Frauen in Frankreich sehr schwer, Unterstützung von Sponsoren zu bekommen. Aber vor einigen Jahren gründeten sich die Windsurffilles. Ein Zusammenschluss von Fahrerinnen, die einander helfen und versuchen, neuen Mädels den Einstieg ins Regattaleben zu erleichtern. Ich hoffe, das trägt Früchte.

Ist 37 nicht ein wenig spät für den Wettkampfzirkus?

Quatsch. Ich habe noch so viel Energie, die muss ich los werden, und solange ich siege, scheine ich ja wohl noch nicht zu alt zu sein.

STECKBRIEFGeburtsdatum: 17.5.1967 Wohnort: Le Voudreuil, Frankreich Größe/Gewicht: 158 cm/56 kg Beruf: Vertriebsleiterin Segelnummer: F-2 Musik: Kyo, Noir Desir, Shakira, Scorpions und vieles mehr Lieblingsessen: Alles Käse: Raclette, Fondue etc. Lieblingsspot: El Yaque für Freestyle und Siouville für Welle Lieblingsbedingungen: Zwei Meter Welle mit Sideshore-Wind von links oder Kabbelwasser...beides mit sieben Beaufort. Sponsoren: RRD, Pat Love, Select, Neil Pryde, QAUI 34 ROUEN, Glisse Sensations Mers les Bains. Hobbies: Tanzen, Snowboarden, Reiten und Spaß mit Freunden haben

Interview: Katharina Uhr, Fotos: Jean Souville


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