Chris Pressler und Kerstin Reiger

 • Publiziert vor 16 Jahren

Sie sind ein eingeschworenes Team wie Bonnie und Clyde. Nur hinterlassen Kerstin Reiger und Chris Pressler bei ihren gemeinsamen Taten kein Blutbad und überfallen Banken, wie das legendäre Gangsterpärchen es einst tat. Das Duo aus Österreich macht Jagd auf Windsurf-Action in aller Welt. Mit Foto- und Videokamera bewaffnet, durchqueren sie die verschiedensten Kontinente – Europa, Südamerika, Afrika – immer auf der Suche nach dem idealen Spot und dem perfekten Bild. Die Aufgaben sind klar verteilt: Sie schießt, er fährt.

Chris und Kerstin

Um Kapital aus ihrer Beute zu schlagen, schufen sie gemeinsam mit ihrem Komplizen Florian Reiger vor drei Jahren in der virtuellen Welt den siebten Kontinent, und gründeten mit dem Internetportal www.continentseven.com eine Plattform für die neuesten und angesagtesten Freestyle-Manöver. Viel kommt dabei zwar noch nicht rum, aber seit einem Jahr berichten Kerstin und Chris auch regelmäßig in Windsurf-Magazinen über ihre Küsten-Streifzüge. Wie Beziehung und Job in Einklang zu bringen sind, verrieten die Beiden im Interview mit surf.

Wann und wo habt ihr euch kennen gelernt?

KERSTIN: Wir haben an der gleichen Uni in Wien studiert. Gefunkt hat es vor fünf Jahren auf einer Party von Studienkollegen.

War es Liebe auf den ersten Blick? KERSTIN: Ja. Ich kannte Chris aber eigentlich schon aus Magazinen von seinen Abenteuergeschichten.

Was für Abenteuergeschichten? CHRIS: 1996 hat mich Thomas Miklautsch, ein bekannter Windsurfer aus Österreich, gefragt ob ich auf eine längere Windsurf-Tour durch Alaska, Hawaii und San Francisco mitkommen möchte. Ein Jahr später sind wir dann mit dem Fahrrad an Marokkos Küste entlang bis runter nach Dakhla gefahren. Wir waren ziemlich erfolgreich damit, hätten auch noch mehr Stories zusammen machen können, aber Thomas ist sehr dominant und hat die Geschichten größten Teils so verfasst, wie er es wollte. Ich beschloss dann, mein eigenes Ding zu machen.

Aber jetzt bist du wieder mit jemanden im Team unterwegs?

CHRIS: Aber mit Kerstin ist das anders. Wir agieren und funktionieren perfekt als Team. Was der eine nicht hat, gleicht der andere aus.

Und das wäre? CHRIS: Ich bin ein Träumer oder besser gesagt ein Romantiker und manchmal ein wenig unorganisiert. Kerstin achtet darauf, dass alles seine Ordnung hat. Außerdem ist sie vielen Dingen gegenüber offener als ich es bin. Wenn ich mir eine Geschichte oder ein Interview nicht zutraue, dann ermutigt sie mich, es trotzdem zu tun. Kerstin ist häufig meine treibende Kraft, wofür ich ihr sehr dankbar bin. KERSTIN: Mir tut es gut, die Welt öfter mal durch Chris’ Augen etwas philosophischer und verspielter zu sehen.

Und welche Eigenschaften sind ähnlich?

KERSTIN: Der Ehrgeiz, gute Leistung zu vollbringen. Der hohe Anspruch an sich selber, immer besser werden zu wollen, egal bei was. Und Sushi, das ist eine große Leidenschaft, die uns sehr verbindet. CHRIS: Wir mögen die gleiche Art von Lifestyle, sind neugierig und abenteuerlustig. Außerdem haben wir beide ein Faible für gute Klamotten und legen sehr viel wert darauf, wie wir uns kleiden.

Was auf Abenteuer-Touren allerdings nicht immer so einfach ist?

KERSTIN: Richtig, wenn wir irgendwo auf einem Sandhaufen sitzen oder unter einem Baum schlafen, dann spielt es auch keine Rolle, was wir anhaben, aber sonst eben schon.

Gab es schon mal eine Situation auf euren Reisen, die ihr nur zu zweit überstanden habt?

CHRIS: Nur zu Zweit ist schwierig zu sagen, aber auf jeden Fall ist es zusammen oft leichter. KERSTIN: In Peru, auf dem Weg zu einer abgelegenen Bucht, haben wir uns in der Wüste heftig verfahren, und am Ende versagte der Jeep wegen eines Motorschadens. Zum Glück kam nach Stunden in der Dunkelheit endlich jemand vorbei. Da war ich sehr froh, dass Chris bei mir war.

Manche Paare kriegen sich in solchen kritischen Momenten übel in die Wolle?

CHRIS: Oh ja, Schreierei gibt es bei uns öfters mal, aber wenn es darauf ankommt, dann halten wir zusammen. Wie neulich, als wir am Münchner Flughafen unser gesamtes Gepäck um satte 30 Kilo reduzieren mussten, weil wir zuviel Material dabei hatten. Wir streiten dann nicht darüber von wem was da bleibt, sondern packen dann die Dinge gemeinsam an. Meistens sind wir uns sowieso einig. Alles kann raus, außer den Büchern. Leider sind die auch am schwersten.

Trennt ihr Job und privates auf irgendeine Art und Weise?

KERSTIN: Wenn wir für eine Reisegeschichte unterwegs sind oder Fahrtechnik filmen, dann sind wir in erster Linie ein Team und kein Paar. Da wird dann auch nicht am Strand rumgeschmust, sondern wir sind sehr konzentriert bei der Sache. CHRIS: Aber wenn wir zum Skifahren oder Snowboarden reisen, ist meistens Urlaub angesagt, und dann versuchen wir auch nicht andauernd über neue Projekte zu reden.

Euer Studium hat wenig mit Mediengestaltung, Fotografie oder Journalismus zu tun? Woher kommt das Wissen darüber?

CHRIS: Wir haben uns alles neben dem Studium selber beigebracht. Aber die Begeisterung fürs Schreiben ist bei mir schon lange da. In der Schule hat mich früher nicht viel interessiert, außer Literatur und Aufsätze. Im Unterricht habe ich allerdings immer nur Surf-Magazine gelesen, und mein Lehrer meinte zu mir: „Entweder du schreibst irgendwann mal für diese Blätter oder es wird niemals etwas aus deiner Karriere als Schreiberling.“

Wo soll es beruflich in Zukunft hingehen?

KERSTIN: Ich habe im Januar meine Diplomarbeit fertig gemacht, aber als Sportwissenschaftlerin möchte ich trotzdem nicht arbeiten. Ich träume davon, weitere Projekte mit Chris umzusetzen. Ab Herbst werden wir für Apple auf eine Informations-Tournee durch Österreich gehen und den Leuten die Anwendung verschiedener Programme erklären.

Wer inspiriert euch?

KERSTIN: Menschen, die wir unterwegs treffen. Was Fotografie angeht, gefallen mir vor allem die Bilder von Ugo Richard. CHRIS: Ich verehre surfende Schriftsteller wie Oscar Wright, Chris Malloy, Allen Wisbecker und im Windsurfen vor allem Kevin Pritchard und Keith Teboul.

STECKBRIEFE

Kerstin ReigerGeburtsdatum: 27.10.1978 Wohnort: Am Neusiedler See Nationalität: Österreich Größe/Gewicht: 174 cm/59 kg Beruf: Dipl. Sportwissenschaftlerin Geile Musik macht: Jose Padilla, Khaled, Mana Lecker ist: Asia- und Seafood Bester Spot: Fuerteventura Meine Bedingungen: 4er-Segel und leichter Chop Will ich unbedingt noch machen: Verdammt viel Verbringe gerne viel Zeit mit: Snowboarden, Tanzen, Lesen, Reiten Sponsoren: Matador, Da Dine, Lumen Eyewear

Chris PresslerGeburtsdatum: 5.3.1974 Wohnort: Am Neusiedler See Nationalität: Österreich Größe/Gewicht: 186 cm/ 81 kg Beruf: Lehrer Segelnummer: AUT-226 Geile Musik macht: Gentleman und Mana Lecker ist: Sake Maki Bester Spot: Einsamer Break Meine Bedingungen: 5er-Segel mit Welle Will ich unbedingt noch machen: Den persönlichen Traumspot finden Verbringe gerne viel Zeit mit: Snowboarden, Skifahren, Lesen, Wellenreiten Sponsoren: Starboard, Challenger, Matador, Da Kine, Lumen Eyewear

Fotos: Reiger/Pressler, Interview: Katharina Uhr

Chris on air

Kerstin in action


Lesen Sie die SURF. Einfach digital in der SURF-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag