Dennis Müller

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 8 Jahren

Vor 10 Jahren hat er sich auf der Düsseldorfer boot von den Windsurfprofis Autogramme geholt. Jetzt halst Dennis mit den Stars um die Tonnen – und gibt selbst Autogramme. Für ein Jahr und fünf Monate hat sich der Banker freistellen lassen, um Punkte für die Slalom-Rangliste zu erobern – im Worldcup.

Soviel Zeit wie dieses Jahr konnte Dennis noch nie auf dem Wasser verbringen. Das junge, motivierte deutsche Slalom-Talent mischt bei den schnellsten Windsurfern der Welt mit und reist mit dem Worldcup-Zirkus um die Welt. Er erhält großen Respekt von den Stars.

Du bist gerade Nonstop unterwegs. Wie geht das?

Ich habe meinen Vorstand gefragt, ob er mir ermöglicht, eine sportliche Auszeit zu nehmen. Normalerweise würde ich mich jetzt gerade um die Finanzen meiner Kunden kümmern. Aufgrund meiner guten Leistung, beruflich sowie sportlich, hat er mir das Okay gegeben. Jetzt habe ich Zeit wie ein Vollprofi und kann jeden Tag aufs Wasser. Nur die Zeit fliegt und irgendwann endet leider der Traum.

Wo bist du überall herumgekommen?

Zuerst begab ich mich auf die Reise nach Kapstadt für vier Monate. Mitte März war ich zum Frühlingsbeginn pünktlich zurück für drei Wochen und freute mich auf meine Freundin und Familie. Anfang April startete ich mit meinem Dad und Bulli zur zweieinhalbmonatigen Mittelmeer-Tour. Hyeres, Reggio di Calabria  Rom, Pisa, Monaco, St. Tropez, Gruissan, Costa Brava waren meine Zwischenstopps. Nach 7000 Kilometer verbrachte ich zwei Wochen wieder im heimischen Wesel. Bevor es im Juli weiter nach Fuerteventura ging.

Bei welchen Regatten gehst du an den Start?

Auf dem Plan stehen alle Slalom-Worldcups – außer Südkorea. Beim Defi Wind, der IFCA Euro in Roses, Around Norderney war ich dabei und den DWC Eckernförde lass ich auch nicht aus.

Wie finanzierst du dir die Trips?

Nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann und Ableistung meines Zivildienstes auf Norderney habe ich drei Jahre als Kundenberater gearbeitet. Während dieser Zeit wohnte ich noch zu Hause und konnte somit super sparen. Der Kontostand sinkt jetzt täglich, aber für mich ist es eine einzigartige Lebenserfahrung, die ich nicht missen und vergessen werde.

Was ist das für ein Gefühl, mit Heros wie Björn Dunkerbeck oder Antoine Albeau um die Bojen zu heizen?

Das hätte ich mir früher niemals träumen lassen. Wenn ich die Heatauslosung sehe, realisiere ich manchmal erst, mit wem ich um die Tonnen halse. Der Respekt ist da, aber jeder ist schlagbar. Wenn ein Arnon Dagan dir sagt, du bist ,fuc..ing fast’, gibt es mir natürlich noch mehr Selbstvertrauen.

Wie fing alles an?

Mit acht Jahren habe ich das Windsurfen durch meinen Vater und Bruder auf Fehmarn gelernt. Danach haben wir alle Urlaube dem Windsurfen gewidmet. Mein Bruder hat mich oft mit nach Holland an die Küste genommen und auch unser heimischer Auesee taugt für eine Trainingssession unter der Woche. 2001 habe ich mit dem Regattasport in der Formel J begonnen und bin 2003 meinen ersten DWC gefahren. Danach folgten acht komplette DWC-Saisons und erste internationale Regatten.

Warum jetzt PWA und weniger DWC?

Ich erhoffe mir dadurch den größten Lernerfolg. Jetzt habe ich die Zeit, kann viele Regatten auf einer Route verbinden, da die meisten Events in Europa stattfinden. Außerdem macht mir Slalom am meisten Spaß.

Wie ist die Stimmung als Rookie unter den Worldcup- Fahrern? Du bist ja sporadisch schon ein paar Mal angetreten.

Genau, 2008 bis 2010 startete ich schon beim Worldcup auf Sylt und letztes Jahr schnupperte ich bereits an der Costa Brava, auf Fuerte und in Alaçati rein. Die meisten Pros sind super nett und manche geben Tipps und ihre Geheimnisse preis. Je öfter man sich sieht, desto einfacher wird man integriert.

Normalerweise sieht man dich beim DWC immer mit deinem acht Jahre älteren Bruder Daniel. Jetzt bist du allein auf dich gestellt oder reist er mit?

Nein, leider muss er arbeiten und seine Urlaubstage sind begrenzt. Aber er konnte mich in Kapstadt besuchen und in Australien ist er ebenfalls am Start. Bei der Mittelmeertour hatte ich meinen Dad als Verstärkung dabei und jetzt reise ich oft mit gleichaltrigen Worldcuppern.

 

Was steht noch auf dem Programm?

Unmittelbar nach Alaçati stehen drei windsurffreie Wochen an. Da reise ich mit meiner Freundin auf einem Roadtrip durch Westamerika. Anschließend geht es weiter zum Worldcup nach Sylt. Mein Winterziel wird diesmal Australien sein. Braun gebrannt tausche ich dann nächstes Jahr Shorts und Flipflops in Anzug und Krawatte um – zurück in die Bank.

INFO-BOX

Alter: 23 Jahre

Geboren: 25. Januar 1989

Wohnort: Wesel/Nordrhein-Westfalen

Beruf: Banker

Größe/Gewicht: 187 cm/94 Kilo

Surft seit: 1996

Regattadebüt: 2001

Erfolge: 2011 Niederländischer Slalom-Meister Renesse;

2011 DWC Norderney Slalom Platz 4;

2012 PWA Slalom Reggio di Calabria Platz 28;

Costa Brava Platz 33;

IFCA EM Roses Platz 14

Ziele: PWA Rangliste 2012 Top 30, im DWC-Slalom immer aufs Podium

Lieblingsspots: Norderney, Kapstadt

Lieblingsmoves: Forward- und Backloop

Lebensmotto: Live your dream...

Hobbies: Snowboard, Golf

Sponsoren: F2/Challenger Sails/Camaro/ Brunotti/Triggernaut/AL360/Hurricane Fins

Webpage: www.dennismuellerger89.de 

Fotos: Tom Brendt, John Carter/PWA, Daniel Müller 


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