Dietrich Hanke

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 9 Jahren

Wer genauer hinschaut, hat es sicher schon gesehen: In den Waveboards vieler Profis stecken seit einiger Zeit nicht mehr die klassisch gebogenen Wave-Säbel, sondern steile, fast schon den Slalom-Finnen ähnliche Exemplare. Schuld daran ist Dietrich „Rick“ Hanke, ein 69-jähriger Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik aus Braunschweig. Der Erfolg seiner Maui Ultra Fins ist sicher eine der ungewöhnlichsten Geschichten in der Surfbranche.

Manche Dinge ändern sich nie. Zum Beispiel die Form einer Wavefin­ne. Seit ich mich erinnern kann, hat sie die klassisch gebogene Form einer Del­finflosse. Das ist so, das war so und das bleibt so. Basta! Doch was ist das? Vor ein paar Jahren tauchten plötzlich stei­le, elliptische Exemplare auf, fast ohne Rake (Biegung nach hinten) – ein äußerst gewöhnungsbedürftiger Anblick im Heck eines Waveboards.

Doch schnell kursier­ten Gerüchte über die revolutionären Maui Ultra Fins – früh angleiten sollen sie, schnell sein und doch extrem radikal in der Welle. Da hatten sich die Jungs auf Maui wohl wieder was tolles ausgedacht. Braunschweig statt Maui. Doch dann die Überraschung. Nicht ein junger Künstler auf der Pazifik­insel steckt hinter den neuen Flossen, son­dern ein 69­jähriger Luft­ und Raum­fahrtingenieur in Rente – aus Braun­schweig.

Dietrich “Rick” Hanke ist der schlaue Kopf, dessen Finnen mittlerweile Wavegrößen wie Weltmeister Philip Kös­ter, Robby Swift oder Freestyle­ Ass Taty Frans fahren. Und das sind nur die gesponserten Fahrer, viele andere nutzen die Hanke-­Finnen aus Überzeugung und zahlen dafür. Wir wollten wissen, was hinter der ungewöhnlichen Geschich­te von Maui Ultra Fins steckt und trafen Rick Hanke beim Worldcup auf Sylt.

Wenn man den Firmennamen das erste Mal hört, denkt man unweigerlich, dass da irgendein junger Tüftler aus Maui seine Finger im Spiel hat. Und dann sitzt plötzlich ein äußerst ftter, fast 70-jähriger Ingenieur aus der Mitte Deutschlands vor einem. Das musst du erklären.

HANKE: 2004 starb leider meine Frau und als ich dann in Rente ging, hatte ich viel Zeit und ging 2005 für länger zum Surfen nach Maui. Ich surfe schon seit 1979 und habe viele Entwicklungen mitgemacht. Und bei den ganzen Fin­nenformen habe ich immer gedacht, ‚das kann doch nicht sein.‘ Vor allem die klassischen Wavefnnen mit dem hohen Rake am Ende machen für mich aerodynamisch keinen Sinn. Ich war bei bei der DLR (Deutsches Zentrum für Luft­ und Raumfahrttechnik) Abteilungsleiter für Flugsimulation. Dort haben wir zum Beispiel ein Flugzeug konstruiert, mit dem wir die Flugeigenschaften anderer Flugzeuge, zum Beispiel auch die eines Airbus A380, in der Luft simulieren konnten. Das waren natürlich alles sehr komplexe Berechnungen.

Deshalb habe ich mir auch immer gedacht, dass man Finnenformen berechnen sollte. Aber ich hatte vorher keine Zeit mich stärker damit zu beschäftigen und auch keine Lust, Finnen selber zu fräsen.

Wie kam es dann dazu, dass du doch Finnen gemacht hast?

Auf Maui lernte ich dann Andrea (An­drea Natoli von Maui CNC, Red.) kennen, der mit seinen CNC­-Fräsen für einige Firmen produziert und der nur die Daten brauchte, um auch für mich Finnen zu produzieren. Ich habe mir dann noch eine Software zur Proflberechnung ge­kauft und angefangen, am Computer die Form zu optimieren – so wie ich meinte, dass es optimal wäre. Erst habe ich sie selber ausprobiert und Freunden gege­ben. Die waren total begeistert.

Hatte die Finne schon die ellipitsche Form?

Ja, von Anfang an. Wie gesagt, ich habe die Form der klassischen Wavefinne im­mer für verkehrt gehalten. Sie war wohl historisch bedingt, weil man glaubte, sie müsste so aussehen wie eine Fischfos­se. Und das hat irgendwie nie jemand hinterfragt. Das haben mir später auch einige Finnendesigner bestätigt. Meine Finnen hatten von Anfang an die Form und viele haben erstmal gesagt, die sehen ja aus wie Slalomfinnen.

Das gesamte Interview mit Dietrich Hanke lest ihr als PDF-Download.

Als Luft- und Raumfahrt-Ingenieur steht Rick Hanke weniger auf das Try and Error-Prinzip. Aus dem Computer kam auch die Form für die Ur-X-Wave.

Philip Köster schwört in der Welle auf die Finnen von Dietrich „Rick” Hanke. Vor allem bei der Form der Wavefnnen schlug Rick einen ganz neuen Weg ein.

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