Felix Quadfaß

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 10 Jahren

Arbeiten in der Surfbranche – im letzten Heft haben wir einige Berufe vorgestellt, in denen man Windsurfen und Geld verdienen verbinden kann. Felix Quadfaß hat so etwas, was man sich vermeintlich als Traumjob vorstellt: Er kümmert sich weltweit um die Surfstationen von Planet Allsports. Doch der Traumjob läuft nicht immer traumhaft.

Schon mit Mitte Zwanzig in einer verantwortlichen Position tätig zu sein? Für Felix Quadfaß ist das eine Selbstverständlichkeit. Der heute 30-Jährige ist schon seit Jahren verantwortlich für die operative Leitung von Planet Allsports, und damit zuständig für Vertrieb und Marketing eines Unternehmens, das acht Wassersportstationen quer über den Erdball betreibt. Die Stationen bieten Dienstleistungen rund ums Windsurfen, Stand-Up-Paddeln und Kiten an. Equipment wird direkt am Spot vermietet, Schulungen und Lagerung für das Surfmaterial von Surfern werden angeboten.

Der gebürtige Bayer hat seine beruflichen Wurzeln als Kommunikationswirt mit Schwerpunkt Marketing und Kommunikation, als Berater in verschiedenen Werbeagenturen und als Key-Account-Manager bei Helly Hansen. Die Liebe zum Windsurfen war für Felix dann bestimmt kein Hinderungsgrund, um in der Windsurfbranche Fuß zu fassen. Für unseren Spot Guide Karpathos ( siehe surf 8/2011-> ) durfte er als exzellenter Windsurfer “modeln” und wir hatten die Gelegenheit zum Gespräch.

Als Windsurfsüchtiger mit einem guten Potenzial im Freestyle können wir uns dich auch gut bei Freestyle-Wettbewerben vorstellen. Wäre das eine gute Alternative zum Manager-Job?

Das ehrt mich, aber da bin ich wahrscheinlich um ein paar Jahre zu spät dran. Damals hätte ich mit einem Spock noch gut abgeschnitten. Das Niveau, das Gollito und Co. an den Start legen, ist unfassbar hoch. Ich find’s schon schwer genug, sich alle Moves, die es mittlerweile gibt, zu merken. Also war der einzige Kontakt, den ich mit Freestyle-Wettbewerben hatte, die Zeit als Judge bei der EFPT. Die Zeit war genial und für mich ein Privileg, die weltbesten Freestyler auf einigen Stops der Tour zu begleiten.

Wie wird man als jemand, der in Bayern aufwächst und viel arbeitet, so gut auf dem Windsurfboard?

Für einen Bayern hatte ich ziemlich Glück, direkt am “Spot” aufzuwachsen, zuerst am Kreuz in Herrsching und später mit Seegrundstück am Pilsensee. Damals konnte ich das bei der surf- Magazin-Umfrage gewonnene ART Freeblade 5,8 immer aufgebaut lassen und direkt nach der Schule aufs Wasser gehen. Ich hab wirklich jeden Wind ausnutzen können und wenn’s nur die kurzen Gewitterböen waren. Dank meines besten Kumpels Alex sind wir später fast wöchentlich zum Lago geschossen und dann hat irgendwann die Freestylerei angefangen.

Bei unserer Tour auf Karpathos hast du dir nur zu gerne das Freestyleboard geschnappt. Darf es auch mal das Slalomboard sein?

Puuh, bis vor kurzem ein klares Nein. Aber ich wurde bei unserem Planet Allsports Stationsleitermeeting in Soma Bay mal gezwungen das Slalom-Zeugs zu fahren. Ich wurde von den Kollegen überredet, den Fanatic Falcon und ein S-Type 7,8 zu surfen. Man, das geht ab und nach einer Stunde bist du platt, seitdem bin ich infiziert. Und deshalb habe ich mir grad den neuen Falcon bestellt.

Planet Allsports ist eine Weiterentwicklung der Marke “Happy Surf & Ski Tours”, einer Marke mit hohem Bekanntheitsgrad. Lautet die Kurzformel “Planet Allsports = Happy Surf & Ski Tours”?

Im Grunde stimmt das, aber in den letzten zweieinhalb Jahren haben wir bei Planet Allsports auch viel geändert. Die Grundsätze wie bestmöglicher Service, eine enge Gästebetreuung und Top-Material unserer Partner Fanatic und North Sails sind aber geblieben.

Wie können wir uns deinen Arbeitsalltag vorstellen? Um 9 Uhr geht’s ins Büro, welches dich bis 18 Uhr nicht wieder loslässt?

Ich glaube das ist das schönste an meinem Job, es gibt den Alltag nicht, jeder Tag ist anders und voll neuer Herausforderungen. Bei soviel Abwechslung freue ich mich dann auf die “Alltage”, die ganz geregelt um 9 Uhr anfangen und um 18 Uhr enden. Das einzige, was fast immer “Alltag” ist, sind viele Mails, Telefonate und das Skypen mit unseren Stationsteams.

Welche Funktion und welcher Aufgabenbereich steht hinter COO (deine Bezeichnung bei Planet), die Position die du inne hast?

Als Chief Operations Officer bist du dem CEO, in unserem Fall dem AG Vorstand, unterstellt, und ich kümmere mich um die operative Leitung, also das Tagesgeschäft. Ich bin also verantwortlich für unser Marketing, den Vertrieb, das Produkt an sich und unser Personal. Da aber unsere Firma relativ klein ist, verschmelzen die Aufgabenbereiche ziemlich und du machst mehr oder weniger von allem etwas, zum Beispiel auch die Beratung und Buchung unserer Gäste, die direkt über unsere Internetseite buchen.

Und eine Reisetätigkeit in aller Herrenländer gehört genauso dazu?

Klar! Gerade war ich in Ägypten, um mit den Stationsleitern in Soma Bay und Dahab verschiedenes zu besprechen. Im November/Dezember fliege ich wieder nach Boavista auf die Kapverden.

Das hört sich auch nach Spaß an, aber nicht soviel Spaß bereiten andere Ereignisse. Auch ihr habt als Stationsbetreiber mit Problemen zu kämpfen, die von dritter Seite kommen und dazu noch willkürlich und plötzlich auftreten. Eine Ägypten-Krise ist für euch nicht umsatzfördernd, und auch nicht die vorsätzliche Zerstörung vom Partnerhotel der Station in Flecheiras/Brasilien. Und eine Airline stoppt kurzerhand sämtliche Flüge nach Isla Margerita und damit auch den Zulauf von Windsurf- Urlaubern zu eurer Station in El Yaque. Sind das Faustschläge ins Gesicht?

Das sind die unangenehmen Dinge in dem Job, vor allem kannst du tun was du willst und dir Arme und Beine ausreißen und doch kannst du manche Dinge nicht ändern. Manchmal wirst du da wahnsinnig, gerade hast du eine Krise überstanden, schon kommt die nächste. Glücklicherweise hat sich Ägypten schneller als gedacht erholt und besonders in Soma Bay haben wir Buchungen ohne Ende. Hoffen wir mal, dass im nächsten Winter Flüge direkt von Deutschland nach El Yaque gehen – bis dahin kann man gut und günstig auch über Caracas nach El Yaque fliegen, das ist fast genauso bequem, relativ schnell und vor allem mitunter ziemlich günstig.

Aber das sind nicht die einzigen Brocken, die euch im Ausland häufig in den Weg gelegt werden. Wir vermuten mal, dass du bereits Bücher schreiben könntest, angefangen bei Zollbeschränkungen bis hin zu der Bestechlichkeit von Zöllnern?

Der logistische Aufwand, das gesamte Surfmaterial in die Stationen zu bringen, ist enorm und vor allem sehr kostenintensiv. Ich würde sagen, dass fast ein Drittel meiner Zeit dabei draufgeht, das neue Material zu beschaffen und in die Stationen zu bringen – also Organisation pur. Eine riesige Hilfe sind dabei unsere nationalen Sub-Firmen, die wir unter anderem in Ägypten oder Venezuela betreiben und die uns den Import der Ware vereinfachen.

Ägypten mit dem Vorzeigespot “Soma Bay” entspricht den Anforderungen vieler Windsurfer und damit Kunden von euch. Was erwarten Windsurfer zukünftig in ihren Surfurlauben?

Kompromisslosen Service, ausgezeichnetes Material und eine warme herzliche Atmosphäre.

Das heißt, die Qualitätssicherung spielt auch in euren künftigen Überlegungen die zentrale Rolle?

Wir leben vom Feedback unserer Kunden, da wir nicht selber immer vor Ort sind. Wir sind angewiesen auf die Kritik unserer Kunden, um uns weiter zu verbessern und auf Probleme zu reagieren. Erst kürzlich haben wir ein neues Bonussystem eingeführt, mit dem wir einerseits unser Team motivieren möchten, andererseits direkt erfahren, wenn Gäste nicht hundertprozentig zufrieden sind und uns mit weniger als “ausgezeichnet” bewerten.

Wie wird sich der Windsurf-Reisemarkt zukünftig entwickeln?

Unsere Buchungsentwicklung zeigt, dass mehr und mehr unserer Gäste ihre Reise individuell online zusammenstellen. Besonders bei Zielen wie in Ägypten bieten konventionelle Veranstalter im Netz viel an und die Buchung ist einfach. Unumstritten ist aber die Beratung für Windsurfziele am besten bei den einschlägigen Surfreiseveranstaltern, mit denen wir natürlich auch zusammenarbeiten.

 

Als Windsurf-Reisespezialist hast du wohl einen fast vollkommenen Überblick über alle wesentlichen Surfspots der Welt. Wie sieht bei dir ein "Wünsch-dir-was-Reiseplan" für das Jahr 2012 aus?

Ich würde das so machen: zwischen dem Jahreswechsel und März geht’s zuerst nach El Yaque. Im April nach Boavista auf die Kapverden, dort die Traumwellen abreiten und außerdem meine SUP-Kenntnisse verfeinern. Im Sommer geht es für viel Wind nach Karpathos. Aber im Sommer ist es genauso klasse in Kos mit viel Windsurfen, Kat-Segeln und SUPen. Im September vor dem ersten Wies’n-Wochenende steht der traditionelle Irland-Trip mit den Spetzln auf dem Programm. Im Spätherbst noch mal abschließend zum SUPen und Wellenreiten nach Boavista. Zwischendrin kann man ganzjährig Windsurftrips in unsere Planet Allsports Stationen in Ägypten reinschieben, das geht immer und ist vor allem nah.

Alter: 30 Jahre Lieblingspots: Irland, Soma Bay/Ägypten, Kapstadt Lieblingsmove: Grubby Ziel: „Ein richtig guter Backloop“ Lieblingsmusik: Tegan and Sara

Alter: 30 JahreLieblingspots: Irland, Soma Bay/Ägypten, KapstadtLieblingsmove: GrubbyZiel: „Ein richtig guter Backloop“Lieblingsmusik: Tegan and Sara

Für einen Bayern hatte ich ziemlich Glück direkt am ‚Spot’ aufzuwachsen, zuerst am ‚Kreuz’ in Herrsching und später mit Seegrundstück am Pilsensee.

 

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