Frithjof Blaasch

 • Publiziert vor 13 Jahren

Die Kleinen werden so langsam aufmüpfig. Ist doch unglaublich, dass man bei fünf Grad Luft- und vier Grad Wassertemperatur von einem blonden Nordlicht als „Waschlappen“ bezeichnet wird, nur weil man ausnahmsweise mal keine Lust auf den nassen Neo hat! Waschlappen war bei uns bisher Friedels zweiter Spitzname, doch so langsam müssen wir uns was Neues einfallen lassen, denn egal wie kalt und ungemütlich es draußen ist, Friedel ist immer am Start.

Und gerade während der Winterzeit sind seine Fortschritte enorm. Loops in beide Richtungen, Pushloops, Shove-its, und momentan ist er am Goiter und Air Chachoo dran. Und das alles ohne Auslandseinsatz, nur mit Kopfhaube und Handschuhen an der deutschen Ostseeküste. Er macht aus der Not eine Tugend, und da er als Schüler der 11. Klasse wenig Geld hat, ist er immer auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit zu den Spots an Nord- und Ostsee. Wohnhaft in Schönberg, nahe den nettesten Stränden Kiels, hatte er das Glück, bei Oli von Wassersport Brasilien eine perfekte Umgebung zum Surfen lernen vorzufinden. Mittlerweile hilft er auch beim Surfunterricht, allerdings immer unter Vorbehalt, denn wenn die Ostsee richtig brodelt, muss er selbst zum Einsatz. Ich habe ihn nach einem super windigen Wochenende an der Ostsee erwischt. Am Wochenende ging ja mal wieder einiges. Frühlingshafte Temperaturen, acht Windstärken aus West. Ostsee on fire! Wie sieht ein Windsurftag bei dir aus?

Aufwachen, sofort zum Fenster sprinten und gucken, ob Wind ist. Wenn meine Eltern Glück haben, werde ich mitgenommen, ansonsten muss mich einer von ihnen fahren. Am Spot angekommen wird nicht lange geschnackt, sondern sofort aufgeriggt und aufs Wasser gegangen. Im optimalen Fall bis das Licht ausgeht. Du machst recht schnelle Fortschritte, surfst du einfach oder nimmst du dir immer einen neuen Move vor?

Meistens gehe ich einfach surfen und wenn ich merke, dass die Bedingungen passen und ich gut drauf bin, dann probiere ich ein paar neue Sachen, die ich mal in Videos gesehen habe. Der Ehrgeiz packt mich dabei recht schnell. Ich sehe dich meistens in der Welle surfen. Wieso findest du das am besten?

Das Gefühl, eine Welle abzureiten oder einen hohen Sprung zu machen, ist für mich einfach das Größte. Eine Welle verändert immer ihre Gestalt und das ist es, was mir so Spaß macht. Ich kann dem Freestyle auf Flachwasser einfach nichts abgewinnen, ich probiere es ab und zu mal, aber so richtig viel Spaß hab’ ich dabei nicht. Wenn ich endlich mal einen neuen Freestylemove gestanden habe, haben die Jungs in Bonaire zehn andere erfunden. Mag sein, dass viele gerade das als Herausforderung sehen, aber ich nicht. Es gibt einige Jungs in deinem Alter, die in Australien, auf Maui oder auf Gran Canaria aufwachsen und immer tolle Bedingungen vorfinden. Bist du nicht manchmal neidisch?

Ja, klar wird man da neidisch. Aber dann erinnere ich mich an die guten Tage an Nord- und Ostsee, an denen man zusammen mit Freunden die Wellen gerippt hat und schaut sich die Bilder der letzten Session an. Da vergisst man ganz schnell wie gut es die Jungs auf Maui haben. Ich wohne sehr gerne hier. Ich habe gelesen, dass du vor drei Jahren in Schleswig-Holstein Landesmeister im Stabhochsprung geworden bist. Hat dir die Leichtathletik beim Windsurfen geholfen?

Ich denke schon ein wenig. Die Kondition, die Technik, die Kraft und vor allem auch die Disziplin, nicht gleich alles hinzuwerfen, wenn es mal nicht klappt, hat sich da mit Sicherheit bezahlt gemacht. Es war wirklich eine super Zeit, die ich nicht missen möchte. Die Red Bull Big Days im November 2007 waren dein erster Contest. Du bist auf Anhieb Siebter geworden. Was war dein Geheimrezept?

Zum einen die Konzentration vor dem Wettkampf, die ich noch aus der Leichtathletikzeit besitze, und zum anderen die vielen guten Tipps von meinem „Mentor“ Flo Söhnchen. Ich habe als Erstes meine sicheren Moves gezeigt und dann ein bisschen auf Risiko probiert. Außerdem gehört ganz viel Glück dazu, glaube ich. Hast du vor, weitere Wettkämpfe zu fahren? Oder reicht dir die Wettkampfluft von der Leichtathletik und von den Big Days?

Ich würde gerne öfters an Wettbewerben teilnehmen, allerdings schrecken mich derzeit die anfallenden Kosten noch ein bisschen ab. Aber mal sehen, vielleicht bin ich dieses Jahr bei den Soulfiles dabei, Lust hätte ich auf jeden Fall. Du warst bis auf einige Stippvisiten in Dänemark noch nie woanders zum Surfen. Was wäre dein Traumziel und ist irgendeine Reise geplant?

Also mein Traumziel ist auf jeden Fall Südafrika, irgendwann möchte ich da mal hin. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr in den Herbst ferien nach Irland komme. Außerdem möchte ich gerne noch öfters nach Dänemark. Die Bedingungen sind dort einfach so grandios und es ist quasi direkt vor der Haustür. Was möchtest du in deinem Leben als Windsurfer erreichen, um in 20 Jahren als echter Haudegen in die Geschichtsbücher einzugehen?

Ich würde das Windsurfen gerne wieder populärer machen, so dass jeder wieder mit einem Surfbrett auf dem Dach durch die Gegend fährt. Das wär’ schon was, aber dieses Ziel ist allein unerreichbar. Vorerst will ich einfach noch viel öfters aufs Wasser, eine Menge Spaß haben und den Spaß am Sport an andere weitergeben. Um als Haudegen in die Geschichtsbücher einzugehen, muss ich wohl noch einige andere Dinge tun, die ich hier jetzt lieber nicht erwähnen möchte. (lacht) Frithjof kommt aus dem Altdeutschen und bedeutet übersetzt ungefähr „friedlicher Räuber“. Klingt doch nach deinem Surfstil, oder?

Das wusste ich nicht, hat aber wirklich ein wenig Ähnlichkeit. Wenn ich den anderen Surfern mit einem Grinsen im Gesicht die Wellen klaue, könnte man das schon als „friedlichen Raub“ bezeichnen. Frauen sind hiervon natürlich ausgenommen, die haben immer Vorfahrt. STECKBRIEFGeburtsdatum: 22.3.1990 Wohnort: Schönberg bei Kiel Homespot: Brasilien, Heiligenhafen, Weißenhaus (alles Ostsee) Sponsoren: Exocet, Sailloft, Prolimit, Mogain, Tekknosport Größter Erfolg: 7. Platz bei Red Bull Big Days 2007 Ziel: Führerschein und dann nix wie weg nach Klitmøller

Interview: Steffi Wahl, Fotos: Michael Wohlgehagen


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