Henrik und Leon Jamaer

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 9 Jahren

Sie sind ruhige Zeitgenossen und spucken keine großen Töne. Wer im Duden unter Understatement nachschlägt, findet dort höchstwahrscheinlich ein Bild von ihnen. Sie sind einfach immer dort, wo im Norden die besten Wellen laufen. Nur dort. Sie sind wohl, gemeinsam mit den Gobischs, das am besten surfende Brüderpaar Deutschlands. Sie sind Leon und Henrik Jamaer.

Henrik (links) und Leon sind in Kiel Zuhause und in der Welt unterwegs.

Hanstholm vor ein paar Jahren, Ende März. Es ist kalt, die Tage sind kurz. Die Sonne weigert sich noch beharrlich höher zu steigen, um den Frühling auch im ho­hen Norden einzuläuten. Das gute an solchen Tagen ist, dass man meist alleine die perfekten Wellen vor der Fischfabrik reiten kann. Abgesehen vielleicht von ein paar schmerzfreien, dänischen Locals. Die Pro­fis sind alle irgendwo im warmen Süden, der surfende Rest noch im Winterschlaf. Der Blick über den letzten Hügel lässt das Herz höher schlagen und die stundenlan­ge Fahrt durch Dänemark vergessen. Ge­ordnete Lines schälen sich aus der Nord­see und entladen sich, noch ungesurft, in der weitläufigen Bucht. Im fernen Dunst kämpft sich eine Fähre durch das aufge­wühlte Meer Richtung Norwegen. Ansons­ten ist hier heute der Hund begraben. Nur ganz hinten, da wo die scheinbar endlose Dünenlandschaft beginnt, steht einsam ein in die Jahre gekommener Kastenwagen. Davor sitzen – dick eingepackt – Leon und Henrik Jamaer, riggen Segel, schrauben Finnen.

Ein paar Tage später: Nordoststurm, Dahmeshöved in der Lübecker Bucht, kurz vor sieben Uhr morgens. Dauerregen. Im Dämmerlicht hinter dem Deich steht ein einsames Auto, unter der geöffneten Heckklappe sind schemenhaft zwei Gestal­ten zu erkennen, die in ihre Neoprenanzü­ge gleiten. Überflüssig zu sagen um wen es sich dabei handelt. Irgendwie scheinen die Jamaers immer da zu sein. Überall. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und das als Schüler ohne Führerschein. Autofahren dürfen Leon (20) und Henrik Jamaer (23) mittlerweile beide und auch das Abitur haben sie erfolgreich hinter sich gebracht. Dass sie auch schon früher viel Zeit auf dem Wasser verbringen konnten, haben sie ihrem älteren Halbbruder Daniel zu verdanken, ebenfalls leidenschaftlicher Surfer und – am wichtigsten – Führerschein­besitzer.

Er war es auch, der seine jüngeren Geschwister vor einigen Jahren auf ein altes Waveboard stellte und die beiden so mit dem Surfvirus infizierte. Waveboards sind bis heute der ultimative Untersatz für die Brüder geblieben, denn alle drei haben die gleiche Leidenschaft: Ein guter Tag mit dicken Klopfern, egal ob Sommer oder Win­ter, Sonne oder Schnee, nah oder fern. Für Freestyle oder sonstige Flachwasseraction hatten die Jamaers stets nur wenig übrig.

Während Daniel, der heute als Ingenieur im niedersächsischen Oldenburg arbei­tet, meist nur noch an den Wochenenden aufs Wasser kann, sind die beiden Stu­denten Leon und Henrik noch recht flexi­bel und wissen ihre Freiräume auch zu nut­zen. Ist die Ostsee wieder einmal platt wie ein Pfannkuchen, klemmen sich Leon und Henrik auch gerne die Wellenreiter unter die Arme, kaufen sich am Automaten ein Schleswig-­Holstein-­Ticket – Ziel Westerland – und surfen eben ohne Segel ein paar Wel­len. Und wenn alles nichts hilft, packen sie spontan die Boards ein, um nach 17 Stun­den Autofahren im Schichtbetrieb pünkt­lich mit dem angekündigten Swell in der Bretagne am Strand zu stehen.

Diese kompromisslos auf Welle ausgerich­tete Grundeinstellung trägt, gepaart mit einer gehörigen Portion Talent, mittler­weile beeindruckende Früchte. Henrik und Leon haben sich mit ihrem radikalen Stil, bestehend aus monströsen Backloops, verdrehten Pushloops und geschmeidigen Wellenritten auch außerhalb der norddeut­schen Szene einen Namen gemacht. So hat Leon mittlerweile auch schon einige Run­den im Worldcup erfolgreich überstanden und bei den letzten Supreme ­Surf Big Days auf Rügen mussten sich auch gestandene Profis wie Klaas Voget und Lars Gobisch ge­hörig strecken, um am Ende knapp die Nase vorne zu haben. Noch.

Das ausführliche Portrait der Jamaer-Brüder lest ihr als PDF-Download

Henrik mischt nicht so aktiv wie Leon in der Contest-Szene mit. Dafür findet man ihn immer dort, wo Wind und gute Wellen sind – zum Beispiel in Südafrika.

Ob Hanstholm oder Weissenhaus: Leons vertweakte Pushloops gehören zu den radikalsten überhaupt.

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