Redaktion

Vom Lehrling zum Meister

  • Manuel Vogel
06.04.2020

Aurelio Verdi lernte das Shaperhandwerk bei RRD. Mit AV-Boards hat er jetzt sein eigenes Label an den Start gebracht. Was ihn antreibt und von der Konkurrenz unterscheiden soll, verrät er im surf-Interview.

Aurelio Verdi kannten bislang wohl nur die eingefleischtesten Beobachter der Szene, schließlich stand er jahrelang im Schatten seines Lehrmeisters Roberto Ricci. Nun geht der italienische Shaper eigene Wege.

surf: Aurelio, auf der boot Düsseldorf hast du deine AV-Boards zum ersten Mal einem großen Publikum präsentiert. Davor warst du lange Jahre der Mann hinter zahlreichen RRD-Shapes. Warum jetzt ein eigenes Projekt?

AV: Ich habe 1998 bei Roberto Ricci angefangen. Zu Beginn war ich dort erst mal der Lehrling und durfte den Shaperaum fegen und kleinere Arbeiten durchführen. Aber schon nach sieben Monaten habe ich unter der Anleitung von Roberto selbst mit dem Shapen angefangen und bin 19 Jahre geblieben. Während dieser Zeit habe ich viel gelernt und war verantwortlich für einige sehr erfolgreiche Shapes: Antoine Albeau ist auf meinen Boards mehrmals Slalom-Weltmeister geworden und mit meinem Speedboard hat er 2015 den Weltrekord in Lüderitz aufgestellt, der bis heute Bestand hat. Aber nach so langer Zeit war es einfach an der Zeit, etwas Eigenes zu machen.

Du hast bereits eine komplette Boardrange von Wave, über Freestyle, Freemove, Freeride bis hin zu Speed auf die Beine gestellt. Wo werden deine Boards gefertigt?

Ich produziere bei Kinetic in Vietnam. Dabei handelt es sich um eine kleinere Produktionsstätte, die aber über sehr viel Know-how verfügt und auch für andere kleine Marken baut, wie FMX Racing von Finian Maynard, Simmer Style oder Future Fly, die Marke von Worldcupper Arnon Dagan.

Abgesehen vom Produzenten, wie unterscheiden sich eure Serienboards deiner Meinung nach von den bei Cobra produzierten Produkten anderer Marken?

Unser Ansatz ist es, die bestmögliche Serien­qualität zu bauen, die beste Konstruktion. Die Performance-Boards wie das Slalombrett werden in Vollcarbon-Technologie gebaut, in Verbindung mit dem besten PVC-Sandwich auf dem Markt. Auch das Kernmaterial ist hochwertig und leichter als üblich. Aber auch die Boards für die Masse, aus den Kategorien Freeride, Freewave, Freestyle oder Wave, sind „outstanding“. Sie werden mit einem Carbondeck produziert, die Rails sind mit Carbon-Kevlar verstärkt. Im Inneren verbauen wir Doppel-Sandwich, unter dem eine weitere Carbonlage liegt, erst dann kommt der Kern. Stringer im Unterwasserschiff sollen die Scoop-Rocker-Linie über einen langen Zeitraum stabil halten. Weil wir unserer Bauweise vertrauen, geben wir zwei Jahre Garantie auf die Boards.

Sein Handwerk hat Aurelio Verdi (rechts im Bild) bei RRD gelernt. Björn Dunkerbeck (Mitte) ist der prominenteste Teamfahrer der neuen Marke.

Ihr werbt beim Freeridemodell Chubby mit einem eingebauten Nose-Protektor. Was hat es damit auf sich?

Ein Nose-Protektor ist bei diesem Brett Teil der normalen Konstruktion, es muss also hinterher nichts zusätzlich aufgeklebt werden. Unter dem Dacklaminat aus Carbon-Kevlar befindet sich ein weiches EVA-Material. Dadurch ist der Bug etwas gedämpfter und wird extrem schlagresistent. Ein weiteres gewichtiges Argument für das Brett ist, dass es „Foil ready“ mit verstärkter Box gebaut wird.

Wenn man einerseits über hochwertige Materialien redet, muss man auch auf der anderen Seite über den Preis sprechen. Was ruft ihr dafür auf?

Unsere Bretter sind in der Produktion teurer als „normale“ Serienboards, keine Frage. Deshalb versuchen wir als Marke über Agenten direkt in Kontakt mit den Shops zu treten und eine Marge in der Kette einzusparen. Auf diese Weise sind wir preislich auf jeden Fall konkurrenzfähig, unsere Bretter liegen, je nach Modell, zwischen 1999 und 2499 Euro. Unsere Philosophie ist es, die Shapes, Designs und Preise über mehrere Jahre unverändert beizubehalten. Für Shops und Endkunden ist es attraktiv, ein haltbares und hochwertiges Produkt zu kaufen, dass dann auch länger wertstabil bleibt. Rabatte sind also nicht vorgesehen.

Die Speedshapes von Aurelio Verdi sind schnell – das weiß auch Top-Speeder Twan Verseput (NL)

Ihr habt beim Thema Teamfahrer gleich in die Vollen gegriffen!

Ja, es ist uns gelungen einige namenhafte Teamrider zu verpflichten, allen voran natür­lich Björn Dunkerbeck. Im Freestyle- und Wavebereich haben wir mit Jacopo Testa und Alex Mussolini ebenfalls absolute Top-Fahrer im Team. Wir sind gerade dabei, den europäischen Markt für uns zu erschließen und in die Shops zu kommen. Der Windsurfmarkt ist nicht riesig und wir gehen nicht davon aus, mit einer neuen Boardmarke reich zu werden. Es ist die Passion, gute Produkte zu bauen, die uns antreibt: Wenn die Kunden das auch so sehen, dürfen wir sicher auch eine Weile bleiben.

Infos: www.avboards.com

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