Interview: Julien Pockrandt

  • SURF Magazin
 • Publiziert vor 5 Jahren

Es tut sich was im Nachwuchsbereich. Deshalb wählen die boot Düsseldorf und das surf Magazin alljährlich das „Windsurftalent des Jahres”. 2016 fiel die Wahl auf den 17-jährigen Julien Pockrandt aus Rostock. Er fährt im Deutschen Windsurf-Cup in allen Disziplinen mit und kratzte 2015 in der Overall-Rangliste bereits an den Top Ten.

Warst du überrascht, dass du Windsurftalent des Jahres geworden bist? Ja, auf jeden Fall! Ich saß gerade mit meiner Schwester in El Medano beim Abendessen und bekam auf einmal mehrere Nachrichten über Facebook zugeschickt. Ich habe mir diese mit Sicherheit 20-mal durchgelesen, bis ich es endlich glauben konnte! Meine Schwester freute sich gleich mit, da sie wusste, dass sie dann mit nach Düsseldorf kommen kann.

Wie bist du zum Surfen gekommen? Angefangen habe ich 2008 auf der griechischen Insel Kos, zusammen mit meiner Schwester. Wir machten dort beide den Grundschein, doch ich wollte mehr als nur auf dem Brett rumstehen und mit zwei km/h über das Meer dümpeln. Der Sport faszinierte mich aber von dem ersten Wasserkontakt an bis heute. Mein Vater war früher auch ein leidenschaft­licher Surfer. Er hat dann aber zu meiner und der Geburt von meiner Schwester eine Pause eingelegt und hat quasi mit uns beiden wieder begonnen. Bis zu meinem ersten eigenen Brett, drei Jahre später, begrenzte sich das Surfen auf die Zeit des Sommerurlaubs.

Den Gewinn von 2016 Euro für das Windsurftalent des Jahres hat Julien gleich in einen mehrwöchigen Trainingsaufenthalt im TWS-Slalomcamp auf Teneriffa investiert.

Was hat dich zum Regattasurfen gebracht? Zuerst bin ich natürlich wie jeder andere auch einfach so surfen gewesen. Ich wollte mich zwar immer verbessern und war auch oft sauer auf mich selbst, wenn etwas nicht gleich geklappt hat, doch es begrenzte sich auf Sachen wie die Powerhalse und die schnelle Wende. Nach einiger Zeit fuhren wir für eine Woche nach Torbole an den Gardasee, dort habe ich das erste Mal Segel mit Nummern und Slalomboards gesehen. Es war sehr interessant und ich fragte einen der Fahrer, was das ist. Er erklärte mir alles und ich war begeistert! Ich wusste, das will ich auch machen.

Mein Vater und ich ergriffen die nächste Gelegenheit und fuhren 2012 zu einem DWC-Stopp in unserer Nähe (die Red.: Kühlungsborn). Dort traf ich das erste Mal auf einen anderen Jugendlichen, der dort ordentlich die Preise abräumte – Michele Becker. Wir tauschten unsere Adressen aus und hielten den Kontakt. 2013 dann meine erste Regatta direkt vor Sylt. Es waren schwierige Bedingungen, ich hatte wenig Material und ich verlor alles. Die anderen Fahrer waren aber alle sehr nett und haben einem Mut zugesprochen, ebenfalls auf Fragen wussten sie stets zu antworten und haben mir viel geholfen mich zu integrieren. Im darauf folgenden Jahr  war ich doppelt so motiviert und habe viel trainiert, so gewann ich fast alles. Tourstopps in der U17-Wertung und wurde somit Deutscher Meister 2014 (U17). Das pushte mich enorm!

Regatten zu fahren ist nicht billig. Wie finanzierst du das? Ich muss sagen, dass das Windsurfen wirklich ein enorm teurer Sport ist. Um hier vor allem im Racebereich mitzuhalten, muss man natürlich zum einen extrem gut surfen können, aber auf der anderen Seite mit dem neuesten Material ausgestattet sein. So ist es also notwendig, Sponsoren zu finden. Gerade am Anfang ist das aber schwierig. Hat man wenig Material, hat man nicht das optimale Equipment bei den verschiedenen Bedingungen und somit keine guten Ergebnisse und somit auch keine Sponsoren. Deshalb ist es sehr schwer, den ersten Kontakt zu den Sponsoren herzustellen. Man muss großes Engagement zeigen und motiviert sein. Dann wird man es schaffen!

Ich habe große Unterstützung durch meine Eltern bekommen, die mir die Grundausrüstung zum Teil spendiert haben. Nach einiger Zeit fing ich dann an, mich bei verschiedenen Herstellern zu bewerben und ich bekam erstaunlich schnell Rückmeldung. Mein Tipp: Schreibt einfach die Marken direkt an, sagt wer ihr seid und habt keine Angst. Ich dachte auch erst, dass sie sich meine Bewerbung eventuell gar nicht durchlesen. Ich bin dann in das GA Sails/Tabou-Team gekommen und hatte dann für die 2014er-Saison gutes Material und konnte gewinnen! Natürlich muss man enorm viel trainieren. Jetzt habe ich allerdings Tabou/GA verlassen und bin zu Challenger Sails und NoveNove gewechselt. Ich besitze vier Racingsegel und zwei bis drei Slalomboards, die ich intensiv fahre. Hinzu kommen noch Finnen und das ganze Zubehör... Da muss man schon öfter tief in die Tasche greifen.

Was sind deine Ziele für 2016? Ich besuche in Rostock eine Sportschule, welche mir eine Schulzeitstreckung ermöglicht. Ich mache mein Abitur also nicht nach zwölf, sondern nach 13 Jahren. Ich kann sehr viel trainieren und mir auch für Regatten oder Training freinehmen. Die schulische Leistung muss natürlich stimmen. Das bietet mir schon jetzt die Möglichkeiten, mich stark zu verbessern. Meine Ziele sind in jedem Fall, dieses Jahr Deutscher Meister zu werden (U20) und die deutschen Top Ten anzugreifen! Ich werde mich ebenfalls international bei der IFCA-Youth-EM und der IFCA-WM messen und versuchen, das erste Mal bei einem PWA-Worldcup mitzufahren. Die nächsten Jahre versuche ich viel zu trainieren und sowohl national als auch international ein Zeichen zu setzen. Durch meine neuen Sponsoren kann ich mit den Worldcup-Teamkollegen trainieren und unsere Zusammenarbeit ausbauen. Darauf freue ich mich sehr. Ich habe schon die Segelloft in Italien besucht und konnte dort mit dem Chef mein Material tunen und im Windsurfcenter Marotta surfen gehen.

INFOS:Alter: 17 Jahre Wohnort: Rostock Beruf: Schüler Größe: 190 cm Surft seit: 2008 Regattadebüt: 2013 Erfolge: 2014 Deutscher Meister U17; 2015 GWA Platz 12 Formula Windsurfing; Platz 17 Slalom; Platz 12 Overall Lieblingsbedingungen: Entweder Starkwind und Welle oder Leichtwind und Flachwasser. Sturmsurfen macht auch Spaß ;-) Lieblingsmaterial: Challenger Sails Aero 7,8 und NoveNove 115 WCS Andere Sportarten: Ich trainiere neben dem Surfen viel meine Kraft und meine Stabilität, gehe Laufen und habe lange Zeit Handball gespielt Hobbies: Surfen, SUP, Windskaten, Reisen, Zeit mit der Freundin und der Familie verbringen Musik: Deep/Garage House bis Akustic, fast alles... Sponsoren: Challenger Sails, NoveNove, Urban Beach, Osprey, Lable Eypress

Themen: InterviewJulien PockrandtPortrait


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