Redaktion

Interview mit Brian Talma

  • Andreas Erbe
15.08.2017

Das Leben des Brian scheint aus einem einzigen, nicht enden wollenden Lachen zu bestehen. Wer im Kopf gut drauf ist, dem kann die reale Welt nichts anhaben. Seit 35 Jahren ist De Action Man fester Bestandteil der Windsurfszene – aber dass seine Karriere mit einem Verdrängerboard bei Olympia begann, das wissen wohl die Wenigsten.

Brian Talma "de Action Man"

52 und immer noch verrückt – was treibt dich nach all den Jahren noch so an? Ich versuche einfach mich ständig neu zu erfinden. 2016 war eines der besten Jahre in meiner Karriere. Zuerst kam der riesige Erfolg mit der Weltmeisterschaft der Beach Culture World Tour, dann wurde ich als Botschafter von Barbados ausgezeichnet, danach erhielt ich den Icon Award und schließlich den Golden Jubilee Preis zur 50-jährigen Unabhängigkeit von Barbados. Anschließend schaffte ich die Quali für das PWA Aloha Classic auf Maui, irre. Ich liebe das Windsurfen und den Surfstyle und dass ich damit noch das Geld verdiene, um meine Familie zu ernähren, ist eine riesige Motivation.

Wie kamst du zum Windsurfen? Wir machten damals alle möglichen Sportarten, aber natürlich hauptsächlich Wellenreiten. Dann platzte dieser Österreicher, Mickey Eskimo, in unsere Welt. Mit dem Windsurfboard tobte er in den Wellen rum, sprang hoch in die Luft und ich dachte mir: Wow, das ist ACTION! Ich wollte das sofort probieren. Wir lernten es dann von Gästen aus Europa und ich liebte es mehr als das Wellenreiten. Auch heute noch.

Erzähl uns doch mal etwas über deine Kindheit. Ich wuchs in South Point Barbados auf und unsere Gruppe von Jungs nannte sich "South Point Rebels”, eine Mischung aller Hautfarben und Schichten, verbunden durch das Wellenreiten. Wir trieben uns rum, surften, fischten, machten Party und sowas. Ziemlich wild. Ohne TV oder Social Media. Meine Familie war großartig und die perfekte Mischung: Mein Vater war Zahnarzt und kam aus einem kleinen Fischerdorf in Barbados, meine Mutter Künstlerin aus den USA und ihre Eltern kamen aus Jamaica und St. Lucia. Barbados war mein Paradies und meine Eltern gaben mir die perfekte Balance aus Freiheit und Erziehung.

Das Leben des Brian scheint aus einem einzigen, nicht enden wollenden Lachen zu bestehen. Wer im Kopf gut drauf ist, dem kann die reale Welt nichts anhaben. Seit 35 Jahren ist De Action Man fester Bestandteil der Windsurfszene – aber dass seine Karriere mit  einem Verdrängerboard bei Olympia begann, das wissen wohl  die Wenigsten.

  • Brian Talma "de Action Man"

  • Wellenreiten, Stand-up-Paddeln oder Kiten – Brian wandelt zwischen den verschiedenen Welten, doch Windsurfen ist und bleibt seine absolute Passion.

  • Brian ist auch gerne mit dem Kite unterwegs.

  • Aus einem alten Schiffswrack kreierte Brian ein farbenprächtiges Museum. Auf dem Wasser lässt sich "deAction Man" nicht anmerken, dass er schon an Ü50-Partys teilnehmen darf.

  • Brian Talma "on Air"

  • Brian Talma in Action

  • Alles ist bunt im Leben von Brian Talma. Sein Haus, seine Segel, sein Boot und vor allem seine Gedanken, die er gerne in Musik und poetischen Reimen verewigt.

  • Brian gehörte zur Chiemsee-Crew, als die Fashion-Firma aus Oberbayern Wellenreit-Legenden wie Gerry Lopez und Derrik Doerner, sowie die Windsurf-Hot-Shots Jason Prior und Mickey Eskimo unter Vertrag hatte.

  • Auch Jaws gehört zu den surferischen Trophäen von Brian. Für einen Worldcup-Titel hat es dagegen nie gereicht, was seiner Popularität bei Fans und Sponsoren aber nicht schadete.

  • Brians Eltern kamen aus Barbados, der Vater war Zahnarzt, und den USA. 

  • Schon in sehr jungen Jahren war der spätere Style von Brian deutlich zu erkennen. 

  • Bei der Abschlussfeier im College in Florida fragt man sich, was exotischer war, Brians Haarpracht oder die Mode der anderen Absolventen.

  • Seine fünf Kinder sieht Brian als Möglicheit, für immer weiterleben zu können. Er versucht ihnen Freiheit zu bieten, aber auch die Disziplin, die seine Eltern ihm vermittelten. 

  • Als Mitglied der "South Point Rebels" genoss er die Freiheit...

  • ...bei seinem ersten eigenen Surfcenter war eher Disziplin gefragt. 

  • Wellenreiten und Skaten, das war Brians Leben, bevor Mickey Eskimo auf Barbados auftauchte und Brian mit dem Windsurf-Virus infizierte.

  • Brian zeigte auch beim Skaten ein extremes Bewegungstalent.

  • An zwei Olympischen Spielen nahm Brian auf dem Lechner-Verdränger mit mäßigem Erfolg teil. 

  • Die Worldcup-Sylt-WG der frühen Tage mit Luke Hargreaves, Jason Polakow, Jan Boersma und Phil McGain. 

  • Bei den NEA-Awards fuhren die Windsurfer wie Popstars in der Stretch-Limo vor.

Wie wurdest du Windsurf-Profi und wer war dein erster Sponsor? Mein erster internationaler Event war die Mistral WM 1985 auf Gran Canaria mit dem Team Barbados. Wir sahen aus wie eine Rockband. Der erste Sponsor war G&S Boards, von ihnen bekam ich die Bretter, nachdem ich die Caribbean Airways Classic gewonnen hatte. Dann ging ich nach Hawaii zum Trainieren. Ich jobbte bei Naish Hawaii und pflegte den Strand für Geld. 1988 fragte mich ein französischer Fotograf beim Aruba Highwind, ob ich Mastmount-Shots machen wollte – klar wollte ich und ich bekam fünf Titelseiten. Die Medien überall mochten meinen Look…ACTION! 1988, nach abgeschlossener College­ausbildung in Florida, kam ich zurück nach Barbados und eröffnete mein "deAction Windsurfing Center". Ich gewann einen regionalen Event und kam so mit dem Sponsor ‘Irie Blue’ zusammen, der eine neue Bekleidungslinie startete. Perfekt! Ich sollte beim Design helfen und so viel Medienaufmerksamkeit wie möglich für die Marke generieren. So fing alles an. Der Besitzer, Scott Gribble, gab mir Geld und ich sollte dafür losziehen und Spaß haben. Von Martin Lenny/Windsurfing Hawaii bekam ich das Material und ich reiste in der Welt herum. Irie Blue war der ideale karibische Sponsor, der unsere Kultur mit den Rastafarben Rot, Gelb und Grün verkörperte. Das liebten die Leute. Mein erster echter Profi-Event war das OP Pro 1986 mit Boards von G&S, das Slalomequipment erhielt ich von Carol Naish.

Wie war das mit deinem Olympischen Abenteuer? Ein Freund, Randle, machte einen Rückzieher und ich bekam die Chance nach Seoul zu den Olympischen Spielen 1988 zu fahren. Ich war so glücklich. Mit dem Lechner-Verdrängerboard war es als würde man auf einem Bierfass surfen, sehr schwierig. Aber die Bedingungen mit viel Wind und hohem Swell kamen mir entgegen, es ging erstaunlicherweise sehr gut und meine Platzierung war ok. Bei Olympia in Barcelona 1992 war alles anders. Ich war PWA-Profi, 3. im Wave-Grand Prix "Hawaiian Breakout" 1991 mit dem höchsten Tour-Preisgeld und ich war in den Wave-Top-Ten. Bei Olympia gab’s Leichtwind und keinen Spaß. In der Welle war die ACTION!!!

An zwei Olympischen Spielen nahm Brian auf dem Lechner-Verdränger mit mäßigem Erfolg teil. 

Wie wurdest du deAction Man? In den 80ern und 90ern war ich der ,Irie Man’, aber dann wurde ich langsam zum ,deAction Man’, weil das meine wirkliche Persönlichkeit ist und zeigt, wer und wie ich bin. ,daAction Man’ spiegelt meine Heimat Barbados wieder und die Energie, die ich ausstrahle.

Welche Windsurfer respektierst du am meisten und mit wem hast du am meisten Spaß? Ich liebe diese Frage, weil sie direkt zur Beach Culture World Tour führt. Ich hatte nie Probleme mit anderen Sportlern, ich habe sie immer respektiert. Ich erinnere mich, als der Freestyle aufkam war ich einmal bei einem Event in Österreich und einige der Top-Surfer machten mich ein bisschen an. Aber als es losging, gehörte die Veranstaltung Josh Stone und mir. Wir zogen unsere Promotion durch, die Fans gingen richtig ab und niemand interessierte sich für diese Top-Fahrer. An Land war ich unschlagbar.

Wen außerhalb der Windsurfwelt bewunderst du? Meine Eltern. Sie gaben mir alles, um meinen Traum zu leben: Freiheit als Kind, Disziplin und Bildung und den kreativen Mut, im Leben Risiken einzugehen.

Was steckt hinter der "Beach Culture World Tour”? Als ich 1996 böse verletzt war, startete ich die BCWT. Ich begann meine ,Karibische Reise’ und besuchte jedes Jahr eine andere Insel. Im Jahr 2000 arbeitete ich mit Josh Stone zusammen. Er und seine Familie sind meine besten Freunde. Wir gründeten das ‚Island Boyz Adventure’, bei dem wir wettkampfmäßig gegeneinander antraten. Als Josh ausstieg, entwickelte ich meine One Man Show, die das Windsurfen weltweit promotet und nannte sie ‚The Beach Culture World Tour’. 2014 kam mir die Idee, eine Gruppe aus ehemaligen Weltmeistern, Legenden und neuen Talenten zusammenzustellen – wie eine Band. Das würde mehr Action geben und mehr Sponsoren anziehen. Teilnehmer und Medien sollten dann den Sieger wählen. Wer den meisten Spaß hat, wird Weltmeister. Dieses Jahr findet die BCWT-Weltmeisterschaft auf Barbados statt. Freestyle-Champion Gollito, Jungstar Bernd Roediger und Kevin Pritchard kommen und Airton will seinen Titel von Los Roques verteidigen.

Du bist auch Künstler und Sänger. Wer hat dich beeinflusst, Mickey Eskimo? Der größte künstlerische Einfluss kommt von meiner Mutter. Als Künstlerin lehrte sie mich meine Kreativität zu erforschen. Meine Kunst und meine ‚Spoken Words Music’ sind bestimmend für mein Wesen und für die BCWT. Meinen letzten Song, ‚The brain smile & life sings’ habe ich 2016 herausgebracht. Neben meinem Shop habe ich das Museum mit meinen Malereien. Es zeigt meine Karriere, Kunst und Kultur. Damit möchte ich als Sportler das Windsurfrevier Silver Sands ökonomisch weiterentwickeln. Dieses Konzept trage ich hinaus in die Welt und es funktioniert. Beim BCWT-Event in Los Roques mit Diony konnten wir die ganze Insel in Schwung bringen… ACTION!!!

Seine fünf Kinder sieht Brian als Möglicheit, für immer weiterleben zu können. Er versucht ihnen Freiheit zu bieten, aber auch die Disziplin, die seine Eltern ihm vermittelten. 

Du hast vier Kinder, drei Mädchen und einen Sohn. Wie ist das für euch zwei Jungs mit so viel Mädels zu leben? Ich habe sogar fünf Kinder: Sunshine ist 14, Starlite 12, Lion Reef 9, Rainbow 7 und Ocean Blu ist 6 Jahre alt. Das ist eine echte Herausforderung. Man muss sie zur Schule bringen, darauf achten, dass sie ihre Hausaufgaben machen, dann all ihre Freizeitaktivitäten… aber es lohnt sich. Ich liebe meine Kinder und Beach Culture sorgt für sie. Weißt du, wie man ewig lebt? Durch FORTPFLANZUNG. Fortpflanzung ist Unsterblichkeit, sie ist Leben.

Hast du eine Botschaft für junge Windsurfer? Zuerst musst du deine Leidenschaft entdecken und dann einen Weg finden, um dein Ziel zu erreichen. Und es ist besonders wichtig ein solides Image zu finden, das deine Persönlichkeit darstellt. Sei respektvoll den älteren Sportlern gegenüber und misch’ dich nicht in die Träume anderer ein, schaffe deine eigenen.

Was sind deine Ziele für die Zukunft? Mit meiner Beach Culture World Tour möchte ich weiter Reviere, Sportler und Kultur auf verschiedenen Kontinenten mit großen Events fördern. Einer der wichtigsten Aspekte des Beach Culture Lifestyles ist es, für meine Familie zu sorgen. Außerdem möchte ich damit meine Heimatgemeinde Silver Sands unterstützen, um das florierendste Sportrevier auf Barbados zu werden. Dieses Modell will ich auf die ganze Insel und den Rest der Welt übertragen. Ja, the brain smiles & life sings – und all das kann man ohne harte Arbeit erreichen, danach suche ich und wenn es gelingt, geht es mir gut. I float & smile… ohne Herausforderung wirst du dieses Gefühl nie bekommen.

Action! Action! And More Action!!!

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 7/2017 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

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