Interview mit Jordy Vonk Interview mit Jordy Vonk Interview mit Jordy Vonk

Interview mit Jordy Vonk

  • Tobias Frauen
 • Publiziert vor 4 Monaten

Der Niederländer Jordy Vonk gehört zu den Überfliegern im Slalom-Worldcup und ist härtester Verfolger der „Großen Drei“ – Mortefon, Iachino, Albeau. Wir haben Jordy am Rande des Worldcups Sylt und nach der Saison zum Interview gebeten.

Hinter den „Big Three“ im Slalom lauert der Niederländer Jordy Vonk. Zweimal Platz vier in den Jahres-Rankings 2018 und 2019 sind dem 26-Jährigen aber nicht genug. Das Ziel ist klar: PWA-Weltmeister! Wir haben uns mit ihm über Ziele, Rückschläge und das nötige Talent unterhalten.

Jordy, 2018 warst du Vierter auf der Slalom-Tour. Letztes Jahr hätte es auch noch besser werden können – bis zum Event in Dänemark. Ein 22. Platz dort hat dich womöglich das Podium in der Endabrechnung gekostet. Hast du dir trotzdem das Ziel gesetzt, noch weiter nach vorne zu kommen?

Ja, natürlich! Ich hatte schon 2018 einen vierten Platz, dann will ich natürlich noch weiter nach vorne. Ich war da auf einem sehr guten Kurs, ich hab mich gut gefühlt, vor allem in Südkorea lief es echt gut. Im Juni hab ich mir dann plötzlich einen Virus eingefangen und habe acht Kilo in einer Woche abgenommen und meine komplette Fitness verloren und jede Menge Muskelmasse abgebaut. Statt 91 oder 92 Kilo hatte ich dann nur noch 85 Kilo, das war auch im Kopf ganz schwierig. Nicht nur, dass ich weniger Power hatte, ich habe mich auch psychisch schwach gefühlt. Das hat in Dänemark auch eine Rolle gespielt. Aber ich bin da optimistisch, denn wenn ich in Form bin, habe ich mein ganzes Potenzial gespürt und habe das auch gezeigt.

Wie fühlt sich dieser vierte Platz an im Vergleich zu 2018?

Ich bin wieder „Best of the Rest“, Pierre Mortefon, Matteo Iachino und Antoine Albeau haben einfach wieder gezeigt, dass sie absolute Spitze sind! Ich habe bewiesen, dass der vierte Platz 2018 nicht einfach nur Glück war, sondern dass ich da oben dazugehöre. Das Level auf der Tour steigt jedes Jahr, da bin ich schon stolz, meine Ziele erreicht zu haben!

Bist du denn inzwischen wieder komplett fit?

Ich bin noch nicht wieder bei 100 Prozent, mir fehlen immer noch ein paar Kilo. Aber ich habe jetzt einen neuen Trainer und arbeite dran, so dass ich sicher bin bald wieder fit zu sein! Das ist jetzt noch eine Frage das Gewichts und der Fitness. Es war nicht so, dass ich nicht mehr surfen konnte, ich hatte einfach weniger Power und war etwas leichter, und das hat mich dann auch mental geschwächt und ich hatte nicht mehr so viel Selbstvertrauen. Es war eine Mischung aus allem.

Was ist denn das richtige Gewicht für einen Slalom-Racer? Und wie genau versuchst du, das zu erreichen?

Das ist natürlich ein bisschen eine persönliche Sache, aber ich würde sagen, das ideale Gewicht liegt zwischen 90 und 95 Kilo. So lange du „leicht genug“ bist, um an der Boje im Gleiten zu bleiben, ist mehr Gewicht immer ein Vorteil, auch bei Leichtwind. Um dahin zu kommen, kommt es auf die Mischung aus Training und Ernährung an. Im Grunde mache ich regelmäßiges Krafttraining, um Muskeln aufzubauen und schwerer zu werden, aber ohne einen guten Ernährungsplan nehme ich nicht zu. Das ist also eine Mischung aus beidem.

Obwohl Jordy als Spaßvogel gilt, schottet auch er sich vor den Rennen lieber ab.

Hast du dich vor diesem Hintergrund besonders auf das Finale in Neukaledonien vorbereitet?

Ich habe einfach versucht, so viel Gewicht wie möglich aufzubauen. Damit kam dann alles wieder ins Gleichgewicht und jetzt arbeite ich an den Details, um 2020 wieder voll da zu sein.

Wie lief der Event in Neukaledonien für dich?

Wir hatten elf Eliminations, so viele bin ich noch nie bei einem PWA-Event gefahren. Und das Ganze in Board-shorts an so einem paradiesischen Spot macht das natürlich noch besser. Nach dem Schocker in Dänemark war ich mit sieben Finals sehr zufrieden. Ich mache immer noch Fehler, aber ich merke, dass ich es mit jedem anderen aufnehmen kann.

Du sagst ganz klar, dass du PWA-Slalom-Weltmeister werden möchtest. Wann denkst du ist es soweit?

Vor fünf Jahren hatte ich mir das Ziel gesetzt, erst in die Top-16 zu kommen, dann in die Top-10, Top-5 und dann um den Titel mitzufahren. Damals war ich auf Rang 30 und bin dann schnell nach oben gekommen, bis zum vierten Platz. 2020 möchte ich schon um den Titel mitfahren. Natürlich sind da auch noch Pierre, Antoine und Matteo, die fahren derzeit noch auf einem anderen Level, aber ich glaube, die sind auch nicht unschlagbar. Ich werde es also versuchen (lacht).

Was macht diese „Big Three“ so herausragend deiner Meinung nach? Sind sie einfach besser, stellen sie ihr Material genauer ein, sind sie konstanter?

Schwer zu sagen. Ich denke, das ist die Kombination aus allem. Sie sind ex­trem erfahren und wissen, wie sie das Beste aus dem Equipment herausholen. Aber vor allem sind sie hervorragende Windsurfer! Ich wünschte, ich könnte dir deren Geheimnis verraten, denn dann würde ich mich selber komplett danach richten (lacht). Die drei sind einfach großartige Surfer und sie stacheln Typen dazu an, besser zu werden. Sie setzen die Standards und sehr viele Jungs arbeiten hart daran, auch dorthin zu kommen.

Jordy Vonk, Surf World Cupper

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Du kommst aus den Niederlanden. Wo genau bist du da aufgewachsen und wie bist du zum Windsurfen gekommen?

Ich bin über meinen Vater zum Windsurfen gekommen, er surft seit fast 35 Jahren und als kleines Kind hab ich ihm immer zugeschaut. Als ich zwölf war, also 2005, hab ich dann gesagt, ich will das auch mal ausprobieren! Damit hat es dann angefangen. Ich wohnte in einem kleinen Ort in der Nähe von Amsterdam und da haben wir einen See, den Westeinderplassen, das ist mein Homespot. Es gab da noch einen kleineren See, zu dem ich mit dem Fahrrad hinfahren konnte. Ich hab mir dafür einen kleinen Anhänger gebaut, bin ein paar Kilometer Fahrrad gefahren und konnte dann auch aufs Wasser, wenn meine Eltern keine Zeit hatten, um mich zu fahren.

Gehst du da auch heute noch manchmal aufs Wasser, wenn du zuhause bist?

Ich versuche das! Das ist ein echt toller Spot, ich kenne die Leute da, das ist immer wie nach Hause zu kommen. Ehrlich gesagt bin ich im letzten Jahr Jahr aber nur vier- oder fünfmal in Holland surfen gewesen. Ich bin einfach fast immer unterwegs.

Vom kleinen See in Holland zum PWA-Champion, das ist vermutlich der Traum vieler Kids. Hast du einen Ratschlag für die Youngster?

Am Ende muss das aus deiner eigenen Motivation kommen, aus deinem eigenen Antrieb. Ich bin immer super motiviert und lasse alles andere stehen und liegen, um Windsurfen zu gehen. Wenn du daran glaubst und selber überzeugt bist, dass du es schaffen kannst und dich wirklich aufs Surfen konzentrierst, dann kannst du es mit etwas Glück und dem richtigen Talent auch hinbekommen!

Was ist aus deiner Sicht wichtiger: Talent oder Training?

Also, man braucht schon beides, aber ich glaube, Training ist wichtiger. Es gibt 40 gute Slalom-Fahrer, die alle aufs Podium kommen können. Du brauchst etwas Talent, aber wenn man nicht richtig trainiert, wird es nicht reichen, um all diese Jungs zu schlagen. Vielleicht kann man hin und wieder mal eine Elimination gewinnen, aber das hat dann keine Konstanz. Aber ich denke, ich bin selber nicht das allergrößte Talent. Ich zeige, glaube ich, dass man mit viel Training und harter Arbeit weit kommen und konkurrenzfähig sein kann.

Wann hast du das erste Mal gedacht „Krass, ich kann wirklich Surf-Profi werden“?

Das erste Mal, dass ich das wirklich wollte, war bei einem Contest namens „Super 8“, das war 2007. Da war fast kein Wind und ich hab das Formula-Zeug von meinem Vater genommen. Da war ich quasi der einzige, der im Gleiten war und habe gewonnen (lacht). Das hat mich so geflasht, ich wollte dann noch mehr Rennen gewinnen und immer besser werden. Von da an hab ich mich komplett aufs Surfen konzentriert. Danach kamen dann weitere kleinere Regatten, dann die holländische Tour, dann der PWA-Worldcup.

Wann und wie bist du in die PWA-Tour eingestiegen?

Mein erster Worldcup war Sylt 2012. Da hab ich das erste Mal die großen Jungs wie Björn Dunkerbeck und Antoine Albeau gesehen. Das Start-Prozedere war ein anderes als ich es kannte, das erste Mal „No Rules“-Slalom, all die großen Namen. Du fährst auf die Startlinie zu und denkst: ‚Wow, das sind meine Heroes, und jetzt surfe ich mit denen Rennen!‘ Und inzwischen versuche ich, sie zu schlagen. Für manche, die neu dazukommen, bin ich vielleicht jetzt auch einer der großen Namen, zu dem sie aufschauen – das ist cool.

Bitte nicht schießen!

Gehst du heute auch anders an einen Worldcup oder anderen Event heran?

Wenn man in den Worldcup einsteigt, weiß man ja, dass man nicht gewinnen wird. Das ist einfach nicht realistisch. Also ist deine Einstellung eine andere, es geht darum zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Jetzt will ich gut sein und aufs Podium fahren, das ist eine andere Art von Druck. Das fühlt sich schon anders an.

Zu Anfang deiner Karriere bist du mit eher kleineren Marken gefahren, jetzt bist du im großen Fanatic/Duotone-Team. Wo ist der Unterschied?

Das kann beides seine guten Seiten haben. Bei kleineren Marken ist die Kommunikation leichter, da gibt es nur ein paar Leute und du bekommst viel direkteres Feedback. Aber jetzt bei Boards & More, das ist so ein nettes Team, es ist immer genug Material auf Lager, da ist die Unterstützung immer da. Bei der Entwicklung kann man viel besser arbeiten, weil die Budgets einfach größer sind. Im Moment bin ich da sehr glücklich!

Trainierst du auch viel mit deinen Team-Kollegen?

Ja, beim Trainingscamp auf Teneriffa war fast das ganze Team da: Pierre Mortefon, Marco Lang, Vincent Langer, ich selber – die Warp-Boyz! Wir hängen nicht das ganze Jahr zusammen rum, aber wir sind immer in Kontakt. Und Teneriffa ist einfach das beste Trainingsziel im Winter, also treffen wir uns da.

Hast du einen speziellen Trainingsplan?

Nein, das ist eine ziemlich individuelle Sache. In Holland haben wir keinen Verband, der da etwas vorgibt, also kann ich so ziemlich machen, was ich will. Meine Sponsoren machen mir da auch keine Vorschriften. Aber ich überlege natürlich, was für mich am besten ist und versuche, so viel wie möglich und so effizient wie möglich zu trainieren.

Wie setzt du denn deine Schwerpunkte, wann geht es ins Fitnessstudio und wann aufs Wasser?

Im Moment habe ich einen Trainer, der mit mir zusammen genaue Pläne aufstellt. Gerade im Winter ist das wichtig, um die Belastung zu erhöhen und mehr Kraft aufzubauen. Im Winter auf Teneriffa mache ich zum Beispiel einen Block, wo ich nur Rennen fahre. Zwei Monate nur auf dem Wasser, Starts und Halsen und alles was dazugehört. Vorher und auch danach kümmere ich mich dann ausschließlich darum, mein Material einzustellen und vorzubereiten. Ein Block ist also das Material, ein anderer Block das Renn-Training.

Wo verbringst du den Winter? Du hast schon Tarifa und Teneriffa erwähnt...

Ja, ich bin schon seit 2014 im Winter auf Teneriffa beim TWS Pro Slalom-Training. Das ist einfach das beste Training, was man im Moment machen kann. Da werde ich also mindestens zwei Monate sein, so wie auch in den letzten fünf, sechs Jahren. Das zahlt sich einfach aus. Die letzten Jahre bin ich auch immer nach Kapstadt gefahren, um auch in die Welle zu gehen. Ich glaube, es ist auch ganz gut, ein bisschen abzuschalten. Wenn du zwölf Monate im Jahr nur auf deinem Slalom-Zeug unterwegs bist, dann... Ich will nicht sagen, dass das langweilig wird, aber man braucht auch mal ein bisschen Abstand und Abwechslung. Und da wir ja alle windsurfsüchtig sind, geht man dann einfach auf eine andere Art Windsurfen (lacht).

Wenn du dein Material auf die Saison vorbereitest, hast du da auch eine Routine? Erst die Finnen, dann das Rigg oder so?

Wir haben mehrere Boards, Masten und so weiter. Bei den Finnen probiere ich viel aus, lande aber meistens immer wieder bei den gleichen. Damit fange ich beim Testen meistens an, dann kommen die Boards, dann die Segel und von da aus dann zu den Masten. Und wenn ich die beste Board-Segel-Mast-Kombination habe, kommt das Fein-Tuning, dann checke ich auch noch mal andere Finnen oder spiele ein bisschen mit der Vorlieks-Spannung.

Verlässt du dich dabei nur auf dein persönliches Gefühl oder nutzt du auch GPS oder so?

Normalerweise machen wir das mit einem Testpartner. Wir gehen zu zweit raus, meistens haben beide was zum Testen. Man fährt raus, kommt zurück, einer ändert etwas, dann schauen wir ob es besser ist oder nicht, kommen zurück und dann ändert der andere was. Das kann stundenlang so gehen! Natürlich gehört auch etwas Gefühl dazu, aber das meiste kommt durch den direkten Vergleich mit anderen Fahrern. Das Problem mit dem GPS ist, dass ich immer draufschiele. Und hinterher ist es schwer zu sagen, ob man jetzt schneller war, weil man eine starke Böe hatte oder den Schub einer kleinen Welle in Speed umgemünzt hat und so weiter. Das ist einfach nicht mehr verlässlich genug für mich.

Hast du auch deine Lieblings-Finnen, die du überallhin mitnimmst? Einige Fahrer geben die ja nicht aus der Hand und nehmen sie sogar mit ins Flugzeug.

Da hab ich vielleicht etwas mehr Vertrauen in die Fluggesellschaften (lacht). Aber ich habe Finnen, die ich quasi nie nutze, nur im Contest. Dieses Jahr hab ich zum Beispiel noch nie das 9,0er mit dem großen Board gefahren, das bedeutet, auch die 46er-Finne ist noch unbenutzt. Die bewahre ich wirklich nur für den Wettkampf auf, ich möchte nicht riskieren, dass ich damit im Wasser gegen irgendetwas fahre oder sie an Land beschädigt wird. Man lässt seinen Kram am Strand, jemand passt nicht auf, kommt dagegen und die Finne ist hin. Die guten Finnen fahre ich also fast nie, nur im Rennen.

Du startest auch im Foiling, wie ist da dein Schwerpunkt?

2019 lag mein Fokus komplett auf Slalom. Wie man so sagt: An die Spitze zu kommen ist schwer, an der Spitze zu bleiben ist noch schwerer. Nach dem vierten Platz 2018 hab ich deswegen die meiste Energie in den Slalom gesteckt, weil ich weiß, da will ich gut aussehen. Ich mag aber auch Foil-Racing, und weil die meisten Events ja bisher kombiniert waren, lag das einfach nahe. Aber mit den neuen Regeln ab diesem Jahr werde ich mich eher auf Slalom konzentrieren, muss aber im Foil-Slalom besser werden. Kursrennen lasse ich vielleicht ganz sein.

Was sind deine Pläne für die Zukunft – im Windsurfen und neben dem Surfen?

Antoine Albeau ist 47 und immer noch vorne dabei (lacht). Ich bin erst 26. Ich hoffe, ich kann noch zehn oder 15 Jahre auf diesem Level fahren. So lange wie ich Spaß dran habe, so lange wie ich gut bin, so lange wie ich ums Podium mitfahren kann, mache ich das auch und versuche, den Titel zu holen. Und wenn das nichts wird, habe ich einen Uni-Abschluss in Sport-Marketing in der Hinterhand. Man weiß nie, wie es läuft, aber ich bin mir sehr sicher, dass ich dem Sport verbunden bleiben werde, auch wenn ich selber mal kein Profi mehr bin.


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Themen: Jordy Vonk


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