Interview mit Marc Paré: Wird er der Wave-Weltmeister 2020? Interview mit Marc Paré: Wird er der Wave-Weltmeister 2020? Interview mit Marc Paré: Wird er der Wave-Weltmeister 2020?

Interview mit Marc Paré: Wird er der Wave-Weltmeister 2020?

  • Tobias Frauen
 • Publiziert vor 10 Monaten

Wenn Philip Köster der König von Pozo ist, dann ist Marc Paré der Kronprinz. Und dabei ist er nicht einmal am Meer aufgewachsen. Wir trafen den Spanier – oder besser Katalanen – beim Worldcup auf Sylt und sprachen mit ihm über Erwartungen, Wind von rechts und teure Slalom-Finnen.

Sein Name taucht in den Meldungen der PWA während der Worldcup-Saison schon seit Jahren immer wieder auf. Er kommt einem wie ein alter Bekannter vor, der bereits lange zum Establishment der Profi-Surfer gehört. Doch Marc Paré ist gerade erst 20 Jahre alt, fuhr aber bereits 2013 als Junior seinen ersten PWA Worldcup mit. Obwohl er keine Wellen vor der Haustür hat, mauserte er sich in wenigen Jahren zu einem der besten Waverider auf der Tour. Sowohl 2017 als auch 2018 verfehlte er die Top-Ten nur knapp. Sein Markenkollege und Worldcup-Livestream-Moderator Ben Proffitt sagt ihm eine ganz große Zukunft voraus: „Er wird ganz sicher bald Weltmeister. Er ist so fokussiert, ist hungrig, seine Sprünge sind jetzt schon unglaublich und er trainiert seine Schwächen bei Wind von rechts ganz gezielt. Ich glaube, ihn möchte in Zukunft niemand von den Etablierten auf seiner Seite der Setzliste haben.“

Marc Paré - Kandidat für den Wave-Titel?

Hallo Marc, seit du auf der PWA-Tour mitfährst, geht es für dich immer nur nach oben. 2019 bist du aber „nur“ auf Platz elf gelandet, der gleiche Rang wie im Jahr davor. Bist du enttäuscht?

Dieses Jahr sah es ganz gut aus, ich war Neunter und bin dann leider hier auf Sylt auf Platz elf zurückgefallen. Das ist sicherlich nicht schlecht, ich wäre aber gerne weiter nach vorne gekommen. Ich hatte leider ein bisschen Pech mit der Setzliste – nach meinem ersten Heat gegen Flo (Jung) musste ich gegen Thomas Traversa fahren, der gegen mich seinen besten Heat hatte. In der Double hatte ich dann Brawzinho, der auch gegen mich am besten gefahren ist. Aber es geht nicht um Ausreden, ich muss einfach noch mehr trainieren in solchen Bedingungen.

Sylt ist onshore, Luvstau, brutale Strömung – freiwillig geht man da nicht raus. Fährst du gezielt in solchen Bedingungen, um das zu trainieren?

Ich fahre nicht extra in schlechten Bedingungen, bei guten Bedingungen macht es einfach mehr Spaß. Ich war vorher in Dänemark, da hab ich vor allem Doppelloops in vielen verschiedenen Bedingungen geübt, bei Wind von links, sideoff, onshore... Ich wollte den Sprung einfach bei allen möglichen Bedingungen draufhaben. Das hat auch geklappt, aber auf Sylt war dann auf einmal Wind von rechts. Normalerweise fahre ich nicht so viel bei Wind von rechts. Ich denke, ich habe ein gutes Level bei Wind von links, jetzt werde ich die andere Seite trainieren, um ein kompletter Surfer zu werden. Das ist mein Ziel für den Winter.

Wind von links, da denkt man zuerst an Pozo. Bist du viel dort?

Ja, ich fahre jeden Sommer in Pozo seit ich 13 bin. Zuerst nur ein oder zwei Wochen, dann einen Monat, in den letzten Jahren immer mindestens zwei bis drei Monate. Ich hab da schon viel Zeit verbracht, aber im Winter fahre ich lieber woanders hin.

Ist Pozo der Schlüsselspot, an dem man gut sein muss, um im PWA Worldcup gut zu sein?

(zögert) Pozo ist perfekt zum Trainieren, das ist wie ein Fitness-Studio. Du gehst hin, und es ist immer Wind. Für Sprünge ist das ideal, ich habe alle meine Moves dort gelernt. Aber in Sachen Waveriding gibt es sicherlich bessere Spots. Ich habe in Pozo alle meine großen Schritte nach vorne gemacht. Zum Training ist es also ganz gut.

Aufgewachsen bist du ja nicht am Meer, sondern im trockenen Binnenland.

Ja, mein Heimatort liegt mitten in Katalonien, eineinhalb Stunden vom Meer entfernt. Meine Familie hatte ein kleines Apartment in Roses direkt am Meer, wo der Costa Brava-Worldcup stattfindet, da habe ich dann mit Windsurfen angefangen.

Bei Wind von links in Pozo kann Marc an einem guten Tag nahezu jeden Gegner schlagen.

Also ist dein Homespot eigentlich ein Slalom-Spot.

Ja genau, ich surfe auch zwischendurch noch immer Slalom, bin auch schon bei ein paar PWA-Events gefahren. Und zuhause haben wir einfach kaum gute Wave-Bedingungen, also muss ich Slalom fahren, um dort aufs Wasser zu kommen. Normalerweise mache ich auch immer die spanische Slalom-Tour mit, dieses Jahr hat es aber nur bei einem Event geklappt. Auch auf Sylt bin ich nicht dabei, es ist einfach zu kalt, und gewinnen werde ich eh nichts.... (lacht).

Wie sind denn deine Pläne im Slalom? Willst du da auch voll auf der PWA-Tour einsteigen?

Irgendwann auf jeden Fall, aber jetzt konzentriere ich mich aufs Waveriding. Ich werde nicht aufhören, Slalom zu fahren, ich bin ein Wettkampf-Typ und mag es, mich mit anderen zu messen. Auch wenn ich nur zuhause alleine auf dem Wasser bin, mag ich es, das Zeug zu testen und zu tunen. Außerdem gebe ich gerne viel Geld für Finnen aus (lacht). Und ich bin gerne schnell.

Vor Sylt warst du in Dänemark, anschließend geht es nach Tiree in Schottland – grundsätzlich schrecken dich kalte Spots also nicht ab?

Nein, und der Event auf Tiree ist einfach klasse! Ben Proffitt hat mich im letzten Jahr überredet mitzukommen. Ich hatte kein Geld für Maui, wollte aber trainieren und Spaß haben, also bin ich mit meinem Van hingefahren. Das war echt super, deswegen fahre ich dieses Jahr wieder hin! (Anm. d.Red.: Marc gewann den Event)

Dein Windsurf-Van ist wohl der Traum jedes Windsurfers, mit Playstation, Soundanlage und jeder Menge Equipment drin.

Ja, ich lebe da mindestens die Hälfte des Jahres drin. Wenn ich nicht gerade in Kapstadt oder auf Maui bin, fahre ich fast immer mit dem Van. Kurztrips von zuhause aus, auf die Kanaren, nach Klitmøller oder wohin auch immer. Der Van ist echt cool!

Du bist früher mit katalanischer Segelnummer gefahren, inzwischen aber zum „E“ für Spanien gewechselt. Warum?

Ich fühle mich schon als Katalane, aber ich möchte die politische Ebene nicht mit meinem Auftreten als professioneller Sportler vermischen und so eventuell Spannungen verursachen. Also habe ich zu einer offiziellen Segelnummer gewechselt.

Um bei Wind von rechts besser zu werden, suchte sich Marc in diesem Winter gezielt Spots zum Trainieren.

Hast du eine Art Karriereplan und planst deine Schritte ganz genau, oder nimmst du die Dinge einfach so, wie sie kommen?

(zögert) Also, ich möchte mich gerne aufs Windsurfen konzentrieren und mein Ziel ist es, dabei so weit wie möglich zu kommen. Mein Traum ist natürlich, irgendwann mal Weltmeister zu werden, wenn das möglich ist. Da gebe ich alles für, aber das ist natürlich hart. Das ist mein Ziel und mein Traum, aber ich gucke natürlich auch nach vorne. Deswegen plane ich gerade noch ein anderes Standbein, das hat auch was mit Windsurfen zu tun, ist aber noch geheim und zu früh da drüber zu sprechen.

Viele sagen, dass du das Zeug zum Weltmeister hast. Wann ist es denn soweit?

(zögert) Hmm, das kann ich nicht sagen. Ich möchte eigentlich die Zeit einfach nur genießen. Ich liebe Windsurfen und Contests, aber ich surfe in erster Linie, um neue Dinge zu lernen und mir einen Adrenalin-Kick zu holen. Für dieses Gefühl gehe ich aufs Wasser. Ich versuche einfach, immer besser zu werden und mich als Person weiterzuentwickeln und dann schaue ich, wohin mich das führt. Mal sehen (lacht).

Was lösen diese hohen Erwartungen bei dir aus?

Ich versuche einfach, mich davon nicht ablenken zu lassen und das konstruktiv zu sehen, als Ansporn, noch mehr Gas zu geben.

Hast du einen genauen Trainingsplan für auf und neben dem Wasser?

Wenn ich zuhause bin, mache ich viel Fitness-Training. Wenn ich aber unterwegs bin und viel aufs Wasser komme, fällt das etwas hinten runter. Da bin ich dann meistens zu müde dafür. Das mache ich dann nur, wenn kein Wind ist. Zuhause habe ich auch einen Trainer, mit dem ich seit vier Jahren zusammenarbeite.

Du bist auch bei Simmer in die Entwicklung von Boards und Segel involviert, richtig?

Ja, genau. Ich überlege immer, was kann ich noch ausprobieren, um Bretter besser zu machen. Die meisten Serienboards haben mich immer etwas gebremst, ich konnte mich nicht so in die Turns werfen wie ich gern wollte. Dann habe ich ein Board bekommen, das ich sofort geliebt habe. Der Cortex, der jetzt in Serie gegangen ist. Da habe ich dann immer weiter dran rumgetüftelt und auf Basis des gleichen Brettes immer ein paar Sachen getunt. Das sind die besten Boards, die ich je hatte und die werden jetzt gebaut. Da bin ich echt stolz drauf. Ich habe echt lange rumprobiert und auf ein Brett gewartet, das zu mir passt und auf dem ich mich wohlfühle. Mit den neuen Brettern muss ich da nicht drüber nachdenken, das macht einfach genau das, was ich möchte. Sie haben eine schnelle Rocker-Linie, drehen aber trotzdem gut.

Auf Sylt musste Marc 2018 überraschend mit Wind von rechts klarkommen – was noch nicht perfekt klappte. Allerdings ist es auch keine Schande gegen den späteren Eventsieger Thomas Traversa auszuscheiden.

Bleibst du bei der Entwicklung dabei?

Auf jeden Fall, wir arbeiten auch gerade mit Tomas (Persson) von Simmer an den 2020er-Segeln. Also bin ich überall dabei.

An welchem Move arbeitest du gerade?

Ich will auf jeden Fall mein Waveriding verbessern. Bei Wind von links hab ich schon Moves auf der Welle drauf, ich arbeite gerade an einzelnen Turns und daran, meinen Flow zu verbessern. Bei den Sprüngen habe ich Stalled Doubles geübt, da war der erste gleich der beste, und dann wurden die Bedingungen schlechter. Das ist schon ein schwieriger Sprung, die Wellen und der Wind haben da noch nicht richtig gepasst. Außerdem muss ich dringend Push Forwards trainieren, denn ohne den Move kommt man nicht nach ganz oben. Ich war ein paar Mal nah dran, aber da brauche ich noch viele Versuche.

Wie sieht’s mit Foilen aus, ist das was für dich?

Marc Paré

Ich hab mal eins bestellt, aber dafür fehlt mir dann doch die Zeit. Meistens gehe ich in die Welle, und zuhause fahre ich eh die meiste Zeit 9,2 oder 8,6, und mit dem 9,2er gleite ich auch bei quasi keinem Wind. Ich mag es, große Segel zu fahren, das mache ich schon mein ganzes Leben. Ich hätte schon gerne ein Foil, aber das ist ganz schön teuer und ich hab nicht die Zeit das richtig zu machen.

Was sind deine Winter-Pläne, wo fährst du zum Training hin?

Normalerweise fliege ich nach Kapstadt, letztes Jahr war ich drei Monate dort. Das war etwas zu lang, um ehrlich zu sein, vor allem weil es im letzten Monat sehr voll wurde und die Bedingungen nicht mehr so gut waren. Dieses Jahr mache ich es deswegen etwas anders. Erst fliege ich mit Victor Fernandez für drei Wochen nach Chile, dann nach Hause, und dann für einen Monat oder so nach Kapstadt. Vielleicht noch einen Trip nach Marokko, und dann zum Fotoshoot nach Maui. Da bleibe ich dann noch etwas länger, um bei Wind von rechts zu trainieren. Letztes Jahr war ich einen Monat dort, hatte aber Pech mit dem Wind.

Bist du mit Victor eng befreundet? Habt ihr den WM-Titel zusammen gefeiert?

Ja, wir waren ordentlich zusammen feiern! Er ist ein guter Freund, er hat mir viel geholfen als ich 2014 auf der Tour eingestiegen bin. Wir sind zusammen nach Dänemark, Sylt und La Torche gefahren und dann auch zum Aloha Classic nach Maui. Da war ich dann anschließend fast alleine auf der Insel, nur er war noch da, und da haben wir dann viel Zeit miteinander verbracht. Ein cooler Typ!


Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 5/2019 können Sie in der SURF App ( iTunes  und  Google Play ) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier . 0

Themen: Marc ParéProfi-Surfer


Die gesamte Digital-Ausgabe 5/2019 können Sie in der SURF-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Print-Ausgabe im Shop nachbestellen – solange der Vorrat reicht:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag