Interview mit Windsurf-Coach Josep Pons

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 4 Jahren

Bei Josep Pons stehen sie Schlange – viele der besten Windsurfer der Welt buchen den Wahl-Kanario als Coach. Woher seine Reputation stammt und wie auch Hobbysurfer von seinen Tipps profitieren können, verrät er im surf-Interview.

Windsurf-Coach Josep Pons

Mehr noch als einen professionellen Windsurfer sieht sich Josep Pons als professionellen Windsurf-Coach. Und wenn neben Hobbysurfern selbst Top-Fahrer aus dem Worldcup ihn für Trainings-Sessions buchen und bezahlen, muss an der Sache etwas dran sein. Wir haben ihn während des Heim-Worldcups in Pozo zum Interview getroffen.

Josep, du selbst bist gerade 13. hier bei deinem Heim-Worldcup geworden. Worin bist du besser – als Windsurf-Pro oder als Coach? Im Prinzip betrachte ich mich nicht als professionellen Windsurfer, einfach weil ich einen "normalen" Job habe. Seit ich mit dem Studium fertig bin, betreibe ich ein Fitnessstudio in Las Palmas und biete Personal-Trainings an. In den letzten Jahren habe ich ziemlich oft den Event verpasst, weil ich zu viel zu tun hatte, das ist nicht das, was man einen Profi-Windsurfer nennen kann. Ich sehe mich eher als professionellen Windsurf-Coach, ich denke, das ist es, was ich am besten kann.

Deine Kundschaft ist das "Who is who" der Windsurfwelt. Mit wem trainierst du aktuell? Aktuell haben mich Moritz Mauch, Julian Salmonn und Graham Ezzy gebucht. Omar Sanchez und Marc Paré sind in der Warteschleife. Ich habe also genug zu tun (lacht).

Zuhören, beobachten, Feedback geben und alles wieder von vorn. Pons wird regelmäßig von den besten Fahrern der Welt als Coach gebucht. Auch von Moritz Mauch.

Geht es dabei immer um Manöver-Training auf dem Wasser oder gehören auch andere Sachen dazu? Meist geht es um konkrete Moves. Moritz Mauch zum Beispiel ist ein wenig festgefahren bei seinen Doppelloops, Graham Ezzy kommt bei einbeinigen Backloops nicht so richtig weiter. Aber es kommt auch vor, dass es um körperliche Defizite oder Verletzungsprophylaxe geht. Mit Marcilio Browne und Robby Swift habe ich beispielsweise konkret an der Verbesserung von Kraft und Rumpfstabilität gearbeitet. Insgesamt also ein vielfältiger Job!

Woher kommt deine offensichtlich gute Reputation? Die Pros surfen schließlich alle auf einem enormen Level. Warum wollen sie trotzdem Tipps von dir? Ich denke, es liegt daran, dass ich selbst auf einem hohen Level surfe und vor allem, dass ich jedes Manöver und jeden Sprung bis ins Detail analysiere. Es gibt viele Leute, die gut surfen können, aber nicht viele schaffen es, Fehler zu erkennen und auf verständliche Weise zu verbessern. Auch bei mir selbst gehe ich sehr analytisch an die Sache ran: Wa­rum rotiere ich so wie ich rotiere? Was ändert sich, wenn ich das Segel mehr in dieser oder jener Achse verschiebe, oder den Kopf anders drehe? Es gibt sehr viele Stellschrauben, an denen man drehen kann, wenn man technisch sauber surfen will.

Dass Josep Pons den Ruf genießt, zu den technisch besten Surfern auf der Tour zu gehören, kommt nicht von ungefähr. Er analysiert selbst jeden seiner Moves bis ins Detail.

Wie gehst du konkret beim Coaching vor? Erstmal muss ich versuchen zu verstehen, welches Problem die Leute haben. Ich lasse sie erzählen, was ihrer Meinung nach falsch läuft, dann schaue ich mir die Moves auf dem Wasser an und halte diese auf Videokamera fest. Wenn Leute beispielsweise ihren ersten Frontloop lernen wollen, folge ich ihnen auch mit der GoPro, damit ich näher bei ihnen sein kann. Das motiviert und gibt mehr Sicherheit, wenn es darum geht, sich zu überwinden.

Video-Feedback wird oft als Heilsbringer angepriesen, hat aber auch seine Grenzen. Was ist deine Erfahrung damit?  Video-Feedback kann extrem helfen, wenn es unmittelbar erfolgt. Wenn ich mit Fahrern trainiere, hole ich diese nach jedem Move zurück, zeige ihnen die Aufnahme und gebe Tipps zur Verbesserung. Wenn der zeitliche Abstand zwischen Bewegungserfahrung und Video-Feedback zu groß ist, kann man die Verknüpfung zwischen Erlebtem und dem Feedback nicht mehr herstellen. Ich denke, dass das Feedback innerhalb weniger Minuten nach dem Versuch erfolgen muss. Wenn also in Surfschulen mit "Videoschulung" geworben wird und der Coach den ganzen Tag filmt und den Schülern am nächsten Tag die Clips präsentiert und Fehler verbessert, ist das zwar nett, der Nutzen ist meiner Meinung nach aber sehr begrenzt. Man darf auch nicht vergessen, dass viele Surfer sich erst dann Hilfe bei einem Coach holen, wenn sie bei einem Manöver gar nicht mehr weiterkommen. Das bedeutet, dass die Fehler sich eingeschliffen haben, quasi automatisiert sind. Das ist wie Autofahren – man denkt nicht mehr darüber nach, wenn man es tut. Automatisierte Fehler sind hartnäckig, da hilft nur unmittelbares Feedback, um die Routineschleife zu durchbrechen.

In der Arbeit mit Aufsteigern werden Manöver oft in Einzelteile zerlegt, die dann isoliert geschult werden. Lässt sich dieses Prinzip auch auf höchstem Level anwenden? Teilweise schon, wenngleich es nicht immer möglich ist. Ich zerlege Sprünge beispielsweise in Phasen wie Vorbereitung, Absprung, Flugphase und Landung. Will jemand einen Pushloop lernen, schaue ich mir erstmal an, wie derjenige bei normalen Sprüngen abhebt und arbeite notfalls erst mal an einem sauberen Absprung, bevor es in die Rotation geht. Insgesamt lassen sich mittelschwere Manöver wie eine Powerhalse aber besser zerlegen als beispielsweise ein Frontloop.

"Einzelunterricht ist kein Allheilmittel. Manöver wie einen Frontloop lernt man am besten in der Gruppe, einfach weil die Motivation eine andere ist.” 

Viele der Pros, die dich buchen, kennst du auch privat, teilweise bist du mit diesen befreundet. Wie schwierig ist es eine Grenze zwischen "Tipps geben" und Business zu ziehen? Ich versuche immer Tipps zu geben, wenn mich jemand um Rat fragt, da stelle ich mich nicht hin und halte die Hand auf. Aber irgendwann kommt natürlich der Punkt an dem ich auch mal sagen muss: "Lass uns eine richtige Trainings-Session machen, um dich voran zu bringen". Natürlich ist es nicht immer einfach diesbezüglich den richtigen Weg zu finden, aber es ist nunmal mein Beruf.

Du bietest deine Dienste ausdrücklich auch für Hobbysurfer an. Wie kann man dich buchen? Man kann mich über meine Website www.ponstraining.com kontaktieren. Außerdem arbeite ich auch mit Pozo Winds, dem lokalen Surfshop hier zusammen. Man kann dort das nötige Material  reservieren und auch meine Clinics mitbuchen.

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 10/2017 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

 

Themen: InterviewJosep PonsWindsurf Coach


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