Jimmie Hepp

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 9 Jahren

Wenn die Saison in Hookipa beginnt, dann reihen sich die Fotografen wie die Hühner auf der Stange auf den Felsen des berühmtesten Windsurfspots der Welt aneinander und warten auf den ultimativen Shot. Seit kurzem ist ein neues Gesicht darunter: Jimmie Hepp – der wohl fleißigste Fotograf auf Maui.

Facebook bescheinigt Jimmie Hepp 4439 Freunde – und täglich werden es mehr. Kein Wunder, versorgt der 64-Jährige doch die Windsurf-Familie auf Maui jeden Tag mit neuen Fotos auf seiner Facebook-Seite. So klicken fast alle Surfer jeden Abend auf Jimmies Profil und hoffen, dass er den ultimativen Shot von ihnen in Pixeln konserviert hat.

Tagtäglich pilgert Jimmie bei guten Bedingungen an den Strand von Hookipa. Dabei hat Jimmie aber nicht in erster Linie die Topstars im Visier, sondern schießt vor allem die Maui-Touristen ab, die von den bekannten Fotografen, die für Magazine und Sponsoren fotografieren, oft links liegen gelassen werden. So wirkte auch das erste Angebot, das er dem surf Magazin machte (die Clew First Mutant Sequenz von Mark Angulo in surf 1-2/2011) wie das eines völlig unerfahrenen Youngsters in der Fotobranche.

Dabei ist Jimmie ein Man mit viel Erfahrung und einem bewegten Lebenslauf. Kollege Thorsten Indra traf Jimmie Hepp an seinem Lieblingsplatz auf den Felsen vor Hookipa.

Viele der Maui-Fotografen sind ja fast so bekannt wie die Surfer, die sie ablichten. Dein Name ist eher noch unbekannt. Wie lange fotografierst du schon?

Windsurfen fotografiere ich erst seit letztem Jahr. Vorher habe ich Landschaften, Lifestyle und vor allem Sonnenuntergänge festgehalten. Ich kam 1976 auf die Insel und war der erste Tourist Guide auf Maui. Dabei habe ich angefangen zu fotografieren. Ich habe dann alles mögliche hier gemacht, war Tellerwäscher, Manager im Restaurant, habe aber auch auf dem Bau gearbeitet. Ich habe mich hier sofort sehr wohl gefühlt, hier ist alles sicher nicht so wie in Kalifornien, wo ich vorher war. Meine Fotos haben sich dann in  Gallerien hier auf der Insel gut verkauft und irgendwann stellte ein TV-Sender meine Fotos immer als Hintergrundbild beim Wetterbericht ein. Dadurch wurde ich etwas bekannter.

Warum hast du die Windsurfer so spät entdeckt?

Ja, das ist komisch. Ich bin durch Zufall zu einem Naish-Fotoshoot hier nach Hookipa gekommen und habe Robby Naish und die anderen Teamfahrer auf dem Wasser gesehen. Das hat mich sehr  fasziniert.

Seither bist du fast täglich hier.

Immer wenn das Licht und die Bedingungen gut sind, fotografiere ich. Ich kannte ja am Anfang niemand hier, auch nicht die Profis. Deshalb habe ich die Bilder auf Facebook gestellt und so kann sich jeder die Fotos anschauen und dann Kontakt mit mir aufnehmen, wenn er ein Bild von sich kaufen möchte.

Aber mittlerweile sieht  man auch immer mehr Bilder von dir in den Magazinen.

Ich hatte am Anfang überhaupt keine Ahnung, wie das funktioniert. Die Sequenz von Mark Angulo im surf Magazin war meine erste große Veröffentlichung. Und dann habe ich im letzten Herbst ein Foto von einem jungen Deutschen gemacht, den ich gar nicht kannte. Der hat ihn dann ans surf Magazin geschickt und plötzlich hatte ich das Cover im April-Heft. Da ging ein Traum für mich in Erfüllung. Der Surfer war Flo Jung. In diesem Frühjahr hab ihn dann persönlich kennen gelernt.

Wie läuft ein normaler Arbeitstag bei dir ab?

Ich versuche, so früh wie möglich am Strand zu sein, denn dann ist das Licht am besten. Meist fotografiere ich dann bis vier oder fünf Uhr. Danach fahre ich dann nach Hause, ruhe mich ein bisschen aus, trinke eine Tasse Kaffee und dann setze ich mich vor den Computer. Ich sortiere und bearbeite alle Fotos und lade sie dann auf meine Facebook-Seite. Das dauert meist bis tief in die Nacht.

Lohnt sich der ganze Aufwand denn?

Ich bin ja eigentlich schon in Rente. Das ist mehr eine Leidenschaft. Aber Windsurfer sind die nettesten Menschen, mit denen ich je zusammen gearbeitet habe. Das Feedback auf meiner Facebook-Seite ist toll und die Surfer freuen sich unheimlich, wenn sie einen guten Shot von sich entdecken. Einmal habe ich jemanden bei seinem ersten richtig guten Aerial erwischt, der wahr unglaublich happy. Außerdem bezahlen die Windsurfer pünktlich (lacht).

Was sagt deine Frau dazu, dass du tagsüber am Strand bist und nachts vor dem Computer hockst?

Sie liebt meine Fotografie und ist froh, dass ich damit Geld verdiene. Ihr wird nicht langweilig, sie liest sehr gerne. Im letzten Jahr hat sie 275 Bücher gelesen.

Als du neu in der Szene warst, wurdest du da gleich akzeptiert?

Am Anfang haben viele wohl gedacht, was ist das für ein komischer Kerl. Doch mittlerweile gehören viele Surfer zu meinen besten Freunden.

Was sind für dich die größten Herausforderungen bei der Fotografie?

Die Felsen in Hookipa rauf und runter zu klettern – in meinem Alter (lacht). Im Ernst, ich finde das Licht und die richtige Perspektive sind wichtig. Ich mag es nicht, wenn ein Surfer vom Segel verdeckt ist.

Bist du eigentlich selber auch Windsurfer?

Ich bin auf dem Festland aufgewachsen, bei uns gab es nur modrige Flüsse und Seen. Als ich dann nach Kalifornien gezogen bin, war Schwimmen für mich schon eine große Sache. Als ich das erst Mal Windsurfer gesehen habe, da wusste ich sofort: Das ist nichts für mich.

“Einmal fragte ich einen Surfer, den ich fotografiert hatte: ‚Wie heißt du?‘ ‚Mark.‘ ‚Und weiter?‘ ‚Angulo.‘ ‚Ok, Mark, ich habe ein paar schöne Fotos von dir gemacht.‘ Das war im Nachhinein sehr peinlich. Aber Mark und ich sind mittlerweile gute Freunde und arbeiten viel zusammen.”

Jimmie Hepps Arbeitsplatz tagsüber: Die Felsen von Hookipa.

Der Arbeitsplatz bei Nacht: Der Computer.

Für ruhige Minuten mit seiner Frau Donna Freathy bleibt kaum Zeit.

Und dann habe ich im letzten Herbst ein Foto von einem jungen Deutschen gemacht, den ich gar nicht kannte. Der hat ihn dann ans surf Magazin geschickt und plötzlich hatte ich das Cover im April-Heft. Da ging ein Traum für mich in Erfüllung. Der Surfer war Flo Jung. In diesem Frühjahr hab ihn dann persönlich kennen gelernt.

Themen: Jimmie Hepp


Lesen Sie die SURF. Einfach digital in der SURF-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag