Redaktion

Josh Angulo

07.02.2005

Auf leisen Sohlen hat sich der ehemalige Lautsprecher Josh Angulo zum Wave-Weltmeistertitel 2003 geschlichen. Die Sehnsucht nach seinem größten sportlichen Ziel hat ihn auch menschlich gefestigt. Sein Triumph vor Sylt war ein Sieg über die Vergangenheit und gleichzeitig einer der emotionalsten Momente auf der Worldcup-Tour.

Es war wohl einer der spannendsten Momente der letzten Jahre im Worldcup. Björn Dunkerbeck und Josh Angulo lieferten sich das finale Duell um den Weltmeister-Titel 2003 in der Welle vor Sylt. Gewinnt Josh, ist er Weltmeister – gewinnt Björn, hat er den Titel. Als die beiden vom Wasser kommen, weiß niemand, wer diesen ultimativen Heat für sich entschieden hat. Lange, quälende Minuten hockt Josh am Strand, verbirgt sein Gesicht tief unter seiner Kapuze. Dann das erlösende Ergebnis: Josh ist Weltmeister. Im Nu wird er umringt von anderen Fahrern, die ihm gratulieren. Lange liegen sich Josh und Björn in den Armen. Selten hat die Konkurrenz sich wohl so ehrlich über den Sieg eines Fahrers gefreut. Und in diesem Moment wurde klar: Josh Angulo wird ab sofort nicht mehr als „ehemaliger Bad Boy“ in Erinnerung bleiben, sondern als Sieger der spannendsten Wave-Weltmeisterschaft aller Zeiten.

Ist der Weltmeistertitel für dich ein Geschenk Gottes?

JOSH: Ich bin mir sicher, dass Gott seine Hände über mir und meiner Karriere hat. Ich glaube, er hat mir die Chance verschafft, den Titel zu gewinnen. Er gab mir mein Talent und die psychische Stärke für den Sieg.

War der Titel dein großes Ziel?

JOSH: Es war das Ziel, was ich jetzt unbedingt erreichen wollte und wahrscheinlich das härteste für mich.

Was kommt jetzt?

JOSH: Ich werde irgendwo ein paar richtig große Wellen surfen und mich ganz kräftig um mein Surfcenter auf den Kapverden kümmern. Aber vor allem will ich ein guter Mann und Vater sein. Und dann vielleicht nochmal den Titel holen.

Du hast nach deinem Sieg auf Sylt nicht nur Gott, sondern auch Björn Dunkerbeck gedankt. Warum?

JOSH: Ich hätte eigentlich vielen Leuten danken müssen, die mich unterstützt haben. Aber Björn hat sich vor allem in den ganz schweren Momenten in meinem Leben sehr um mich bemüht. Und dass ausgerechnet er derjenige war, mit dem ich am Ende im finalen Heat um den Titel gekämpft habe, war wirklich eine ganz besondere Sache.

Mittlerweile hast du eine eigene Serienboard-Linie. Wirst du jetzt ein Geschäftsmann?

JOSH: Das versuch’ ich zumindest. Ich bin definitiv nicht Martin Brandner (die Red.: JP.Marketing-Boss), aber ich kann mir sicherlich einige von seinen Fähigkeiten aneignen. Ich bin von ganzem Herzen Windsurfer, aber vom Kopf her bin ich sicher in der Lage in der Business-Welt zu bestehen. Let’s see!

Entwickelst du deine Boards mit deinem Vater Ed?

JOSH: Wir arbeiten sehr eng zusammen. Mein Vater hat ein unglaubliches Shapewissen und ist dabei aber sehr bescheiden. Ich glaube, dass seine Boards deshalb so gut sind.

Testen außer dir noch andere Leute deine Prototypen?

JOSH: Das Team besteht aus verschiedenen Leuten, die alle ein unterschiedliches Fahrkönnen haben und in unterschiedlichsten Revieren surfen.

Du lebst jetzt hauptsächlich auf Maui und auf der Kapverden-Insel Sal, wo deine Frau herkommt. Wo fühlst du dich Zuhause?

JOSH: Meistens dort, wo ich gerade bin. Aber mittlerweile wohl am ehesten auf Sal. Doch auch Hawaii weckt immer Heimat-Gefühle, wenn ich dort bin.

Was machst du auf den Kapverden?

JOSH: Wir haben einen kleinen Surfshop und vermieten Boards. Das ganze möchte ich noch perfektionieren, damit ich die Bedürfnisse der Urlaubssurfer perfekt erfüllen kann. Außerdem mache ich viele Dinge mit den Jugendlichen auf der Insel – in allen Bereichen des Lebens – und genießen das Leben. Naja, und Windsurfen und Wellenreiten hält mich auch ganz gut in Schwung.

Interview: Andreas Erbe und Steve Chismar, Fotos: Niels Geiselbrecht, John Carter, Jerome Houyvet

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