Redaktion

Julian Wiemar

  • Christl Borst-Friebe
23.12.2012

Der Junge hat ein klares Ziel. Er will die Top 15 der besten Freestyler der Welt entern – wenn er erstmal sein Abi hat. Der 16-Jährige aus Erftstadt verfolgt das Ziel Profi-Windsurfer mit einer beachtlichen Energie. Mal sehen, wo wir ihn in ein paar Jahren wieder treffen.

Julian Wiemar – ein junger, ehrgeiziger Zehnt-Klässler – ist einer der Freestyle Youngsters in Deutschland, der aus dem Landesinneren kommt. Er wohnt in Erftstadt, einem historischen Städtchen im Süden von Nordrhein-Westfalens meist besuchtester Stadt Köln. Julian, von seinen Freunden auch Jay genannt, nutzt jede windige Minute nach der Schule, um an seinem Homespot, einem 15 Kilometer entfernten See, seine Tricks zu trainieren. Und zur Not tut es auch einmal ein Training auf der Straße mit Skateboard und Segel… Mit sieben Jahren stand er das erste Mal auf dem Brett, mit acht Jahren hatte er den Surfschein in der Tasche und zwei Jahre später ging es für den jungen Athleten schon das erste Mal ins JP/NP Young Gun Camp nach Griechenland, Prasonisi. "For Julian, the next World Champion", schrieben Anton Otaegui und Ricardo Campello am Ende des Camps auf die Kappe des kleinen Bubs mit den langen, lockigen Haaren und der Zahnlücke. Seit dieser Zeit verbringt er die meisten Wochenenden zusammen mit seinem Vater und seinem Freund Marco Lufen in Holland am Veluwemeer, um dort die super Flachwasser-Bedingungen auszunutzen. Die ersten Sponsoren machte sein Freund Valentin Böckler, der 2009 die Funsport Academy gründete, auf ihn aufmerksam. Julian trainiert hart und hat sich in den letzten sieben Jahren so weit gesteigert, dass er sich einige Top-Platzierungen bei der EFPKT-Tour (European Freestyle Pro Kids Tour) und ganz aktuell den fünften Platz bei der German Freestyle Battle 2.0 erkämpfen konnte. Doch wer denkt das wäre schon alles, der hat sich geschnitten… Worldcup ist sein Ziel! Im Interview verriet er uns mehr über sein Leben und seine Zukunftspläne.

Training ist für Julian ein Teil des Alltags, um Profi-Windsurfer zu werden.

Erzähl uns doch erst mal, wie es derzeit bei dir aussieht? Wie bekommst du Surfen und Schule unter ein Dach? Also ich versuche mein Bestes, das heißt mein Unterricht endet unterschiedlich zwischen 13 und 16 Uhr, so dass danach immer noch ein paar Stunden zum Surfen bleiben – vorausgesetzt, es ist windig. Wenn sich dann die Bäume vor dem Klassenzimmer biegen, ist die letzte Stunde natürlich unerträglich. Dann kommt es auch schon mal vor, dass ich "ganz  plötzlich Kopfschmerzen bekomme"… Mein Plan für die letzten zwei Schuljahre ist es daher, die Schule noch besser mit meinem Sport kombinieren zu können, das heißt, ich möchte erreichen, meine Ferien für zusätzliche Trainingstage verlängern zu dürfen und für Wettbewerbe freigestellt zu werden. Da steht wohl in naher Zukunft mal ein Gespräch mit dem Direktor an…

Wohin gingen deine letzten Trips? Im Winter war ich zusammen mit ein paar Freunden in Ägypten an der Blue Lagoon. Der abgelegene Spot mitten in der Wüste hat eine unglaubliche Atmosphäre, das ist unbeschreiblich. Da muss wirklich jeder Freestyler mal hin. Die Osterferien verbrachte ich in Norddeutschland an der Ostsee, wo es eiskalt war. Ich verletzte mich am Fuß und musste notgedrungen das Brett gegen Krücken eintauschen. Aber meine Freude auf die Teilnahme an der German Freestyle Battle 1.0 in Saal habe ich mir nicht nehmen lassen und ging, ohne in den letzten sechs Wochen einmal gesurft zu haben, an den Start. Somit war ich mit einem neunten Platz in der Gesamtwertung sehr zufrieden. Im Juli ging es dann zusammen mit meinem Freund Kevin Langbehn in die Türkei, nach Alaçati. Dort schlugen wir für einen Monat unser Zelt direkt am Strand auf. Wir konnten uns immer auf den Wind verlassen, waren jeden Tag auf dem Wasser und haben viel gelernt. Einfach perfekt! Die letzten zwei Wochen der Ferien war ich dann, wie jeden Sommer, mit meiner Familie in Holland, in Makkum am Ijsselmeer. Wir hatten dieses Jahr überdurchschnittlich viel Wind und sogar Sonne!

Wie sieht eine typische Woche bei dir aus? Also fangen wir mal mit der perfekten Woche Zuhause an: sie muss für mich mindestens fünf Surftage beinhalten – das hat es glatt im letzten Herbst hier schon einmal gegeben; war aber auch Rekord für eine Woche Zuhause: montags, mittwochs, donnerstags an den Baggersee und am Samstag los nach Holland. Tja, aber eine typische Woche hat leider eher weniger mit Windsurfen zu tun, da der Wind nur relativ selten bei uns im Landesinneren ankommt. Dann ist eben Fitness, Freunde treffen, ständiges Windguru aufschlagen, aufs nächste Wochenende hoffen und natürlich Lernen für die Schule angesagt.

...also steht nach dem Abitur erst einmal Surfen auf dem Plan? Auf jeden Fall! Mein Ziel ist es unter die Top 15 im Freestyle-Worldcup zu kommen. Und da bringt mich der Hörsaal sicherlich nicht hin.

Was ist dein Erfolgsrezept? Fit halten! Seit Chris Ley (die Red.: Personal Trainer aus Köln) mir regelmäßig Trainingspläne mit individuellen Übungen zusammenstellt, die meine Koordination, Kraft und Beweglichkeit verbessern, fühle ich mich zum Beispiel auch nach einer windstillen Woche anschließend fit auf dem Wasser. Und, ganz wichtig: auch bei Leichtwind aufs Wasser gehen und einfach tricksen. Jede Minute auf dem Wasser zählt!

Hast du Idole? Steven van Broeckhoven aus Belgien! Mit dem Freestyle-Weltmeister von 2011 kann ich mich identifizieren. Er kommt auch aus dem Landesinneren und jetzt ist er mit einer der Weltbesten. Außerdem habe ich ihn 2012 auf dem surf-Festival in Pelzerhaken kennen gelernt: ein offener und netter Typ.

Dein größter Erfolg? 2007 beim Young Gun Camp: Der Trostpreis für den jüngsten Teilnehmer. Das gebrochene Board vom dreifachen Freestyle-Weltmeister Ricardo Campello. Das Board hängt immer noch in meinem Zimmer an der Wand.

IINFO-BOXAlter: 16 Geboren: 10.9.1996 Surft seit: 2004 Erfolge: 2. Platz Young Gun Camp Competition 2010 3. Platz EFPKT Alaçati 2. Platz EFPKT Brouwersdam 7. Platz U17 Freestyle-Weltmeisterschaft 2011 9. Platz German Freestyle Battle 1.0 2012 5. Platz German Freestyle Battle 2.0 2012 Ziel: Top 15 PWA Freestyle-Worldcup Lieblingsspot: Blue Lagoon/Ägypten Lieblingsmoves: Skopu und Kono Motto: Surf, eat, sleep…repeat! Sponsoren: Starboard, Severne, Björkvin, Maui Ultra Fins, Funsport Academy und meine Eltern Webpage: www.g-2111.de

Text: Valentin Böckler

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