Malte Hecht

  • Tilo Eber
 • Publiziert vor 7 Jahren

Einen auf dicke Hose machen, die Segel mit Sticker vollkleben, auffallen um jeden Preis – all das ist nicht seine Welt. Über Malte Hecht stolpert man eigentlich nur auf dem Wasser, dann, wenn er im Heat mal wieder einen gestandenen Worldcupper an den Strand schickt. Wohltuendes Understatement aus Kiel eben.

Auch wenn Malte Anfang 2014 gerade durch Australien tourt – sein Herz schlägt für Nord- und Ostsee. In Großenbrodesieht man ihn regelmäßig.

Norderney, September 2008: Eine anstrengende Saison als Surflehrer auf der ostfriesischen Insel neigt sich für Malte Hecht dem Ende zu, seine Gedanken verdichten sich immer mehr auf ein lange ersehntes Ziel: auf der Südhalbkugel zu überwintern und die kalte Jahreszeit ohne Frostbeulen durchzusurfen! Im Rausch der Endorphine setzt der sonst so bodenständige Blondschopf zu einem schicksalhaften Salto rückwärts aus dem Stand an: der Absprung misslingt, ein Arm geht zum Abstützen Richtung Boden, aber irgendwie landet der damals 19-Jährige doch wieder auf seinen Füßen. Zurück bleibt jedoch ein merkwürdig zur Seite abgeklapptes Handgelenk, das überhaupt nicht den Eindruck macht, als wollte es mit Malte die nächsten Monate im warmen Australien verbringen, um täglich einen Gabelbaum zu umklammern.

Statt Palmen sah Malte in der Folgezeit mehrere Operationssäle von innen und musste eine insgesamt einjährige Surfpause einlegen. Für den Mann aus Emden, der sich während seines Zivildienstes auf Norderney zu einem der aussichtsreichsten Nachwuchsfahrer in der deutschen Freestyle-Szene gemausert hat, schien die sportliche Karriere damit vorbei zu sein, bevor sie richtig angefangen hatte. Und auch der Zeitpunkt, um sich doch noch für das Wintersemester an einer Hochschule einzuschreiben, war bereits verstrichen.

"Am liebsten surft Malte mit seinen Kumpels auf Nord- und Ostsee, hält den Ball flach und gibt hin und wieder bei den German Freestyle Battles den Underdog mit Podiums-Potenzial." (Worldcupper und Freestyle-Kumpel Tilo Eber)

Dass Malte die folgenden Monate des Nichts-Tuns ohne Anti-Depressiva überstand, ist wohl nur durch seine unerschütterliche Gelassenheit und seinen grenzenlosen Optimismus zu erklären. Wer den heute 25-Jährigen kennt, kann sich nicht vorstellen, dass dieser jemals die Fassung verliert oder in verzwickten Situationen nicht mehr weiter weiß. Charakterzüge, die sowohl zu seinem eingeschlagenen Berufsweg des Informatikers passen, als auch zu einem ambitionierten Sportler, der gelernt hat, mit Rückschlägen umzugehen. Die Grundlagen zu beidem waren bei Malte schon früh gelegt: mit elf Jahren programmierte er die erste Homepage. Das Wissen dazu eignete er sich selbst an – aus Büchern, und dem Internet.

Im gleichen Jahr, der Surf-Virus war bei Malte gerade heftig ausgebrochen, hinderte ihn eine Wasserallergie davor, seiner sportlichen Leidenschaft an seinem Homespot, dem Großen Meer bei Emden, weiter nachzugehen. Doch auch hierfür fand er eine Lösung – in Form einer wasserdichten Regenhose und -Jacke unter dem Neoprenanzug. Inzwischen studiert Malte in Kiel Informatik im Master. Mit dem Fahrkostenrechner hat er eine erfolgreiche App für den Smartphone-Markt programmiert, und surft ganz nebenbei auf einem beachtlich hohen Level. Wie hoch, mussten einige Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft im Freestyle 2011 spüren, unter anderem auch der Autor dieses Artikels. Nach einigen gewonnenen Heats etablierte sich am Strand der Kalauer "es zieht nach Hecht-Suppe", am Ende des Wettkampfes landete der Favoriten-Schreck auf einem guten dritten Platz. Seine ersten internationalen Erfahrungen sammelte Malte dieses Jahr auf dem EFPT-Stop in England. Mit dem 13. Platz rangierte er im oberen Mittelfeld, durfte aber gleichzeitig erleben, wie frustrierend das Wettkampf-Surfen manchmal sein kann.

Malte Hecht - stilles Wasser mit Mega-Potenzial

Bei abflauendem Wind und mit zu kleinem Material im Gepäck verlor er einen Heat, in dem er sich nicht einmal ins Gleiten pumpen konnte. Mit dem unglücklichen Ausscheiden verbunden war ein Loch im Geldbeutel, da das Preisgeld die Kosten für die lange Anreise nicht annähernd deckten. Seinen Zweck dürfte die Teilnahme an der European Freestyle Pro Tour dennoch erfüllt haben: Malte weiß, dass er mithalten kann, und dass er gleichzeitig nichts verpasst, wenn er weiterhin mit seinen Freunden an Nord- und Ostsee surft und beim German Freestyle Battle den Underdog mit Podiums-Potenzial spielt. Aus dem Grund, und um Geld zu sparen für einen lange ersehnten Traum, wird der Wahl-Kieler internationalen Regatten im Jahr 2014 fernbleiben. Jetzt ist es dann endlich soweit: Maltes Traum von einem leistungsstarken Rechner – Pardon – von einer sechsmonatigen Reise durch Australien geht in die zweite Runde.

Es bleibt nur zu hoffen, dass das sympathische Nordlicht seine Vorfreude im Zaum hält und auf weitere Saltos verzichtet!

PROFIL

Alter: 25 Jahre Geboren: 14. Juli 1988 Wohnort: Kiel Beruf: Informatik-Student Größe/Gewicht: 186 cm/82 Kilo Surft seit: 1994 Erfolge: 2. Platz GFB Norderney, 3. Platz DWC Freestyle 2011, 13. Platz EFPT Weymouth Favorite Spots: Nordsee-Priele Favorite Move: Shaka Lebensmotto: Kopf hoch, das wird schon.... Sponsoren: Sailloft Hamburg, Patrik Diethelm, XCEL Wetsuits, Maui Ultra Fins Webpage: brauch ich nicht

Themen: Malte Hecht


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