Max Matissek - Freestyle-Pro

  • Manuel Vogel
 • Publiziert vor 6 Jahren

Sein Ding machen, kreativ sein, anecken – Freestyle-Pro Max Matissek passt in keine Schublade und genau das macht ihn interessant. Im surf-Interview spricht er über seine Liebe zum Künstlichen, Film-Klischees und warum er die Kritik am Tow-in-Windsurfen nicht verstehen kann...

Die Mischung macht’s – bei Max Matissek besteht diese aus einer Prise Lockerheit, einem Schuss Kreativität, garniert mit ein wenig "Scheißegal-Haltung". Mit diesen Zutaten brachte er es vom Local am "Meer der Wiener" – dem Neusiedler See in Österreich – zum bunten Hund auf der PWA-Freestyle-Tour. Wir trafen Max Matissek Ende September während des Surf-Worldcups auf Sylt zum Interview.

Max, bist du ein surfender Künstler oder künstelnder Surfer? Jaklar. Erstmal freut es mich, dass es dir aufgefallen ist, dass ich nicht nur windsurfe, sondern auch andere Sachen mache. Ich komme aus einer Künstlerfamilie, mein Vater ist technischer Zeichner und ich hab schon immer bewundert, wie er mit ein paar Strichen was Cooles gemacht hat. Ich hab immer eher mit viel Farbe gemalt, abstrakter und einfach, wenn ich in der entsprechenden Stimmung war. Das war in der Schule schon so. In der Volksschule mussten wir 30 Sätze schreiben und am Ende durften wir noch eine Zierzeile druntersetzen. Meine Nachbarn haben dann Dreiecke gemalt, ich eine Dinosaurierlandschaft. Das hat mir schon immer getaugt.

Max Matissek kann's  auch in der Welle - das sommerliche Fotoshooting seiner Sponsoren auf Mauritius nutzte er auch für die ein oder andere Session am berüchtigten Spot "One Eye". 

Warum ist auf jedem zweiten deiner Bilder eine nackte Frau drauf? (Lacht). Naja, die Bilder, die ich auf meiner Facebook-Seite zeige, sind schon ein paar Jahre alt und scheinbar hatte ich damals in meiner Jugend was zu verarbeiten (lacht). Jetzt male ich auch viele andere Sachen und designe gerne Wellenreiter mit Posca-Markern, das sind fette Filzstifte auf Wasserbasis, die man hinterher fixiert. Das macht Laune...

Seine Bilder . . . 

Max triff Dobo eine polnische Musikerin. 

Man hat den Eindruck, dass du gerne mal etwas provozierst. Du hast mal ein Video namens "Imaginarium" gemacht, in dem im Vordergrund leichtbekleidete Models planschen, während du im Hintergrund deine Moves abziehst. Klischeefrei ist anders... Erstmal mache ich Sachen, die mir Spaß machen und die anders sind. Nichts ist schlimmer als "everybody’s darling" zu sein, das Gewöhnliche vergisst man doch sofort wieder. Ich würde nicht sagen, dass ich absichtlich provoziere, aber wenn’s passiert, dann ist’s halt so. Am Ende sind das genau die Sachen an die man sich erinnert. Aber bei meinem Video "Imaginarium" sieht man auch, dass es eigentlich nicht so klischeebehaftet ist, wie man zuerst denkt. Natürlich planschen da viele hübsche Mädels im Wasser, doch wer genau hinschaut sieht, dass die mich überhaupt nicht beachten. Ich geb’ alles, aber die Mädels sind null beeindruckt von dem was ich da mache. Im Prinzip sagt der Titel alles: Es ist eine Einbildung, eine Kunstwelt.

Hat dir deine etwas extrovertierte Art auch geholfen, einen Fuß ins Windsurf-Business zu bekommen? Du hast ja mit Fanatic, North und Chiemsee namenhafte Sponsoren am Start und bekommst viel Aufmerksamkeit von den Medien und das, ohne die Top-Ergebnisse im Worldcup... Auf jeden Fall. Es gibt so Viele, die toll surfen können, da hilft es, wenn man sich von der Masse abhebt. Immer nur Windsurfen, das ist doch langweilig!

Sind Typen am Ende sogar wichtiger als Ergebnisse? Ich hatte in den letzten Jahren auch gute Ergebnisse und das ist schon wichtig. Aber mal ehrlich: Wenn ich mir ein Wellenreitvideo anschaue und da surft ein Typ mit geilem Style und macht ein gutes Video, dann ist es mir doch ziemlich egal, ob der jetzt ein tolles Ranking im Worldcup hat. Es gibt beim Wellenreiten sehr viele Leute, die komplett auf Contests pfeifen und einfach nur Freesurfer sind, Filme und Videos machen. Ein gutes Video schaue ich mir zehn Mal an, eine Ergebnisliste vielleicht ein Mal.

Wellenreiten ist ein Riesenmarkt, in dem für viele Freesurfer noch was abfällt, Windsurfen eine Nische. Hinkt dieser Vergleich nicht? Klar, das stimmt. Ohne Contests geht’s nicht und nur mit Reisen und Filmen kommst du nicht weit. Und Contests taugen mir auch. Ich mag die Show!

Max auf Mauritius. 

Wenn’s einen Tow-in-Contest gibt, bist du immer an vorderster Front dabei... Ich mag das Künstliche und Tow-in ist natürlich genau dies. Windsurfen mit echtem Wind und echten Wellen ist immer noch das Beste, aber auch eine Jetski-Session hat seinen Reiz...

Windsurfen trat mal als Natursport an. Jetzt hängt ihr bei Flaute an einem Jetski oder jagt euch über Rampen, angetrieben von stromfressenden Rotoren wie zuletzt beim Indoor Worldcup in Polen. Verkauft Windsurfen gerade seine Seele? Die Natur ist das Wichtigste und jeder sollte seinen Beitrag leisten. Tow-in polarisiert natürlich. Aber ehrlich gesagt kann ich Leute, die an solchen Sachen rummeckern, nicht ganz ernst nehmen. Heute schimpfen sie über Tow-in-Sessions und morgen setzen sie sich in den Flieger und jetten auf die Kanaren in den Surfurlaub. Versteh mich nicht falsch, ich respektiere die Meinung eines jeden und ich hab Respekt vor allen, die naturverbunden sind, brav ihren Müll trennen, mit dem Fahrrad oder Zug zur Arbeit fahren und aufs Auto verzichten. Aber mal ehrlich: Viele Leute regen sich auf, wenn bei einem Tow-in-Contest der Jetski 20 Liter Sprit verbraucht und reflektieren dabei null ihr eigenes Verhalten und Handeln. Ich denke wenn man den Sport mehr ins Rampenlicht rücken will und ein Interesse daran hat, das es ihn auch in zehn Jahren noch gibt, dann muss man manchmal auch mal was raushauen und neue Wege gehen. Show gehört dazu!

Man sieht dich auch immer mal wieder im Fernsehen... Ja, das kommt vor. Durch den Worldcup bei uns kennen mich jetzt schon ein paar Leute und so kommt halt eins zum anderen. Der ORF hat mal eine Doku gedreht über das Windsurfen auf dem Neusiedler See und die Szene drumherum und ich hatte einen Hauptpart. Und kurze Zeit später kam dann eine Versicherungsgesellschaft auf mich zu, die für eine Werbekampagne spezielle Geschichten und deren Personen suchten. Leute, die hinsichtlich ihres Lebenswandels quasi den "unsicheren Weg" eingeschlagen und es aber trotzdem geschafft haben. Am Ende kam dann ein 30-sekündiger TVClip dabei raus, das war natürlich super für mich (lacht).

Die Show vor 30.000 Zuschauern beim Indoor in Warschau war ganz nach Max' Geschmack - Platz vier am Ende. 

Wählt man als jemand, der seine Brötchen mit Windsurfen verdient, nicht immer den "unsicheren Weg"? Mein Vater hatte einen Pokal von einer Windsurf-Regatta zu Hause stehen, die er mal gewonnen hatte und als kleiner Junge dachte ich immer: Wow, mein Papa rippt! Das will ich auch". Ich wollte auch einen Pokal. Hinterher stellte sich raus, dass es nur ein kleiner Provinz-Cup – sorry Dad, wenn du das liest – war, aber das war mir egal. Mein Traum war immer Profi zu werden und ich ging den klassischen Weg: Ich schwänzte die Schule sobald Wind war, um am Neusiedler See ein paar Böen abzugreifen und jobbte, um mir meine Trips und ein paar Contests zu finanzieren. Doch irgendwann war ich an einem Punkt, wo ich eigentlich Schluss machen wollte und mich für die Filmakademie in Wien beworben hatte. Doch wie es der Zufall so will, kam ich beim vermeintlich letzten Contest bis ins Finale des Tow-in. Hinterher wollte ich es unbedingt nochmal probieren, alles auf eine Karte setzen und Windsurf-Profi werden. Ich dachte nur: "Ich scheiß drauf, ich werd’ Profi. Filme kann ich auch später noch machen." Und hier bin ich...

Wer mehr über Max Matissek erfahren will, findet alle Infos hier: Webpage: www.maxmatissek.com Facebook: www.facebook.com/max.matissek

Interview: Manuel Vogel; Fotos: Manuel Grafenauer, Max Matissek Windsurfing, Verena Gleichntheil, Sebastian Schöffel, John Carter 

Themen: Max Matissek


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