Redaktion

Newcomer in Jaws

10.03.2010

Maui-Youngster – Das erste Mal: Graham Ezzy, Kai Lenny und Connor Baxter trauen sich in die Welle von Jaws. Maui, 1. November 2009, 11 Uhr vormittags. Der Swell in Hookipa ist ziemlich groß. Ich will gerade vom Land aus fotografieren, als mein Handy läutet. “Hey, Jerome, hier ist Martin Lenny. Kai wird gleich das erste Mal in Jaws surfen, willst du vorbeikommen?” Sicher will ich, packe mein 600 mm-Objektiv ein und fahre sofort nach Maliko, wo die Jungs auf dem Parkplatz schon ihre Ausrüstung vorbereiten. Nach einer der coolsten Fotosessions, die ich hier je erlebt habe, sprach ich mit Connor Baxter (15 Jahre), Graham Ezzy (20 Jahre) und Kai Lenny (17 Jahre).

Connor Baxter in Jaws

Seit wann surft ihr und wer hat es euch beigebracht?

Graham Ezzy (GE): “Mein Vater hat es mir gezeigt, als ich zehn war, aber er mochte sich nicht dauernd am Anfängerspot rumquälen. Sobald ich den Wasserstart konnte, surften wir deshalb in Hookipa. Ich war bei masthohen Wellen draußen – noch bevor ich eine Halse konnte!”

Kai Lenny (KL): “Ich fing mit sechs Jahren an, als ich meine Eltern sah, wie sie sprangen und die Wellen rippten. Das wollte ich auch lernen.”

Connor Baxter (CB): “Ich fing mit acht Jahren an. meine Eltern sind Windsurfer und hatten beruflich schon mit der Surfindustrie zu tun, bevor ich geboren wurde. Sie waren die US-Starboard-Importeure und seit ich fünf Jahre alt war, wurde ich bei jedem Fotoshooting als Galionsfigur auf dem Bug des Go-Boards eingesetzt. aber als ich acht wurde, wollte ich selbst surfen.

Das war euer erstes Mal in Jaws!

GE: “Schon seit drei Jahren steht Jaws auf meiner Spot-Wunschliste. aber leider gab es in dieser ganzen Zeit nur zwei oder drei gute Tage.”

KL: “Es war meine erste Windsurf-Session an diesem Spot, aber ich war mit Dave und Laird letzten Winter schon mal zum Hydrofoilboarden hier.”

CB: “Für mich war es das zweite Mal. Das erste Mal war im August, aber die Wellen waren viel kleiner. Heute waren sie ein ganzes Stück größer und es hat viel mehr Spaß gemacht!”

Wie war es denn heute da draußen?

GE: “Jaws ist fantastisch. Schon der Start dauert so lange – eine Ewigkeit.”

KL: “Diese Session war die beste, die ich je hatte. So was wie Jaws habe ich noch nicht erlebt. Die Power, der Speed und das Adrenalin – das ist mit keinem anderen Spot zu vergleichen.”

CB: “Das ist eine der allergrößten Erfahrungen für mich. Es hat mir den atem verschlagen. Unbeschreiblich.

Hattet ihr Angst? Wie habt ihr letzte Nacht geschlafen?

GE: “Ich habe schon so viel über das Windsurfen in Jaws nachgedacht, dass ich keine Angst hatte, als ich wirklich dort surfte. auch nicht als wir heute morgen loszogen. Kevin Pritchards Telefonanruf weckte mich. Ich sollte zur Maliko Gulch kommen, er würde dort mit seinem Jet Ski auf mich warten.”

KL: “Ich habe super gut geschlafen, doch in Maliko Harbor wurde ich etwas nervös, als ich ein riesiges Set reinkommen sah. Beim Hochkreuzen nach Jaws schien es eine Ewigkeit bis zur ersten Wende zu dauern, aber als ich die erste Welle erwischte, war die ganze Aufregung weg.”

CB: “Das ging alles so schnell. Wir hatten schon davon gesprochen es zu tun – aber wir mussten auf den ersten großen Swell mit gutem Wind warten. Ich schlief bei einem Freund, da rief um neun Uhr morgens mein Vater an und sagte, dass es jetzt losgehen würde. Ich hatte gar keine zeit, um nervös zu sein. auf dem Weg nach Jaws dachte ich an alles, auf das ich vorbereitet sein musste und ich war so heiß drauf, diese mächtigen Wellen zu surfen, dass einfach kein Platz für angst blieb.”

Habt ihr besonders trainiert für Jaws?

GE: “Nein! Ich lebe die meiste Zeit des Jahres in Princeton, New Jersey und habe dort an der Ostküste eigentlich keine Gelegenheit zum Windsurfen. Auf Maui kam ich gestern an und es war tatsächlich erst mein zweiter Windsurftag in zwei Monaten.”

KL: “Ich habe trainiert, seit ich gesehen habe wie Laird Hamilton, Dave Kalama und Buzzy Kerbox in Jaws surften – aber nur mental. Dann habe ich mit Scott Sanchez bei MPG dreimal die Woche trainiert und mit Dave Kalama Workouts im Wasser

und am Strand gemacht.”

CB: “Ich habe in Hookipa große Wellen gesurft seit ich zehn Jahre alt war. Ich gehe das ganze Jahr über Windsurfen, Tow-in-Surfen, Wellenreiten, Stand-up-Surfen. Ich habe nicht speziell für Jaws trainiert. Nein, eigentlich nicht. Aber ich bereite mich auf alles, was ich tue, gut vor. Und ich mag große Wellen.”

Wie war eure erste Welle und wie konzentriert wart ihr?

GE: “Meine erste Welle war für Jaws ziemlich klein und ich surfte zu früh zum Channel. Ziemlich lahm! Aber dann ging ich immer weiter in die Welle rein. Näher an die Lippe.”

KL: “Ich weiß noch, dass ich so total auf den Einstieg in die Welle fokussiert war, dass mir alles wie in Zeitlupe vorkam und ein Sturz war irgendwie völlig ausgeschlossen.”

CB: “Meine erste Welle war eine der größten, wie alle später sagten. Ich war sehr konzentriert, aber ich hatte auch jede Menge Schmetterlinge im Bauch. In Hookipa war ich wirklich bei großen Wellen draußen und obwohl diese Wellen hier noch größer waren, war es irgendwie dasselbe Gefühl. Da weißt du, was du zu tun hast.”

Könnt ihr beschreiben, was bei der ersten Welle in euren Köpfen abging?

GE: “Ich dachte nur: ‚Nicht stürzen!‘ und ‚Sei bloß kein Weichei!‘

KL: "Als ich in die erste Welle startete, fühlte ich mich so locker, dass ich tatsächlich an mein ganzes Training dachte!”

CB: “Ich dachte: ‚Bloß nicht stürzen!!!‘ Ehrlich, es war aufregend. Ich hatte jede Menge Spaß.”

Erzählt doch mal von eurer besten Welle. Der größten, der fürchterlichsten.

GE: “Ich wollte ein paar schöne Kurven auf einer großen drehen. Einige waren glatt genug für ein paar richtig schnelle Turns. Auf einer Welle wollte ich einen Aerial springen, aber die Lippe klatschte von der anderen Seite an mein Segel. Es drehte mich in der Luft und ich verlor mein Rigg. Ich dachte, jetzt lande ich voll in der Waschmaschine, aber Gott sei Dank kam ich auf der Wellenschulter an.”

KL: “Gegen Ende meiner Session erwischte ich die größte Welle. Ich fühlte mich richtig sicher und war total heiß darauf, eine Welle zu kriegen, die noch größer als die vorherige war.”

CB: “Meine erste Welle war eine der größten die ich je gesurft bin, aber sie war nicht so Furcht einflößend, wie ich gedacht hatte. Danach war ich ein wenig entspannter und hatte viel Spaß mit den nächsten Wellen.”

Und eure Ausrüstung? Hattet ihr spezielle Boards für große Wellen?

GE: “Ich hatte mein Quatro Vier-Finnen-Board. Ich war der Erste in Jaws mit einem Quad und hatte Bedenken, dass es nicht stabil genug für die großen Wellen sein könnte, aber es war super.”

KL: “Meine Ausrüstung bestand aus einem 4,7er Naish Boxer und dem Pro Waveboard mit 75 Liter Volumen. Alles passte haargenau.” CB: “Nein – nichts Besonderes. Meine ganz normale Ausrüstung, die ich jeden Tag benutze. Ein Starboard EVO 66 Waveboard, ein North 4.0 EGO Wavesegel und DaKine-Zubehör. Genau richtig für mich und für die Bedingungen.”

Wollt ihr es noch mal tun? Bei größeren Wellen?

GE: “Ich kann’s kaum erwarten, wieder nach Jaws zu gehen. Je größer desto besser! Jetzt, wo ich den Spot kenne, bin ich bereit, Gas zu geben.”

KL: “Dieser Tag war gut zum Aufwärmen. Ich warte schon darauf, an einem Tag mit noch mehr Swell geweckt zu werden!”

CB: “Ja – klar! Ich will jedesmal größere Wellen, wenn ich rausgehe. Und eines Tages werde ich auf dem Wasser sein, wenn sich die großen Jungs in die Hosen machen!”

Ist Jaws wirklich das Windsurfing-Nirwana oder geht es nur darum zu sagen: “Ich habe Jaws gesurft?”

GE: “Jaws ist wahnsinnig. Das ist ein Adrenalin-Flash beim Bottom Turn. Aber aufgeregter und ängstlicher war ich tatsächlich bei anderen Wellen. Ali Baba auf den Kapverden ist wahrscheinlich die beste Welle, die ich je gesurft bin. Sie ist lang, dick und perfekt glatt – oh und sie bricht auf Lavafelsen!”

KL: “Ich glaube, dass dir Jaws sehr viel Selbstvertrauen gibt. So als gehörtest du jetzt zu einem exklusiven Club. In Jaws lernst du etwas über dich selbst, das du bisher nicht wusstest.”

CB: “Klar wollte ich Jaws surfen, damit ich sagen konnte: Ich hab’s getan! Aber nachdem ich dort gesurft bin, muss ich sagen, es war mit Abstand das beste Big Wave Sailing, das ich je erlebt habe. Und – es war nicht überfüllt!!! Ich glaube, heute war es das Windsurf-Paradies.”

Was kommt als Nächstes?

GE: “Ich bin nur eine Woche lang auf Maui, dann gehe ich zurück nach Princeton, New Jersey, um das Schulsemester abzuschließen. Ich werde einen Monat lang im Schnee büffeln, bevor ich in den nächsten Ferien zurück nach Maui komme. Ich kann es kaum erwarten, einen noch größeren Tag in Jaws zu erleben!

KL: “Ich werde weiter trainieren, um besser zu werden und mich auf eines meiner anderen Ziele konzentrieren: Weltmeister zu werden.”

CB: “Ich liebe neue Herausforderungen, neue Ziele für die ich arbeiten kann. Der Ozean ist mein Spielplatz und ich will Dinge tun, die noch niemand in meinem Alter getan hat. Sicher, irgendwann wird ein Jüngerer Jaws surfen, aber bis jetzt bin ich der Jüngste in diesen Riesenwellen. Das nächste? noch größer, noch besser! Windsurfen ist meine Leidenschaft!”

Vater Keith Baxter: Es ist sehr hart seinen Sohn hier surfen zu lassen, wenn die Wellen so groß sind. Ist er am richtigen Startplatz? Hoffentlich weiß er, was er im Notfall zu tun hat. Zur Sicherung braucht man aber immer Leute auf Jet Skis. Pioniere wie Laird Hamilton und andere Surfer haben uns das all die Jahre immer wieder eingeschärft.

 

Grahan Ezzy in Jaws

Vater David Ezzy: Ich war sehr stolz auf ihn. Ein wenig besorgt war ich, ob das Vier-Finnen-Board funktionieren würde. Aber das tat es. Graham hat mich schon lange damit genervt, dass er in Jaws surfen möchte und ich habe ihm immer gesagt, dass er noch nicht so weit ist. Aber jetzt wusste ich, dass er es schafft.

Kai Lenny in Jaws

Vater Martin Lenny: Meinen Sohn in Jaws zu sehen, das war unglaublich. Du musst das mal vom Jet Ski aus erlebt haben, um zu begreifen, wie viel Power diese Wellen wirklich haben. Er hat sehr hart dafür trainiert und surfte sehr fokussiert. Er wollte Jaws unbedingt bezwingen und erfüllte sich damit einen Traum.

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