Noah Vöckler

  • Andreas Erbe
 • Publiziert vor 6 Jahren

Schon wieder ein Top-Talent mit deutschen Wurzeln von den Kanaren – Noah Vöcker-Roche ist in Deutschland geboren, 14 Jahre alt, aufgewachsen auf Lanzarote. Mutter Deutsche, Vater Franzose, spricht vier Sprachen und surft verdammt gut. Wir trafen Noah beim Worldcup in Pozo.

Voll fokusiert und doch immer locker. Noah weiß, was er will und wir lernten ihn als ungemein offenen und, auch im Umgang mit Erwachsenen, smarten Burschen kennen.

Mit wachen Augen läuft Noah über das Eventgelände des Worldcups in Pozo. Er saugt die Atmosphäre in sich auf, plaudert locker mit den anderen Profis, immer in der Sprache, die gerade angesagt ist – Deutsch, Spanisch, Französisch oder Englisch und wechselt dabei routiniert hin und her.

Beim Wind and Waves Festival dürfen nicht nur die Worldcup-Profis der PWA ran, sondern die Junior Division hat auf Gran Canaria Tradition. Auch Philip Köster hat sie schon einmal gewonnen, bevor er seinen Siegeszug bei den Profis antrat. In diesem Jahr räumte Head Judge Duncan Coombs den Youngstern besonders viel Zeit auf dem Wasser ein, gab es doch reichlich Wind, aber Wellen, die für die Großen nicht gut genug schienen. Die Kids dagegen machten das Beste daraus und boten teilweise beeindruckende Heats. Auch der 14-Jährige aus Lanzarote ließ sich nicht lumpen, zeigte sichere Backloops und Forwards, molk aus den kleinen Wellen alles raus und beendete die erste Elimination gleich einmal als Zweiter. In den Runden zwei und drei lief es nicht mehr ganz so gut, trotzdem sprang in der Gesamtwertung am Ende der vierte Platz heraus. Im Vorjahr hatte Noah bereits die Division "U17" gewonnen. Die Zeichen stehen also klar auf Profi-Karriere.

Wann willst du in den Profizirkus einsteigen? Das scheint ja dein Ziel zu sein. Erstmal muss ich ja meine Schule fertig- machen, das dauert noch ein bisschen. Aber ein Jahr auf der PWA-Tour möchte ich auf jeden Fall mal mitfahren und dann sehen, wie es läuft. Vor allem möchte ich reisen, am liebsten nach Australien und Maui. Momentan arbeitete ich daran, ein Jahr auf Maui zu verbringen, noch fehlt mir aber das Budget dazu.

Du lebst auf Lanzarote, deine Mutter ist Deutsche und dein Vater Franzose. Wo bist du zur Welt gekommen? Ich bin in Osnabrück geboren, aber auf Lanzarote aufgewachsen. Dort gehe ich auf eine ganz normale spanische Schule.

Noah Vöckler auf dem Weg zum nächsten Heat beim World Cup in Pozo

Du wirst ja jetzt schon seit mehr als einem Jahr von Fanatic, North Sails und ION gesponsert. Verdienst du schon Geld mit dem Windsurfen? Nein, ich bekomme einige Boards, Segel und Anzüge. Das ist schon toll und bislang mache ich auch nicht so viel kaputt.

Du warst erst zwölf, als du ins Fanatic-Team kamst. Wie hast du das angestellt? Ich habe ja schon mit fünf Jahren angefangen zu surfen. Mein Vater, der auch Windsurfer ist, meinte damals, dass es noch zu früh sei, aber ich wollte es unbedingt. Es hat dann auch ganz gut geklappt und seither bin ich süchtig nach Windsurfen. Ich habe dann einige Bewerbungen an Firmen geschrieben. Craig (Gertenbach, Fanatic Brandmanager, die Red.) war dann auf Lanazarote im Urlaub und wir sind zusammen surfen gegangen. Danach hat es dann mit dem Sponsoring geklappt.

Du bist hier in Pozo ohne deine Eltern. Wer hilft dir?  Klaas hilft mir viel und gibt mir Tipps. Dafür habe ich dann am Ende des Events, als Klaas seinen Flieger zu verpassen drohte, sein Material zusammen- gepackt und es bei Victor in den Bus getan, der es dann mit nach Teneriffa nimmt.

Hast du Vorbilder beim Windsurfen? In der Welle auf jeden Fall Victor Fernandez und Philip Köster, mit dem würde ich gerne mal zusammen aufs Wasser gehen. Das muss großartig sein! Im Freestyle ist Gollito mein Vorbild.

Was waren bisher deine besten Momente auf dem Wasser? Die besten Momente waren bisher, als ich meinen ersten wirklichen Backloop und ersten verzögerten Vorwärtsloop landen konnte.

Bislang warst du ja nur auf den Kanaren zum Windsurfen auf dem Wasser. Was sind deine Lieblingsspots?  Ich mag Pozo sehr gerne und zuhause auf Lanzarote surfe ich am liebsten in Las Cucharas mit Flachwasser und Welle in Jameos.

Eine Frage zu deinen Beinen. Du hast extrem dicke Waden und Fußgelenke, deine Teamkollegen nennen dich gerne spöttisch "Elefantenfuß". Ist das normal? Das hat wohl irgendwie mit meinem Lymphsystem zu tun, es ist keine Verletzung. Aber das schränkt mich überhaupt nicht ein. 

"Noah ist einer der entspanntesten Jugendlichen, die ich je kennen gelernt habe – immer zu einem Spaß aufgelegt" (Klaas Voget, Fanatic-Teamkollege)

Das leidige Thema Schule – wie sieht’s da aus? Gibt’s da Stress, auch mit den Eltern? Solange es einigermaßen gut läuft, ist alles in Ordnung. Wenn ich um 14:30 Uhr aus der Schule komme, versuche ich gleich meine Hausaufgaben zu machen und alles vorzubereiten. Bei guter Organisation komme ich dann zwischen einer und sechs Stunden aufs Wasser. Wir haben hier drei Monate Sommerferien, dann bin ich von 9:30 bis 18:30 auf dem Wasser – wenn kein Wind ist, dann mit SUP, Wellenreiter oder Skimboard.

Du lenkst ab. Was läuft in der Schule nicht so gut?. Am wenigsten mag ich Mathe.

Und was liegt dir besonders? Mein Lieblingsfach ist...Sport. Die besten Noten bekomme ich in Englisch, Deutsch und Sport.

Du willst dich wahrscheinlich nicht darauf verlassen, später als Windsurf-Profi dein Geld zu verdienen. Möchtest du studieren? Ich finde es schon toll, wie Craig Gertenbach nach seiner Profikarriere in der Windsurfindustrie erfolgreich geworden ist. Aber ich möchte Übersetzer lernen. Da ich ja jetzt schon vier Sprachen kann, ist das naheliegend.

Das stimmt. Aber vorerst viel Spaß und Erfolg beim Windsurfen. Ich bin sicher, wir werden noch einiges von dir sehen und hören.

Themen: InterviewNoah VöcklerWer ist...


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