Normen Günzlein

  • Florian Gebbert
 • Publiziert vor 10 Jahren

Für jeden Profisportler gibt es eine Zeit nach der sportlichen Karriere. Freestyleass Normen Günzlein sorgt für diese Zeit vor. Neben seiner Karriere als Windsurfprofi macht er eine Ausbildung zum Industrietaucher in der Firma seines Vaters. Endloser Sommer, Traumstrand und Surfen auf der einen, Schweißgerät, öliges Elbwasser und Zwölf-Stunden-Tag auf der anderen Seite. Zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zumindest auf den ersten Blick.

Normen Günzlein: Kaum zu erkennen in voller Montur

Ausläufer von Frühnebel wabern gemächlich über die ruhige, weite Wasseroberfläche. Hinter einer riesigen Containerpyramide bahnt sich langsam die aufgehende Sonne ihren Weg und taucht die Silhouette der Stadt auf der anderen Uferseite in ein milchig rotes Licht. Es ist kalt. Der Frühling wagt sich erst zaghaft nach Norddeutschland. Ein diffuser Lärmpegel aus fernem Grollen und tief frequentem Rauschen liegt in der Luft. Immer wieder unterbrochen von lautem Krachen. Stahl scheppert auf Stahl, irgendwo in den schwer greifbaren Weiten des Hamburger Containerhafens. Mit einer Fläche von fast 7300 Hektar erstreckt sich Deutschlands größter Seehafen mit zahllosen Seitenarmen und Nebenbecken in die norddeutsche Landschaft. Neben Rotterdam ist Hamburg der größte Containerhafen Europas und rangiert weltweit in den Top Ten. Ein ständig pulsierender Organismus. Immer in Bewegung, zu jeder Tagesund Nachtzeit.

Normens Zweitleben auf der Werft

An einer rostig stählernen Spundwand hat ein Pontonboot festgemacht. Es herrscht geschäftiges Treiben an Deck. Der Geruch von geschweißtem Metall liegt in der Luft. Einige Gestalten poltern über das Boot und hieven Platten von vorne nach hinten. In kurzer Entfernung schippert ein Kutter vorbei. Der Steuermann brüllt ein paar Worte, die vom Dröhnen der Generatoren fast gänzlich verschluckt werden. Auf dem Ponton wird es mit Gruß und rauem Lachen quittiert. Man kennt sich im Hafen. Eine eingeschworene Gemeinschaft.

Tauchfertig machen geht nur mit Hilfe von "außen"...

In der Mitte des Pontons ist ein junger Mann in Position gegangen. Er trägt einen dicken, schwarzen Neoprenanzug. Seine Bewegungen muten hölzern und ungelenk an. Die Beweglichkeit in dem schweren Gummianzug ist stark eingeschränkt.

Zwei der Arbeiter machen sich an ihm zu schaffen. Über die Hände stülpen sie ihm dünne Plastikhandschuhe. “Damit ich weniger Stromschläge unter Wasser bekomme”, murmelt Normen Günzlein, der sich in der Gummipelle verbirgt. Darüber dicke Neoprenfäustlinge. Eine Reihe Schnallen und Riemen, eine Pressluftflasche und schließlich einen archaisch anmutenden Helm auf den Kopf. Konnte er vorher noch mit seinen Kollegen sprechen, so erstirbt jetzt jede verbale Kommunikation. Der Helm lässt kein Wort an die Außenwelt dringen. Mit Handzeichen werden letzte Instruktionen ausgetauscht. Es erinnert an einen ScienceFictionFilm. Ein Sturz auf den Rücken, und der junge Mann wäre hilflos wie ein Marienkäfer. Aber gleich im Wasser wird das anders sein. Die Ausrüstung ist überprüft. Er steigt die Leiter hinab und verschwindet langsam in dem öligen, schwarzen Elbwasser. Die schwache Aprilsonne hat zwar die Eisschichten des harten Winters schmelzen lassen. Mehr als vier Grad zeigt das Wasserthermometer aber noch nicht an. Der Tauchgang beginnt.

Türkises Karibikwasser vs. ölige Hafenbrühe: Normen fasziniert beides.

Keine drei Wochen ist es her, da war die Farbe des Wassers noch türkisblau. Statt sieben Millimeter Neopren genügten Board– shorts und Lycra. Statt über Schweißnähte und neuen Tauchanzug wurde über Culu, Chachoo und PonchVariationen palavert. Normen Günzlein tat das, wofür er in der Windsurfszene bekannt ist und vielfach Bewunderung erntet: Freestylen. Und das verdammt gut! In diesem Fall für einige Trainingswochen auf der Karibikinsel Bonaire.

Seit fast zwei Jahren führt der 24jährige Scharbeutzer jetzt schon ein Doppelleben. Neben seiner Karriere als Profiwindsurfer macht er eine Ausbildung zum geprüften Taucher in der Firma seines Vaters. “Hansataucher” heißt der Betrieb, der mit zehn festen Mitarbeitern vielfältigste Unterwasserarbeiten im Hamburger und Kieler Hafen erledigt. Manchmal sogar in den engen Kanälen Berlins. “Neben 200 Tauchgängen in den zwei Jahren muss ich diverse Qualifikationen in Lehrgängen erwerben”, berichtet Normen von seinem Beruf, “Tauchmedizin, Grundlagen des Tauchens, Erste Hilfe oder Schweißen unter Wasser. Eben alles, was man braucht, um bei den Tauchgängen zurecht zu kommen!” Trotz der harten Belastung, die der Job im Hamburger Hafen mit sich bringt, surft Normen nach wie vor in der Weltelite mit. Im letzten Jahr reichte es beim PWA Worldcup auf Fuerteventura zum siebten Platz. Beim heimischen Cup auf Sylt fuhr er mit Platz neun ebenfalls unter die Top Ten.

Die Firma Hansataucher

Alles über Normen Günzlein und sein "Doppelleben" lest ihr im PDF-Download unten.

 

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