• Die 29-jährige Burgenländerin hieß damals, vor ihrer hawaiianischen Traumhochzeit mit Naish-Chefentwickler Michi Schweiger, noch Julia Deutsch. Zum Windsurfen kam sie, als sie ihre große Liebe kennen lernte. Der Funken sprang über, und sie verliebte sich nicht nur in ihren Michi, sondern auch in seinen Sport. Mit einem Profi-Windsurfer an ihrer Seite machte sie rasch Fortschritte und fuhr bald erste Worldcups im Freestyle mit. Wie auf Bonaire, wo sie Vierte wurde. Jetzt aber setzt Julia alles auf eine andere Karte: Nicht mehr vor der Kamera tricksen, sondern die Welt dahinter erkunden. Sie lebt auf Maui und unter dem Pseudonym „JD Photofairy“ schießt sie erfolgreich beeindruckende Actionbilder von Jaws und Hookipa.
  • Mit der 26-jährigen Kerstin Reiger hat Julia eine Kollegin am Auslöser. Kerstin windsurft für ihr Leben gern, aber noch lieber macht sie geile Bilder vom Surfen. Und wie Julia hat auch sie einen windsurfenden Partner an ihrer Seite: Im Team sind sie und surf-Mitarbeiter Chris Pressler – vor allem wenn es um neue Spot Guides geht – gut im Geschäft. Nebenbei produzieren die beiden Freestyle-Videos und die Internetseite „continentseven“. Außerdem organisieren und leiten sie Jugendcamps für Nachwuchs-Freestyler. Alltag gibt es kaum in Kerstins bewegtem Leben: Heute Karibik, morgen Südostasien und irgendwann dazwischen eine kurze Verschnaufpause am Neusiedler See. Jetzt, wo das Sportstudium abgeschlossen ist, kein Problem mehr.
  • Regelmäßig unterwegs, und zwar nicht nur im Worldcup, sind auch Uli Hölzl, Claudia Rankel und ich. Während des Studiums konnten wir monatelang gar nicht oder nur sporadisch surfen, also nutzten wir die Ferien, um die Weltmeere zu sehen: Australien, Maui, Südafrika, Mauritius oder Kalifornien machen vieles wieder wett, was ein echter Wellenliebhaber in den Alpen so kläglich vermisst. Als zweite Heimat etablierten sich allerdings die Kanarischen Inseln. Der fünfte Rang im Worldcup-Waveriding in Pozo blieb so seit 2001 immer fest in Hand unserer Alpenrepublik: 2001 Uli, 2002 und 2003 Claudia Rankel und 2004 kam ich auf Platz fünf. „Könnten wir nicht mal einen Contest in echten Wellen und bei Wind von links fahren?“ fragt Uli sich. Dann wäre sicher auch mal mehr als ein fünfter Rang drin für eine Binnenländerin, sind sich die Alpinistinnen sicher.
  • Ich habe die fünf Alpengirls übrigens nicht an unserem „Homebreak“, dem Neusiedler See, kennen gelernt. Und das, obwohl wir alle aus dem Osten Österreichs stammen. Auf dem so genannten Meer der Wiener gab’s nur mich und keine Freundin, mit der ich meine Leidenschaft hätte teilen können. Dazu musste ich erst nach Gran Canaria. Dort traf ich vor vier Jahren auf Claudia Rankel, die mit ihrem pechschwarzen Haar und den dunklen Augen ja nun nicht wie das Bilderbuch-Almreserl im Dirndl und mit blonden Zöpfen daherkommt. Wir plauderten also ein bisserl auf Englisch und irgendwann fragte ich ahnungslos „So you come from Maui?“, worauf Claudia antwortet: „No, I am from Austria!“ „Dann könnt ma ja Deutsch red’n!!!“, stellte ich fest und es folgte großes Gelächter beiderseits. Auch ein anderes Alpenmädel lernte ich auf eigenartige Weise kennen: Fuerteventura im Jahr 2003, ich habe mir gerade die Schulter ausgerenkt und kann beim Worldcup von Anfang an nur zuschauen. Da wird mir erzählt, auf dem Parkplatz sitze jemand im Auto, der Zuspruch bitter nötig hätte. Da sitzt das Häufchen Elend – Kerstin Reiger, mit Tränen in den Augen und zertrümmerter Kniescheibe. Als wir uns verletzt gegenüberstehen (oder eher – sitzen), müssen wir einfach lachen, weil die Situation genauso irrwitzig ist wie jene mit Claudia Rankel.
  • Den exotischen Look hat „die andere“ Claudia, 29, von ihrer philippinischen Mutter, und ihren amerikanischen Reisepass, weil sie in den USA geboren wurde. Beneidenswert – sich aussuchen zu können, ob Österreich oder USA, ganz ohne Probleme mit Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung. Claudia studierte, als wir uns kennen lernten, noch Sport und Geschichte in Salzburg. Heute lebt sie als Lehrerin in der Nähe von Los Angeles und ist somit den heißgeliebten Wellen viel näher. Die Berge vermisst sie kaum, nur die kleine Nichte, die „so herzig“ sei, fehlt ihr sehr. Herzig, das ist „die Claudl“ auch. Denn ohne Claudia Rankel hätte ich meine ersten Heats im Worldcup nicht überstanden. So einfach, wie man sich das vorstellt, ist das nämlich nicht. Die Heat- Abfolge zum Beispiel, oder wie die Judges dich auf dem Wasser bewerten – das muss man erst einmal verstehen. Auch die Fähnchen am Segel sind so eine Sache: „I need what? A Streamer? What’s that?“, fragte ich einmal völlig entnervt die PWA Crew, eine Minute bevor ich dran sein sollte. Claudia Rankel wiederum wurde von Uli Hölzl auf den Gedanken gebracht, mehr aus ihrem Hobby Surfen zu machen. „Die Hölzl“ ging bestimmt ein wenig relaxter an die Sache „Worldcup“ heran als ich. Als Ex-Snowboard-Europameisterin in der Halfpipe und Olympiateilnehmerin an den Winterspielen in Nagano 1998 war ihr Name in Österreich schon ein Begriff und Wettkampfdruck kein Fremdwort. Vom Snowboard gelang der Umstieg aus Surfbrett problemlos: 1999 wird sie Fünfte im Waveriding-Worldcup auf Sylt. Und sonst? An Energie mangelt es Uli auch mit 30 nicht, und darum studiert sie auch Pharmazie und Medizin. In Innsbruck, wo sie zwischendurch mal zum Boarden gehen kann.
  • Und zu guter Letzt trickst „die Oage“ Tanja Emig auf Flachwasser, was das Zeug hält. Grubby und Spock und die stylishste Backwind Jibe, die die Welt je gesehen hat, lernte sie vorwiegend am Gardasee in ihren Mittagspausen. Geht es nach PWA-Rangwertungen, ist sie mit ihren 30 Jahren die erfolgreichste der Alpenladies: Zweite in Silvaplana, Dritte am Gardasee – mit Wellen will sie nichts zu tun haben, die machen ihr Angst, aber auf den Alpenseen fühlt sie sich sichtlich wohl. Doch trotz der guten Worldcup-Ergebnisse reichte es nicht, um nur vom Windsurfen zu leben. Lange Zeit gab sie Unterricht, Surfen im Sommer, Snowboarden im Winter. Dann flickte sie Segel am Gardasee, und jetzt macht sie sich mit einer kleinen Werkstatt in Tarifa selbständig. Nebenbei schreibt und fotografiert sie für ein italienisches Fachmagazin. Die Vermarktung unserer Trips nach Mauritius, Australien oder Kanada kann man auch bei Uli Hölzl und mir ein „zweites Standbein“ im Windsurfbereich nennen. Warum tun wir uns die Worldcups überhaupt an, wenn damit nicht richtig Geld gescheffelt werden kann – es sei denn, man heißt Daida und gewinnt fünf von fünf Events?
  • Zum einen wollen wir uns selbst beweisen, dass wir in der Spitze surfen können, auch wenn wir nicht in Pozo oder auf Maui aufgewachsen sind. Weil es kein österreichisches Pendant zum DWC gibt und auch die European Freestyle Pro Tour (bislang) nur das Tricksurfen der Jungs im Programm hat, bleibt für solche Ambitionen nur der Worldcup. Es motiviert ja besonders zu sehen, was die Top-Frauen wie Daida und Iballa Ruano Moreno so drauf haben. Und natürlich das große Vorbild der alpenländischen Windsurferinnen: Karin Jaggi. Die hat es dem Rest der Welt gezeigt! Dabei, so hört man, könnte auch Karin Jaggi von Sponsorengeldern alleine nicht richtig leben. Ohne Preisgelder käme sie nicht so locker über die Runden. Da denkt man schon, dass das Frauenwindsurfen mehr Aufmerksamkeit von Wirtschaft und Medien vertragen könnte.
  • Zum anderen muss es wohl die Liebe sein, die sich unvernünftig, dickköpfig und leidenschaftlich wie sie nun mal ist, ihren Weg bahnt. Allen Hindernissen zum Trotz. Oder ist das ganze doch eher wie eine Droge? „Einmal angefangen, kommt man nicht mehr so schnell weg davon“, sagt Julia übers Windsurfen und ich behaupte, mit der Contest-Fahrerei verhält es sich so ähnlich. Wie soll man es auch sonst erklären, dass man aus eigener Tasche drauflegt, wenn man einmal nicht unter den Top-8-Fahrerinnen platziert ist und damit kein Preisgeld winkt? Apropòs Liebe: Vorsichtig frage ich bei den Alpenladies nach – Single oder vergeben? Als Teams sind Kerstin Reiger und Chris Pressler bekanntlich sehr erfolgreich, genauso Julia und Michi Schweiger. Wie steht es aber mit den anderen? Möchte man die tollsten Eindrücke auf Reisen nicht manchmal mit jemandem teilen? Oder sich mit Pannen und Übergepäck nicht allein herumärgern müssen? Tanja Emig macht sich bei diesem Thema schon mal über Uli, Claudia und mich lustig, und meine Interviewfrage nach „Mr.Big“ bleibt unbeantwortet – die schmeckt ihr zu sehr nach BRAVO-Heft. Typisch Tanja...     Text: Claudia Vogt, Fotos: Brendan Pyatt, Paul Kolp, Steffi Düring, JD Photofairy, Ronny Kiaulehn, Chris Pressler, Camilla French, Heike Dusswald
  • ÜBER DIE AUTORIN (Von Katharina Uhr) Das 1,61 Meter große Powerpaket zählt zwar zur Gattung der Blondinen, entspricht aber keineswegs dem gängigen Klischee, welches einem hellen Haarschopf eine nicht ganz so helle Birne unterstellt. Claudia Vogts Verstand ist scharf wie eine frisch geshapte Rail. Im vergangenen Jahr hat die 25-Jährige ihr Studium der Politikwissenschaften und Spanisch mit Diplom abgeschlossen. Trotzdem hat sie zunächst nicht vor in den diplomatischen Außendienst zu treten, sondern möchte ihre Freizeit dem Surfen widmen. Derzeit plant Claudia einen Südamerika-Trip und will außerdem in den Disziplinen Freestyle und Wave weiterhin Worldcup-Luft schnuppern.
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