Redaktion

Philip Köster: Grandioses Comeback

  • Andreas Erbe
10.11.2017

Fast ein Jahr nach seiner komplexen Knieverletzung setzt sich Philip Köster wieder die Krone der Wavesurfer auf. Mit dem dritten Platz auf Sylt holt er sich seinen vierten Weltmeister-Titel. Der Weg zurück war ein Triumphzug, doch er war auch hart.

Philip Köster: Grandioses Comeback

Wie überrascht warst du selbst, dass du nach der langen Verletzung gleich wieder die ersten beiden Worldcups gewinnen konntest? Nachdem ich beim ersten Heat in Pozo gemerkt habe, dass auch die Landungen der Sprünge o.k. sind, wollte ich schon vorne dabeisein, und es hat geklappt. Da kam dann sofort der Wettkampfgeist auf.

Man hat gesehen, dass die Erfolge sehr emotional für dich waren. Warst du vor den Worldcups unsicher? Natürlich ist es sehr emotional, gleich tatsächlich wieder alles so hinzubekommen wie vorher. Das war eine sehr lange Zeit für mich, und harte Arbeit.

Was war deine größte Sorge – dass das Knie wieder kaputtgeht oder dass dir einfach das Training fehlte, um mit den Top-Fahrern mitzuhalten? Ich hatte nur die Sorge, ob die Schiene nicht verrutscht bei den Manövern. Durch die Reha und das SUP, was ich vorher schon machen konnte mit dem Knie, war ich physisch recht gut trainiert. Ich dachte mir schon, dass ich mithalten kann.

Du hast dich vor den Cups extrem bedeckt gehalten, warst sogar nicht auf Gran Canaria. Keiner deiner Konkurrenten wusste, wie weit du schon wieder bist. War das ein bisschen Taktik? Das mache ich doch jedes Jahr so, nur diesmal ist es mehr aufgefallen, weil mich wohl viele vorher einmal windsurfen sehen wollten. Pozo ist an den Tagen extrem voll, das gefällt mir nicht so, zudem bin ich ganzjährig eher wenig in Pozo.

Wie waren die ersten Prognosen der Ärzte, waren sie sicher, dass alles wieder in Ordnung kommt? Ja, die waren absolut sicher.

"Kurz nach der OP hatte ich wahnsinnige Schmerzen. Aber die Ärzte waren sich sicher, dass alles wieder perfekt verheilt”

Hattest du direkt nach der Diagnose Angst, dass du nicht mehr windsurfen kannst? Ich hatte wahnsinnige Schmerzen nach der OP, zwei Tage lang kaum zum Aushalten, danach wurde es etwas besser.Die Diagnose wurde ja vage in Perth gestellt, darüber habe ich aber nicht nachgedacht, zuerst mussten organisatorische Dinge erledigt werden wie Flugumbuchungen, Kontakt zur Versicherung etc.

Knieverletzungen sind ja für jeden Sportler der absolute Horror. Hattest du mit anderen Profis Kontakt, die sich nach einer ähnlichen Verletzung wieder zurückgekämpft haben? Eigentlich nicht, mir haben viele geschrieben, was ihnen so passiert ist und wie die Heilung verlief, aber das ist ja individuell alles total verschieden.

Wie wichtig war die Unterstützung von deiner Familie und deiner Freundin Manca für dich? Was konnten sie tun? Anfänglich waren mein Vater und Manca bei mir in Hamburg in der Klinik, das war absolut hilfreich, auch wurde ich dann mit dem Rollstuhl an die Alster gefahren nach ein paar Wochen. Ansonsten ist es einfach total wichtig, die Famile um sich zu haben, wenn man sie braucht.

Gab es auch Rückschläge in der Reha oder hattest du Zweifel daran, bis zum ersten Worldcup 2017 wieder fit zu sein? Na ja, es war nicht sicher, ob ich schon springen könnte, die Schiene kam zwei Tage vorher an, da musste ich mich einfach darauf verlassen, dass die hält bei der Landung.

Warst du unsicher am Anfang und hattest du Schmerzen? Nach den langen Heats und vor allem nach dem Resail hat’s dann doch recht weh getan und war geschwollen, aber mit dem Ergebnis war das natürlich alles erträglicher, dennoch brauchte ich danach Schonung.

Von Zurückhaltung war bei Philip Köster nach fast zehn Monaten Verletzungspause kaum etwas zu spüren. Beim ersten Wave-Worldcup auf Gran Canaria knallte er gleich im ersten Heat einen Doppelloop mit der Note 9,5 in den Atlantik. Auch beim zweiten Worldcup auf Teneriffa verlor Köster keinen Heat. 

Wann hast du den ersten echten Belastungstest für das Knie gemacht? Die echten Belastungen durch Sprünge habe ich kurz vor Pozo gemacht.

Wie sah danach deine konkrete Vorbereitung für die ersten Worldcups aus? An welchen Spots bist du gesurft? Eigentlich nur auf Mauritius, es gab eigentlich keine konkrete Vorbereitung, bis auf weiterhin die Rehaübungen zu machen und SUP oder Wellenreiten zu gehen. Ich habe auch ein Homebike, womit ich ausdauernd trainiert habe.

Du surfst noch immer mit einer Schiene. Hast du noch Probleme mit dem Knie? Das ist einfach nur für die Wettkämpfe, weil ich dann sehr hoch springe und Doppelloops lande.

Hast du irgendwas verändert beim Surfen oder machst du jetzt ein spezielles Training, um Verletzungen in Zukunft zu vermeiden? Ich glaube, dass ich vorher auch physisch fit war, es war einfach Pech. Eventuell mache ich vorher ein paar Dehnübungen mehr und höre auf meinen Körper.

Wie bereitest du dich jetzt für Sylt vor (kann man sich überhaupt auf Sylt vorbereiten ;-))? Du kannst dort zum vierten Mal Weltmeister werden. Was würde das für dich bedeuten? Das würde sehr viel für mich bedeuten. Schauen wir mal was der Wind so macht, für Vorabprognosen bin ich eigentlich nicht so zu haben.

Drei Wochen nach diesem Interview kommt Philip nach dem entscheidenen Heat auf Sylt als neuer Weltmeister 2017 an den Strand und man sieht, wie viel ihm dieser Titel bedeutet. Sichtlich erleichtert und bewegt fällt er seinem Vater Rolf und seinem besten Freund und ­Caddy Jorge um den Hals und jubelt ausgelassen.  

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 11-12/2017 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

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