Redaktion

Pozo-Nachwuchs: Alessio Stillrich und Moritz Mauch

  • Christl Borst-Friebe
22.09.2011

Max und Moritz – man fühlt sich automatisch an die Geschichten der beiden schelmischen Racker aus der Feder von Wilhelm Busch erinnert, wenn man Moritz Mauch und Alessio Stillrich sieht. Die beiden Auswanderer-Kinder auf Gran Canaria schicken sich an, nicht nur die lokale Szene mit ihrer frechen Windsurf-Action aufzumischen – mit viel Spaß und wenig Respekt vor starkem Wind.

Es ist kurz nach Mittag, als ich an den “Strand” von Pozo komme. Die Sonne brennt vom Himmel, kein Fleckchen Schatten weit und breit und es ballert so brutal, dass ich mir die Frage stelle, ob ich mein 3,7er überhaupt soweit durchziehen kann, um zumindest noch einigermaßen kontrolliert durch die Bucht zu fliegen – eben ein ganz normaler Sommertag in Pozo.

Auf einem Treppenabsatz, zumindest im leichten Windschatten sitzend, mache ich zwei blonde Wuschelköpfe aus. Die beiden plappern und lachen und sind komplett in ihrem Element. Ganz klar, das müssen Moritz und Alessio, die jungen Wilden von Pozo sein. Wenn man die dicken Kumpels ein wenig beobachtet, fällt sofort auf, die zwei Canarios mit deutschen Eltern sind ein Herz und eine Seele. Irgendwie logisch, wenn man in den Sommerferien zwei Monate lang zusammen den ganzen Tag in Pozo am Strand und auf dem Wasser verbringt. Das schweißt zusammen.

Alessio Stillrich

Ein anderer Local haut einen mächtigen Backloop raus, die Jungs kreischen, springen zu ihrem Equipment und flitzen aufs Wasser. Die Mittagspause ist vorbei. Sogar auf dem Wasser fahren die beiden fast nur in Sichtweite, Moritz haut einen Trick raus und Alessio versucht sofort einen draufzusetzen. Es wirkt, als würden die beiden auf dem Pozo-Spielplatz miteinander spielen. Beide haben einfach nur Spaß, pushen ihr Level gegenseitig, feuern sich an, probieren neue Moves aus und genießen die Zeit auf dem Wasser. Wenn dann am Abend Moritz’ Vater von seiner Club Mistral-Station kommt, um die Jungs abzuholen, heißt es andauernd, “bist du schon da? Kommst du auch noch mit raus, wir wollen noch eine kleine Abendsession machen!”

Moritz Mauch

Moritz, was denkst du über Alessio und Alessio, was denkst du über Moritz?

Moritz: Hmm, mit Alessio verbringe ich den ganzen Sommer über jeden Tag. Wir sind schon seit langer Zeit sehr eng befreundet, haben die gleichen Interessen und verstehen uns blind.

Alessio: Moritz ist schon seit vielen Jahren mein bester Kumpel. Wir sehen uns von Juni bis September täglich und das restliche Jahr bestimmt immer noch drei- bis viermal pro Woche. Was ich sehr gut finde, ist, dass wir uns gegenseitig in sehr vielen Sachen helfen, und man kann mit ihm oft sehr, sehr viel lachen!!!

Was für Ziele habt ihr im Windsurfen und im “normalen” Leben?

Moritz: Also im normalen Leben möchte ich auf jeden Fall die Schule beenden und studieren. Vielleicht nehme ich für ein bis zwei Jahre eine Auszeit zwischen der Schule und dem Studium, um beim Surfen noch mehr Gas geben zu können. Natürlich möchte ich im Worldcup starten. Wenn ich durch das Surfen auch noch zum Reisen komme und neue Plätze kennen lerne, wäre das super.

Alessio: Ich versuche beides so gut wie möglich zu kombinieren. Ich will natürlich so hoch wie möglich in die Weltspitze kommen, aber Schule ist auch sehr wichtig.

Seht ihr euch mehr als Freesurfer oder als Contest-Maschinen?

Moritz: Im Moment sehe ich mich auf jeden Fall noch als Freesurfer, aber ich hoffe natürlich, auch im Worldcup erfolgreich zu sein.

Alessio: Auf jeden Fall arbeite ich darauf hin, die ganze Tour mitzufahren.

Wie viele Tage im Jahr verbringt ihr zirka auf dem Wasser?

Moritz: Ich verbringe wahrscheinlich so an die 300 bis 320 Tage auf dem Wasser. Wenn es keinen Wind hat gehe ich SUPen.

Alessio: Ich schätze so um die 280 Tage.

Was schwirrt euch außer Windsurfen noch im Kopf herum?

Moritz: Nicht viel.

Alessio: Mir schwirrt fast nur Windsurfen im Kopf herum.

Was macht ihr neben der Schule und dem Windsurfen noch so?

Moritz: Ich surfe auch viel im Web, lese gerne Surf-Magazine und spiele mit unseren Hunden. Bei wenig Wind gehe ich gerne mit dem SUP-Board in die Welle oder auch mal mit Freunden ins Kino (meistens ist Alessio auch dabei).

Alessio: Ziemlich viel vor dem Laptop sitzen und Windsurf-Videos anschauen.

Wie werdet ihr von den anderen GC-Topfahrern um Philip Köster, Dario Ojeda oder Victor Fernandez, wenn sie zum Trainieren kommen, wahrgenommen? Bekommt ihr da Tipps und Tricks, helfen die Jungs euch weiter?

Moritz: Ja klar, wir werden auf jeden Fall von den Jungs wahrgenommen, manchmal bekommt man den ein oder anderen Tipp oder ein paar motivierende Sprüche. Das ist schon cool.

Alessio: Mir hilft es sehr viel, wenn ich ihnen einfach nur zuschauen kann, um zu sehen, wie sie die ganzen Moves machen, die ich noch nicht lande. Beim Zusehen kann man auch super viel lernen und danach probiere ich die Sachen dann selber aus.

Was für Erlebnisse gibt es zu berichten, wenn man im Sommer den ganzen Tag in Pozo verbringt?

Moritz: Das Wichtigste sind natürlich die Bedingungen und die Moves, aber da wir schon sehr viele Leute kennen, gibt es schon recht oft viel zu lachen und ein paar verrückte Geschichten.

Alessio: Man erzählt sich normalerweise immer die ganzen Moves, die man gemacht hat. Ob sie hoch waren oder in welche Sektion der Welle man sie gezirkelt hat.

Wie kommt ihr mit den oft sehr sehr windigen Hardcore- Bedingungen zurecht?

Moritz: Ich glaube einfach, da ich schon von klein auf immer in diesen Bedingungen mit dem starken Wind draußen war, bin ich einfach daran gewöhnt. Es macht mir nichts aus, im Gegenteil, ich liebe es.

Alessio: Das ist das Beste, was dir passieren kann... Mit 3,4 so hoch wie möglich fliegen zu können, ist das Beste was es gibt!

Was sagen eure Eltern dazu, dass ihr nach einem ganzen Tag in Pozo immer noch nicht nach Hause wollt und nur noch schnell eine kleine Abendsession machen möchtet?

Moritz: Mein Vater surft ja selber viel und nimmt meistens an diesen “Abendsessions” teil. Meine Mutter war früher selber leidenschaftliche Windsurferin und somit unterstützt sie mich auch.

Alessio: Ohh, ich glaube, meine Mom würde dann auch noch auf eine kleine Session mit uns aufs Wasser gehen.

Das Interview mit Steckbriefen vom Alessio und Moritz lest ihr als PDF-Download.

Alessio: Mit schwirrt fast nur Windsurfen im Kopf herum.

 

Moritz: Natürlich möchte ich im Worldcup starten.

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