Rick Jendrusch

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 9 Jahren

Der Brouwersdam an der niederländischen Küste ist eines der beliebtesten Ziele westdeutscher und holländischer Windsurfer. Wer das Privileg hat, dort aufzuwachsen und das noch am Windsurfcenter seines Vaters, der hat beste Voraussetzungen für eine Profi-Karriere. Rick Jendrusch möchte diesen Heimvorteil voll nutzen.

Erst mobile Windsurfschule, später dann ein Surfzentrum am Brouwersdam in Südholland – die Eltern von Rick Jendrusch (Segelnummer H-120) haben auf jeden Fall schon perfekte Voraussetzungen für ein gutes Windsurfleben geschaffen und ihren Kindern das Windsurfen mehr oder weniger in die Wiege gelegt. Bis aus dem jetzt fast 17-jährigen Rick allerdings ein richtiger Windsurfer wurde, sollte es dann doch etwas länger dauern, als sich seine Eltern das vorgestellt hatten.

Du hattest ja optimale Voraussetzungen, um schon früh ein guter Windsurfer zu werden, Wann hast du denn mit dem Windsurfen angefangen?

Mit fünf Jahren stand ich zum ersten Mal auf einem Brett.

Und von da an hast du Windsurfen als Sport für dich entdeckt?

Nein, überhaupt nicht. Es war zu kalt, es war viel zu windig und das Segel war viel zu groß und zu schwer. Das gefiel mir gar nicht.

Jetzt macht dir Windsurfen, so wie man sieht, sehr viel Spaß. Wie alt warst du denn, als das Windsurfen für dich interessant wurde?

Ich habe dann mit zehn Jahren wieder angefangen, und dann hat es mir Spaß gemacht. Von da an war ich zusammen mit zwei Freunden sehr viel auf dem Wasser.

Durch das Geschäft deiner Eltern hast du ständig mit dem Thema Windsurfen zu tun. Nervt das auch manchmal?

Nein gar nicht, das liegt wahrscheinlich daran, dass ich Windsurfen einfach super gut finde. Ich arbeite auch bei meinen Eltern im Betrieb, ich finde es super, dort auch mal eine andere Seite des Windsurfens zu sehen. Mir macht es auch sehr viel Spaß, die Leute zu motivieren und ihnen beim Windsurfen zu helfen.

Betreibst du außer Windsurfen auch noch andere Sportarten?

Im Sommer spiele ich auch Tennis und im Winter natürlich Snowboardfahren. Im Sommer gehe ich auch schon mal Windskaten, aber Windsurfen hat klare Priorität vor allem anderen, außer Schule vielleicht.

Schule ist ein gutes Stichwort, bist du mit der Schule schon fertig?

Nein, mit der Schule bin ich noch nicht fertig. Dieses Jahr habe ich meinen Abschluss auf der mittleren Schule gemacht und jetzt geht es auf eine weiterbildende Schule (vergleichbar mit einem Studium in Deutschland). Diese ist speziell für Sportler, das hat den Vorteil, dass man immer frei bekommt fürs Trainieren und für Wettkämpfe. Das ist echt super, so kann ich meinen Sport und die Schule kombinieren. Meine Hauptfächer sind Marketing/Kommunikation und Event Management.

 

Man sieht dich hauptsächlich Freestylen. Gehst du auch schon mal in die Welle?

Ja, ab und zu hier mal gegenüber auf der Nordsee, aber nur wenn gute Wellen sind. Sonst, wenn wenig Wind ist, bin ich auch schon mal auf Slalommaterial unterwegs, aber eher selten. Hauptsächlich fahre ich Freestyle.

Trainierst du im Moment ein bestimmtes Manöver?

Ich trainiere immer sehr viele verschiedene Manöver. Das Training ist schon wichtig, damit die Moves während eines Wettkampfes auch klappen. Natürlich trainiere ich sehr viele neue Manöver. Da diese schwieriger sind, werden diese in den Heats auch höher bewertet. An Spock, Culo, Kabicuchi, Burner, Backloop/Pushloop arbeite ich im Moment am meisten.

Wenn du dir aussuchen könntest, wohin die Reise geht, was wäre dein Traum-Windsurfspot?

Ich möchte so gerne noch in viele Länder. Die Welt ist so groß und obwohl ich schon ein bisschen rumgekommen bin, fehlen mir da noch so viele Länder. Sehr gerne möchte ich mal nach Australien und Brasilien. Nach Südafrika geht es vielleicht in diesem Winter zum Trainieren, und Dahab und Jeri stehen noch auf meiner Liste, da man dort sehr gut freestylen kann.

Vor zwei Jahren hast du auf die Frage “Hast du schon mal darüber nachgedacht, Windsurfprofi zu werden?” folgendes geantwortet: “Ja, schon. In der Disziplin Freestyle möchte ich schon gerne noch mehr Wettkämpfe fahren. 2010 möchte ich erst einmal bei der EFPT starten und dann vielleicht auch im PWA-Worldcup.” Was von deinen Plänen konntest du verwirklichen und wie sehen deine Ziele für die Zukunft aus?

Jetzt haben wir 2011 und ich habe in den letzten zwei Jahren einige PWA- und EFPT-Events mitgefahren. In diesem Jahr bin ich Weltmeister im Freestyle in der Altersklasse U20 geworden. Ich denke, dass ich schon ziemlich alles, was ich mir damals vorgenommen hatte, erreicht habe. Meine nächsten Ziele habe ich natürlich schon in meinem Kopf. In der nächsten Saison möchte ich so viele PWA- und EFPT-Events mitfahren, wie es geht und mal schauen, wie weit ich da komme.

Du bist jetzt seit ein paar Wochen Weltmeister, hat sich dein Leben durch den Titel verändert?

Ja und nein, ich lebe eigentlich so weiter wie vorher und ich bleibe einfach ich selber. Natürlich bin ich erst schon mal sehr glücklich, einen solchen Titel gewonnen zu haben Es haben sich schon ein paar Dinge geändert. Nachdem ich ein Ziel meines Lebens gerade erreicht habe, strebe ich jetzt neue Ziele an.

Was hat sich durch den Titel verändert und was sind deine neuen Ziele?

Verändert hat sich meine Zielsetzung. Nach dem Erreichen der Weltmeistertitel U17 und U20 möchte ich jetzt in die Spitze bei der PWA. Top 3 ist schon mein Ziel, aber natürlich ist auch bei mir, wie bei jedem Wettkämpfer, ein großes Ziel der erste Platz. Um mein Ziel zu erreichen, muss ich auf jeden Fall noch ganz viel trainieren, viele gute Wettbewerbe mitfahren und es wird auch seine Zeit brauchen, bis ich soweit bin. Ich habe jetzt mit den Jugendregatten abgeschlossen und ich werde mich jetzt voll auf Worldcup und EFPT konzentrieren. Was sich auf jeden Fall durch den WM-Titel verändert hat, ist meine Einstellung zum Surfen. Ich bin jetzt noch um einiges motivierter, meine Ziele im Windsurfen umzusetzen.

Steckbrief:

Alter: 16 Jahre

Wohnort: Brouwersdam/Holland

Segelnummer: H-120

Sponsoren: Starboard, Severne Sails, Dirty Dog, Mystic, Zeil & Surfcentrum Brouwersdam

Resultate 2010:

1. Platz European Freestyle Prokids Tour U17

2. Platz Prokids Freestyle World Championships U20

2. Platz Nederlands Kampion Freestyle U20

1. Platz The Mission U18 Jahr (Slalom)

Resultate 2011:

1. Platz Pro Kids Freestyle World Championships U20

17. Platz Freestyle-Worldcup Lanzarote

25. Platz Freestyle-Worldcup Podersdorf

Sportler des Jahres Schouwen-Duiveland 2010/2011

Heimspiel – bei der Pro Kids Weltmeisterschaft vor dem Surfcenter seines Vaters Uwe am Brouwersdam trumpfte Rick auf und wurde Weltmeister.

Themen: Rick Jendrusch


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