• Bestandsaufnahme 2005: Über 20 Jahre nach der intuitiven Reise weg von der Armut seiner Heimat und einer der längsten Windsurf-Karrieren, die ein Surfer je hatte, sucht der Extremist eine zweite Chance im Worldcup. Wozu? Bei dieser Entscheidung vertraut der fitte, sympathische Robert wieder mal auf seine Intuition. Mein lieber Schwan, fragt man sich, ob das gut geht? surf: Du hast dem Surfsport viel gegeben. Deine Surfkarriere ist doch jetzt mit 38 zu Ende? Nein, ganz und gar nicht. Ich hab nur im Worldcup pausiert, aber ich würde gerne wieder einsteigen. Jetzt bin ich baff. Hast du so was nötig? Ja, ich hab alles erledigt, was ich so erledigen wollte: Ich hab ein Haus auf Neukaledonien gekauft, Zeit mit den Eltern verbracht, ich hab an meinem Haus auf Maui weiter gearbeitet, ein weiteres selber gebaut. Ich hab halt sichergestellt, dass mir nach dem Windsurfen was bleibt. Vergessen wir nicht deine Schuhfabrik auf Tahiti. Ja, das natürlich auch. Es war für mich schwierig, beides zu machen. Man muss sich voll auf eine Sache konzentrieren, dann hat man Erfolg.
  • Du machst so viele Dinge wie Kitesurfen, Tow-in-Surfen. Welchen Stellenwert hat Windsurfen für dich? Windsurfen ist für mich immer das Höchste gewesen. Ich verdanke alles diesem Sport. Hättest du die Wahl, würdest du Profi-Kiter werden? Vor langer Zeit wollte ich Profi-Motocrosser werden. Meine Eltern erlaubten es mir nicht. Dann war ich Profi-Skater. Aber ich war schon immer ein passionierter Windsurfer. Nein, ich bleibe auch heute noch ein passionierter Windsurfer. Das ändert sich nach 20 Jahren nicht. Vor ein paar Jahren sind wir uns auf Sylt begegnet. Du warst niedergeschlagen, weil du einen deiner Hauptsponsoren verloren hattest. Es muss für einen Surfstar wie dich schwer sein, so eine Schlappe einzustecken. Das ist einfach Teil des Lebens (seine Stimme wird leiser) . Es gibt immer einen Anfang und in allem und ich meine allem, ein Ende. Sei es im Business, in Beziehungen, in der Liebe und...im Sport. Und was ist nach dem Ende? Ich glaube nicht, dass ich am Ende bin. Ich hab mich wie ein Murmeltier zurückgezogen, jetzt ist der Frühling da.
  • Drei Jahre hast du dich vom Windsurfsport zurückgezogen. War das hart für dich? Ja und nein. Ja, weil ich immer noch das Feuer in mir spüre und das Potenzial eines Surf-Profis. Nein, weil ich einfach gewisse Sachen erledigen musste und auf zwei Gleisen konnte ich nicht fahren. Mein Kopf war nicht zu 100 Prozent beim Surfen. Machst du es wegen der Kohle oder wegen deines Egos? Wegen der Kohle, auch wenn es unglaublich ist, wie schlecht es dem Sport geht. Profis können gerade noch so über die Runden kommen. Du hast doch sicherlich keine Geldsorgen. Ein Makler hat dir gerade fast 5,4 Millionen Dollar für dein Haus hier geboten. Ich kann ohne Windsurfen leben, aber es ist immer gut, eine Extra-Einnahmequelle zu besitzen und auch, um dabei zu sein. Du bist nicht der Jüngste. Kannst du wirklich das Niveau eines, sagen wir mal, Kauli Seadi halten? Ja, in der Welle, da braucht man Erfahrung. Die Bedingungen ändern sich dauernd.
  • Du möchtest also wieder Worldcups fahren. Sehen wir dich auf Sylt? Ja, das ist gut möglich. Aber ich möchte viel lieber im Supercross einsteigen. Das würde mir gefallen. Ich war Top Five der Welt im Slalom, das ist mein Format. Kannst du den Spock und den Flaka? Ja. Du hast keine Angst als Verlierer auszusteigen? Nein. Mein Leben war immer so ausgerichtet. Schon als Kind hat das geklappt, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin mit einem Ticket und ohne Geld nach Frankreich geflogen und als französischer Meister nach Hause zurückgekehrt. Ich will damit sagen: ich bin immer meinem Gefühl gefolgt, auch wenn es verrückt klang. Du bist also ein verrückter Businessman, der Windsurfen will? Ja, ich möchte unbedingt wieder einsteigen. Das wäre eine persönliche Befriedigung. Ich würde mich in meiner Haut wohler fühlen. Letztes Jahr bin ich ohne Training zum Indoor gefahren. Bei den Slalom Trials bin ich auf Anhieb die beste Zeit gefahren. Beim Wettkampf bin ich bis ins Finale gekommen, hatte Pole Position und bin beim Start gestürzt. Campello hat mich dann noch geschlagen. Und hast du meinen Speedloop in die Zuschauermenge gesehen? Hast du’s gesehen? (selbstzufrieden) Das war gefährlich, ich hätte mich töten können. Dann ist die Show deine Droge beim Windsurfen? Wir wissen, dass du nicht lebensmüde bist, oder doch? Nein, es ist meine Art, 100 Prozent zu geben. Und dann die Massen, die Show. Trotz Qual und Schmerz bei solchen Stunts habe ich am Ende mehr Power und Kraft als zuvor.
  • Hut ab. Wie schaut’s beim Speedfahren aus? Interesse? Ja, interessiert mich, aber vor allem beim Kiten. Da fahre ich vorne mit! Überall wo Gefahr lauert, bist du dabei. In Jaws bist du die höchsten Aerials der Geschichte gesprungen, hast dir die Rippen dabei gebrochen.... (Robert rennt schnell in sein Zimmer und holt eine Kiste mit Jaws-Fotos heraus.). Hier, ein Surffoto vom letzten Winter. Ich bin der einzige, der ohne Schwimmweste rausgeht. Was sagen die anderen wie Kalama und Co., wenn sie dich ohne sehen? Die schreien: Hey, zieh deine Weste an. Ich sage: Ja, ja, ich hab meine Weste verloren. Möchtest du damit etwas beweisen? Nein, ich fühle mich wohler ohne. Für mich ist die Schwimmweste eine Gefahr. Ich tauch ab, wenn eine Welle vor mir bricht. Das geht mit der Weste nicht. Und ich kann lange unter Wasser bleiben, über eine Minute. Das ist lang! Trainierst du dafür? Ja, beim Joggen (pumpt sich demonstrativ die Lunge voll) halte ich regelmäßig meinen Atem an (bläst die Luft wieder aus) bis zu 30 Sekunden mit 20 Sekunden Atempausen. Ich kann die Luft im Ruhezustand fast fünf Minuten anhalten. Das ist nicht lange. Der Typ da in dem Foto (zeigt auf ein Foto an der Wand) , ist einer der besten Freitaucher der Welt. Das ist mein Freund. Der hält den Atem acht Minuten an. Der hat mir das alles beigebracht. In solchen Extremsituationen denkst du nicht an den Tod? Nein. Glaubst du an ein Leben nach dem Tod? Nein. An Karma? Nein. Manchmal denke ich dran, wenn ich Tiere beobachte. Aber nach dem Tod ist nichts.
  • Von den vielen schönen Frauen in deinem Leben? Nein. Ich hatte einfach nicht den Kopf für die Sache. Nur am Anfang meiner Karriere. Da haben auch meine Resultate gestimmt. Dich nervt es, weil du nie Weltmeister geworden bist! Ich hätte Weltmeister werden müssen! Ich hab alles nach Gefühl gemacht, da hätte ein Manager geholfen. Ist dir dein Bekanntheitsgrad, vor allem in Frankreich, zu Kopf gestiegen? Ja, aber meine Füße sind immer auf dem Boden geblieben. Ich wusste, was um mich herum geschah, aber ich bin mir selber treu geblieben. Ich hab die Realität zum wahren Leben nie verloren.
  • Hast du noch Kontakt zu deiner Ex, Véronika Loubry? Ja, die ist verheiratet und hat eine Tochter. Wir verstehen uns noch gut. Sind Frauen für dich wichtig? Es gibt nichts göttlicheres als eine schöne Frau. Hast du eine neue Freundin? Ja, aus Tahiti. Wir sind schon einige Jahre zusammen. Es ist erstaunlich, denn sonst wechsle ich Freundinnen alle sechs Monate.
  • Bist du so unausstehlich gewesen? Nein, ich bin selten daheim, und auf Maui hielten sie es nie länger aus. Und jetzt willst du wieder in den Worldcup einsteigen. Was sagt deine Freundin dazu? Naja, wie viele Worldcups gibt es jetzt auf der PWA-Tour? Drei? Das ist nicht so schlimm. Wieviel Zeit verbringst du hier auf Maui? Nicht mehr so viel. Vielleicht vier Monate im Jahr. Wo fühlst du dich Zuhause? Auf Tahiti, das ist klar. Die Menschen sind freundlicher als auf Maui. Bei uns gilt das Sprichwort: Gibt es für fünf zu essen, können sieben auch essen. Hier auf Maui heißt es. Jedem das seine, mir das meine. Auf Maui trifft sich trotz Bush die Surfelite. Keiner mag den Bush hier. Übrigens: John Kerry war mit John Chao vom Magazin „American Windsurfer“ bei mir zu Besuch. Ich hab meinen Augen nicht getraut, als er Präsidentschaftskandidat war. Wer besucht dich sonst so in deiner kleinen, bescheidenen Hütte? Bono von U2 war auch hier. Er ist ein Freund von einem Freund. Also, das war so: Als ich mich vor ein paar Jahren von meiner Frau getrennt habe, bin ich von Paris nach Monaco gefahren. Dafür habe ich mir einen Porsche Turbo gemietet. Ich bin mit 270 gebrettert. Vor mir eine Kurve, ich denke mir, jetzt fahre ich geradeaus. Ich wollte mich umbringen! Ich war so traurig und verloren, obwohl ich die Scheidung eingereicht habe. Ich sitze also in dieser Maschine mit Vollspeed, es kommt die Kurve. Ich will geradeaus fahren. Im allerletzten Moment trete ich in die Klötze. Über zweihundert Meter lang quietscht und schreit das Auto (er imitiert Reifengeräusche). Ich schlittere quer in die Kurve, das Antiblockiersystem rattert. Nach der Kurve komme ich zum Stillstand. Ich weine. Dann fahre ich weiter. Ich sehe das Schild Morea Beach. Ich fahre heraus und bleibe auf der Promenade stehen. Plötzlich spricht mich jemand an, der bei mir mal eine Ferienwohnung auf Maui gemietet hat. Er lädt mich ein und behandelt mich für Tage wie einen König. Mir ging’s besser. Am nächsten Tag komme ich mit meiner neuen Freundin, Nathalie, einem Model, zu ihm. Er lädt uns beide ein. Jahre später ruft er mich an, weil er sich mit seiner Frau gestritten hat. Er bleibt sechs Monate bei mir. Und eben der ist mit Bono befreundet. (Kurze Pause) Rat mal, wer vor kurzem bei mir war? Leonardo DiCaprio. Seine Frau hat hier einen Fotoshoot organisiert. Alles nette Leute. Warum setzt du keine Kinder in die Welt? Ich weiß auch nicht. Ich sitze hier allein, schau! Es ist nicht einfach. Ich mache all diese Dinge, Tow-in, Kiten, Surfen, aber ich bin allein. Ich fühle aber so viel Kraft in mir. Dein Körper spielt da noch mit? Ich bin fitter als zuvor, trinke keinen Alkohol und rauche nicht. Die Kids können konditionell nicht mit mir mithalten. Josh Angulo und einige Profi-Kiter trainieren bei mir. Verlangst du Geld dafür? Von Freunden verlange ich kein Geld. Aber wegen Geld möchtest du im Worldcup einsteigen. Ja, Geld ist Geld.
  • Verkauf deinen Hummer Monster Jeep, dann hast du das jährliche Einkommen eines Top-Worldcuppers. Nein, ich liebe Autos fast wie Frauen. Das ist es. Früher konnte ich nach Europa reisen, im Auto schlafen, campen. Heute könnte ich das nicht. Ich bin in einem Alter, wo ich Komfort brauche. Ich gebe zu, mein Lebensstandard ist sehr hoch. Wie viele Autos besitzt du? Ich weiß es nicht. Für die surf-Leser kannst du doch mal zählen. (Überlegt) Fünf auf Hawaii und fünf auf Neukaledonien und Tahiti. Ich hatte auch mal einen Ferrari. Dann hab ich noch ein 1000-PS-Offshore-Boot auf Neukaledonien. Deine Frauen kosten sicherlich auch viel? Nein, meine Freundin kommt aus einer betuchten tahitianischen Familie. Aber selbst mit wenigen Worldcup-Events und Siegen kannst du diesen Lebensstandard nicht halten. Nein, aber da hab ich ja mein Business. Ich verdiene gut mit meinen Slippern und meiner Studiovermietung. Und ich arbeite für die Regierung von Tahiti. Wie bitte? Ich promote den Verkauf schwarzer Perlen, eine wichtige Einnahmequelle Tahitis. Neben den Perlen und dem Worldcup, gibt es noch Wünsche? Ein eigenes Haus auf Neukaledonien, eins auf Tahiti... Hast du die nicht schon? Nein, ich hab meinen Eltern eines auf Neukaledonien gekauft. Auf Tahiti wohne ich bei meiner Freundin. Außerdem möchte ich meine Freuden beim Surfen mit anderen Menschen teilen. Ich hab zum Beispiel dem König von Katau Unterricht gegeben. Das ist eine wahre Geschichte. Der Typ lebt in einer anderen Welt... Ach, und du nicht? Er besitzt seine eigene Boeing und gibt Millionen für Sachen aus, die ihm Spaß machen…