• surf: In McKercher steckt sicherlich kein Aborigine! Scott McKercher: Nein, der Name ist irisch. Meine Vorfahren väterlicherseits kamen mit den ersten Einwanderern nach Australien. Wir waren keine Diebe und Kriminelle, wie die meisten Abenteurer, nein, schlimmer noch: wir waren Bullen, die ihre Lizenz verloren hatten. Ohne Zweifel fiese Burschen. Meine Mutter ist Schottin und zog mit 16 Jahren an die Westküste Australiens, wo sie meinen Vater kennen lernte. Du hast auch studiert. Bildung und Surfen – kann man das unter einen Hut bringen? Ja, ich hab’ mein Abitur gemacht und bin auf die Uni, um Lehrer zu werden. Vor meinem Examen in Humanbiologie hatte ich einen Wavecontest. Das Wochenende verbrachte ich ausschließlich am Strand. Ich bin zwar nicht durchgeflogen, aber besonders brillant ist die Note auch nicht ausgefallen. So lief das. Ich machte das Notwendigste für das Studium, um ein Maximum an Zeit am Strand zu verbringen.
  • Wie haben deine Eltern auf deine Surfprioritäten reagiert? Sie haben mich immer unterstützt. Ich war das Jüngste von fünf Kindern, und meine Mutter meinte immer: Mach’ was du nicht lassen kannst, und lerne aus deinen Fehlern. Ich glaube, mein Vater hat nie begriffen, dass ich mir sehr wohl überlege, was nach meiner Windsurf-Karriere kommt. Du warst von 1997 bis 2002 Teamrider bei Robby Naish. Jetzt bist du Weltmeister für Svein Rasmussen (Starboard) geworden. Glaubst du, dass Robby sich in den Arsch beißt, dich aus dem Team genommen zu haben?
  • (lacht laut) Ich bin gerade mit ihm und Scott Carvill auf Maui Essen gegangen. Er gab mir die Hand und sagte: „Well done (Red: gut gemacht), nur ein paar Jahre zu spät!“ Ich musste innerlich schmunzeln. War Robby eines deiner Idole? Ja, er war neben Pete Cabrinha, Mike Waltze, Matt Schweitzer und den Australiern Mark Paul und O’Connor mein Idol. Die waren alle für mich lebende Legenden, die mich in der ersten Phase meiner Laufbahn inspiriert haben. Später war es Dave Sheen – der perfekte Waterman! Du baust gerade ein Haus an deinem Homespot Margaret River. Warum nicht Hawaii? Ich kann Hawaii ganz gut leiden, aber ich könnte dort nicht leben! Es gibt zu viele Menschen auf dem Wasser. Außerdem ist Hawaii die USA, das Land, wo dir immer irgend jemand etwas vorschreibt. Nein Danke!
  • Während der Trilogie-Zeit galtest du als Soul-Surfer. Wie siehst du deine Zeit als Worldcupper? Als Racer habe ich mich trotz meines Gewichts und meiner geringen Größe ganz gut geschlagen. Mit meinen Wave-Ergebnissen bin ich sehr zufrieden. Ich hätte aber auch besser sein können, wenn ich nicht so viel gefeiert hätte. Mir ist es damals nie aufgefallen. Am Ende war es mein Körper, der mich geweckt hat. Ich hatte in meiner Jugend und bis vor ein paar Jahren den Unsterblichkeitswahn. Nach zwei Monaten mit exzessiven Parties 1996 auf den Kanaren bin ich in Tarifa beim Tanzen in einer Disco zusammengebrochen. Zuerst musste ich zwei Wochen in einem Krankenhaus in Spanien verbringen und dann schickten sie mich, voll gepumpt mit Antibiotika. Der Alkohol und mein Lebensstil hatten mein gesamtes Immunsystem destabilisiert. Ich verlor 25 Kilo. Seit dieser Zeit nennen mich einige im Worldcup Gramps (Red.: Opa), nur weil ich nicht mehr mit ihnen jede Nacht in die Disco ziehe. Aber ich habe meine Lehren daraus gezogen. Und zwar? Dass man als Mensch sehr schwach ist und der Tod näher ist, als man sich vorstellt. Vorher dachte ich, ich wäre eine Art Superman: trinken, rauchen, Drogen einnehmen, den Körper ausbeuten, ohne an die Konsequenzen zu denken. Unser Leben mit unserem Körper hängt an einem seidenen Faden.
  • Was siehst du dann als den Sinn des Lebens? Der Sinn ist, den Weg der Göttlichkeit zu finden, jeder auf seine Weise, mit seiner Religion. Es gibt ein Lied, das geht so: „I’ve got a life and a death and all in between I’m gonna drive through the country side and hear the birds sing.“ (Red.: Ich habe ein Leben und einen Tod. Und dazwischen fahre ich durchs Land und hör’ die Vögel singen). Jeder wird sterben, also lass es dir bis dahin gut gehen – das ist eine einfache Formel. Ich frag mich natürlich auch nach dem tieferen Sinn. Woher kommen meine Fragen? Woher kommen meine spirituellen Erfahrungen? Warum ist mein Lernprozess im Leben so langsam? Ich bin halt noch auf der Suche.DIE DREI BESTEN......Windsurfer in der Welle: Jason Polakow, weil er flüssig und schnell surft. Josh Angulo wegen seiner Power und seinem Style und noch Levi Siver, weil er so abgedreht surft. ...Surfspots: Cocos Islands (Indischer Ozean), Punta Preta (Kapverden) und Rottnest Island (Schottland). ...Frauen: Anne Marie Reichmann, meine Mutter und Mutter Natur. ...Tiere: Hunde, Delfine und Seehunde. ...Bücher: „Die Spur der Götter“ von Graham Hancock. „Völker dieser Welt, Relaxt!“, von Tom Robbins und „Sturmwarnung (The day after tomorrow)“ von Whitley Strieber. ...Musikgruppen: Midnight Oil, Hunters and Collectors und Faithless. ...Filme: American Beauty, Snatch und Trainspotting. ...Moves: Cutback, vertikale Off the Lip und Wellen-360er.
  • KURZ GEFRAGT:Wann hast du das erste Mal geweint? Bei meiner Ankunft auf dieser Erde. Deine erste Erfahrung mit dem Tod: Als meine Katze starb. Die schlimmste Religion: Die, die Angst und Hass propagiert. Der beste Rat, den man dir gegeben hat: Folge deinem Gefühl, höre auf deine innere Stimme und atme bewusst. Die gefährlichste Welle, die du gesurft bist: Irgendwo an der Nordwestküste Australiens. Der schlimmste Sturz beim Surfen: Vor Diamond Head bei einem Aerial. Hab’ mir dabei das Knie zerrissen. SCOTTS MEINUNG ÜBER......den Tod: Unsere Existenz rinnt uns davon. Über den Tod lernen wir unsere Fehler kennen. Im Augenblick des Todes erfahren wir die Antwort einer großen Polemik: Gibt es ein Leben nach dem Tod? ...die Evolution: Für mich wiederholt sich die Geschichte immer von Neuem. Alles hat sich schon ein Mal ereignet, das Leben ist zyklisch. ...Politik: Die ist traurig. Es gibt nur einige wenige Politiker, die für eine wahre Sache kämpfen. ...die PWA: Leider zu viel Politik. Die Zukunft heißt: Windsurfen in der Welle. Waveriding repräsentiert Surfen in seiner extremsten und schönsten Form. Es geht darum, eine wahre Wave-Tour zu organisieren, damit die Medien wieder Interesse zeigen. ...Lebensträume: Mein Leben kommt mir vor wie ein Traum. Es ist wie alles, das uns auf unserem Lebensweg widerfährt: Es ist kaum vorstellbar. Ich versuche mich oft an meine Träume zu erinnern. Das, von dem wir träumen, sind Zeichen, die von einer anderen Ebene kommen und die uns Schritt für Schritt auf den Weg des Lebens bringen. ...meine Mutter: Die absolute Liebe. ...die Erde: Entweder die Hölle oder das Paradies, ich weiß es nicht. ...Aborigines: Sie haben wirklich unter der Invasion der Europäer gelitten. Sie kennen höchstwahrscheinlich die Lösung des Problems der Menschheit, also die Kunst mit der Umwelt sorgfältig umzugehen, anstatt sie zu zerstören. ...Zukunft: Das Unbekannte, aber es existiert der gute Weg, dem man folgen kann. Ich liebe diese Maxime: „Ich kenne meine eigenen Gedanken nicht, aber ich weiß, dass sie von mehr geleitet sind, als ich wissen kann."
  • STECKBRIEFGeboren: 5. März 1970 in Perth (als Jüngstes von fünf Kindern) Größe: 1,75 Meter Gewicht: 84 Kilogramm Erfolge: Mit 14 Jahren 11. der Weltmeisterschaft in der Windsurfer-Klasse; dreifacher australischer Meister in der Welle; seit 1992 Profiwindsurfer; ab 1996 immer Top Ten in der Welle und beim Kursrennen im Mittelfeld; 1996 Platz 4 Overall im Worldcup in der Welle, 2. der Trilogie auf Mauritius und auf den Kapverden, 3. auf Gran Canaria, 1999, Wellen-Weltmeister auf dem Produktionsbrett 1999, 2. Platz 2002 auf Sylt (5. im Gesamtklassement), 1. im Waveriding auf Gran Canaria 2004 und PWA-Weltmeister in der Welle 2004.