Redaktion

Selina Horber

  • Alois Mühlegger
10.06.2017

Sie kam, surfte und siegte. Als unbeschriebenes Blatt sorgte die 16-jährige Partenkirchnerin bei der Deutschen Jugend-Meisterschaft für einen Paukenschlag und ließ auf dem Bic Techno 293 alle Jungs hinter sich.

Selina Horber

Mädels sind rar in der deutschen Racing-Szene. Jetzt macht ein Talent aus Bayern Hoffnung auf deutsche Präsenz bei den Girls. Selina Horber aus Garmisch-Partenkirchen bekam von ihrem Vater Stephan Horber, einem ehemaligen Regattasurfer, schon in jungen Jahren Hilfestellung. Gleich mit einem Meistertitel in der Jugend-Olympiaklasse Bic Techno 293 krönte die 16-Jährige nun ihre erste komplette Regattasaison.

Wie stark unterstützen deine Eltern deine Regattaambitionen? Sie sind der Grund, weshalb ich surfe. Meine Eltern haben sich vor 18 Jahren beim Surfen am Gardasee kennen gelernt. Daher habe ich von beiden Teilen die Gene für das Windsurfen bereits in die Wiege gelegt bekommen. Von klein auf war ich bei den Regatten meines Vaters dabei und durfte schon immer auf den Boards rumturnen. Jeden Urlaub verbrachten wir irgendwo an Seen oder am Meer, das Surfen stand immer im Mittelpunkt und hat mich schon immer fasziniert. Schon als kleines Mädel kauften mir meine Eltern die erste Surfausrüstung, so nach und nach bin ich dann auf größere Segel umgestiegen, die Boards wurden dann deutlich kleiner. Oft tauschen wir in der Familie auch Material durch, haben zum Freizeitsurfen eine recht gute Materialpalette, jedoch nicht mehr zum Regattafahren. Hier habe ich ein Board vom Surf-Club gestellt bekommen, die beiden Riggs haben mir meine Eltern gekauft.

Seit Herbst 2015 bist du auch im Regatta Surf-Club Chiemsee und bekommst dort regelmäßiges Training angeboten. Bringt das im Club mehr als mit dem Papa? Ja, wir haben vom RSCC aus dieses Jahr bereits zwei Trainingslager absolviert. Das erste war eine Woche in den Osterferien in Hyères – Südfrankreich, das zweite in den Pfingstferien eine Woche am Gardasee – in Torbole. Die Trainingslager sind sehr effektiv, da wir mit Tim Poggemann einen sehr guten Trainer haben. Die Gemeinsamkeit mit den anderen Jugendlichen vom RSCC ist genial. Wir unterstützen uns gegenseitig mit Tricks, Tipps und Material, helfen und halten zusammen.

Neben dem Training bietet der RSCC auch gemeinsame Fahrten zu den Regatten an, mit Materialtransport auf dem Hänger. Ist das mehr Anreiz? Da wir leider nicht am Chiemsee wohnen, wo der Surf-Club sein Clubheim hat und viele der anderen Jugendlichen in der Nähe wohnen, fahre ich in der Regel immer mit meinen Eltern zu den Regatten. Der Chiemsee ist von mir aus etwa eine Stunde entfernt, daher kann ich das Angebot der gemeinsamen Fahrten seltener wahrnehmen.

Selina Horber: "Mit meinen Eltern nutze ich jede Gelegenheit, um aufs Wasser zu kommen, das gelingt uns immer ganz gut.”

Du trainierst immer mit den Jungs, macht das einen auch besser? Wir machen da keinen großen Unterschied bezüglich der Geschlechter, wir surfen alle gemeinsam und auf dem Wasser muss jeder seinen Mann/Frau stehen. Das Training in der Gruppe macht uns stark. So hat es auch riesig Spaß gemacht, beim deutsch-französischen Austausch des DSV mit in die Bretagne zu fahren. Dort waren die zehn besten deutschen Surfer und haben mit sieben Franzosen für zehn Tage gut trainiert. Es hat uns alle besser gemacht.

Bei der Deutschen Jugend-Meisterschaft hast du alle Gegner hinter dir gelassen. Wie haben die Jungs reagiert? Dass ich bei der Deutschen Jugend-Meisterschaft gewonnen habe, hat viel mit Glück zu tun gehabt. Eigentlich wäre ich nur Zweiter gewesen, aber im letzten Lauf konnte Richard Sprenger nicht mehr starten, so dass ich Erster wurde.

Im Oktober willst du noch bei der WM am Gardasee starten. Ab Mitte 2017 darfst du aber aus Altersgründen nicht mehr auf dem Bic Techno 293 antreten. Wie soll es dann mit deiner Regattakarriere weitergehen? Ist Slalom eine Alternative? Langfristig will ich schon versuchen auf Slalom umzusteigen, obwohl ich noch kaum Erfahrungen darin habe. Aber die paarmal, wo ich das Slalom-Zeug von meinem Dad nehmen durfte, haben mir so Spaß gemacht, dass ich mir später etwas in dieser Richtung gut vorstellen könnte. Wobei ich das Olympiaboard RS:X durchaus auch gerne mal probieren würde.

Für die Disziplin Slalom benötigst du mehr Material, zwei Boards, mehrere Riggs und schnelle Finnen. Woher nehmen? Ich versuchte das irgendwie selber zu finanzieren. Doch nun werde ich von Fanatic und North Sails mit Material unterstützt. Axel Wallem hat mich beim Kids Camp von Vincent Langer entdeckt.

Wie war’s dort? Viel gelernt, viel Material ausprobiert, einfach eine geile Zeit mit den anderen Jugendlichen verbracht. Und dass mich dort jetzt ein "Sponsor" sah und nun mit Material fördert, einfach genial.

Deine Ziele für die nächste Saison? 2017 will ich weiterhin viel Spaß am Surfen haben, die Trainingslager vom RSCC und vom DSV weiter absolvieren, teils eben Bic fahren, dann mich aber auch an Slalomregatten versuchen. Ich werde einfach mal mit reinschnuppern. Weitere Kontakte zu den anderen Surfern aufbauen, egal ob aus Italien, Frankreich oder den anderen europäischen Ländern. Klar, die Schule wird auch ihre Zeit bekommen, aber ansonsten würde ich schon gerne jede freie Minute auf dem Wasser verbringen.

Sind Vorbilder Motivation für dich? Wenn ja, welche? Mein größtes Vorbild war schon immer und wird auch immer mein Dad sein. Ansonsten bewundere ich eigentlich alle guten Surfer, natürlich die Profi-Surfer besonders, aber ich will mich in dieser Hinsicht nicht festlegen. Es gibt so viele gute Fahrer und alle sind in gewisser Weise Vorbilder.

INFO-BOX SELINA HORBER

Alter: 16 Jahre Geboren: 13.07.2000 Wohnort: Garmisch-Partenkirchen Beruf: Schülerin am Werdenfels-Gymnasium Größe/Gewicht: 160 cm/58 Kilo Surft seit: 2008 Regattadebüt: 2015 bei der Bayerischen Jugend-Meisterschaft am Chiemsee Surf-Club: Regatta Surf-Club Chiemsee Erfolge: 2016 Deutscher Jugend-Meister auf dem Bic Techno 293 Lieblingsspots: Gardasee, Idrosee, Walchensee, Fehmarn, Brouwersdam Lieblingsdisziplinen: Kursrennen, Slalom Hobbies: Surfen, Zeichnen, Wandern Sponsoren: Bis jetzt meine Eltern, seit dem Kids Camp von Vincent Langer unterstützen mich Fanatic und North Sails mit einem Slalomboard und zwei Riggs Webpage: Noch keine, soll aber bald folgen  

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 9/2016 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

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