Redaktion

Stefan Horrer

  • Christl Borst-Friebe
23.04.2012

Ein Pendler zwischen zwei Kontinenten – immer wieder zieht es Freestyler Stefan Horrer in seine neue Wahlheimat Brasilien – zu Wind, Frau und Kind – und zum Ritt in der Welle. Als Kontrast bietet Europa dem Böblinger bei der Rückkehr sporadische Auftritte bei der EFPT – und einen Job im elterlichen Auto-Business.

Den Einstieg kennt man – der Vater stellt den Filius aufs lange Brett. Viel zu schwer das Rigg, viel zu träge das Board, der Durchbruch zum “angefressen sein” kam erst auf Hawaii, als der kleine Stefan den großen Robby Naish in den Wellen vor Hookipa rumturnen sah. “Da hat’s gefunkt”. Bei vielen Urlauben am Gardasee rockte dann der Youngster seinen Freestyler und stieg bald sporadisch auf der European Freestyle Pro Tour (EFPT) ein. Semiprofessionell, denn das Studium erforderte Zeit und der anschließende Job im elterlichen Autohaus bietet mehr Sicherheit. Zumal Horrer von seinen Trips nach Brasilien gleich Frau und Kind mitbrachte. “Die wollen versorgt sein”, so der junge Familienvater.

Wie kommt man als Freestyler gleich zu Frau und Kind in Gostoso?

Die Eltern von meiner Lebensgefährtin Vanuzia haben ein Fischrestaurant am Strand. Dort hab’ ich sie durch meinen Freund kennen gelernt. Jetzt lebt sie auch hier in Böblingen, lernt Deutsch und wir heiraten bald.

Reisen soll ja bilden, wie sieht’s bei dir mit Sprachen aus?

Okay, in der Schule war ich ziemlich faul, hab’ gerade immer so das Weiterrücken geschafft. Denn ich wusste, eine Ehrenrunde heißt ein Jahr weniger reisen – und weniger surfen. Neben Englisch und Französisch spreche ich jetzt Portugiesisch, Spanisch und verstehe Italienisch und Holländisch.

Du hast in Gostoso in der Surfstation “Dr. Wind” von Paolo Migliorini gejobbt. Die beste Möglichkeit, bei internationalem Publikum Sprachen zu lernen, oder?

Klar, den Rat kann ich jedem mitgeben.

Du wirst von namhaften Sponsoren unterstützt, obwohl du nur semiprofessionell freestylst.

Manfred Rassweiler hat mich dort auf einem Pryde-Händlermeeting angesprochen, er gibt mir jetzt Equipment.

Hast du jemals ernsthaft an eine Profikarriere gedacht?

Weniger, denn zwischendurch bin ich auch mal drei Jahre extrem viel Freestyle-Ski und Motocross gefahren und habe eine Ausbildung in der Schweiz zum Skilehrer gemacht.

Du warst auch viel am Gardasee tricksen.

Ja, als Jugendlicher bin ich oft mit meinen Eltern dort gewesen, da siehst du viele gute Fahrer freestylen. Das Training mit diesen Leuten bringt dich schnell auf ein besseres Niveau.

Vom Lago nach Brasilien, wie kommt’s?

Nach meiner Zeit im Schnee wollte ich wieder aufs Wasser und reisen. Und Brasilien bietet mit San Miguel do Gostoso ein traumhaftes Revier. Bin immer öfter hin, auch mal für fünf Monate, hab dort gejobbt, und dann ergeben sich einfach soziale Kontakte. “Schule und Studium sollten immer Vorrang haben neben dem Windsurfen. Man kann beides, wenn man will, zusammen hinkriegen.”

Mittlerweile zählt auch Kauli Seadi, der in Gostoso auch eine Surfstation betreibt, zu deinen Freunden. Gehst du öfter mit ihm in die Welle?

Gostoso ist klein und da muss man sich treffen. Mit Kauli zu surfen, ist einfach genial. Vor allem, da ich mich in Zukunft mehr auf die Welle konzentrieren will.

Dann reicht dir Brasilien wohl bald nicht mehr?

Ich will noch viel reisen, Südafrika, Peru, Hawaii, da warten noch einige Wellen auch mich.

Du bist studierter Diplom-Ökonom, arbeitest aber im Autohaus deiner Eltern und verkaufst fette Limousinen mit dem Stern. Wie kommt’s?

Mein Vater braucht Unterstützung, jetzt vertick ich ohne Ende Vianos! Und wenn jemand mal ein jungen Gebrauchten braucht, sollte er bei mir an der richtigen Adresse sein.

Hat dich deine Familie bei deinen Unternehmungen immer unterstützt?

Von klein auf, zumal meine Eltern auch sehr sportiv sind – Windsurfen, Skifahren, MTB haben einen hohen Stellenwert. Meine Trips musste ich mir aber immer selber verdienen, was auch gut so ist. Aber eine intakte Familie erleichtert vieles in der Entwicklung.

Das kannst du nun auch an deinen Ziehsohn weitergeben.

Hab’ ich schon, Gustavo ist mit seinen sechs Jahren schon in der Lagune von Gostoso auf dem Brett gestanden. Ich glaube, er hat Talent.

INFOS:

Alter: 29 Jahre Wohnorte: Böblingen und Gostoso/Brasilien Surft seit: 1995

Beruf: Dipl. Ökonom und Autohändler Lieblingspots: Gardasee und Gostoso/Brasilien Lieblingsmove: Goiter Erfolge: 2003 6. Platz EFPT in Bol Sponsoren: JP-Australia/NeilPryde/Animal/MFC/Mercedes Horrer Lieblingsmusik: Harter Rock z.B. Böhse Onkelz Lieblingsessen: Käsespätzle von „Mama Angela“ Hobbys: Ski fahren, Motocross

Aus Freestyle wird immer öfter Freestyle in der Welle. Stefan hat an dem Brasilien-Spot Lagoa do Sal reichlich Gelegenheit.

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