Stefanie Schwarz

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 9 Jahren

Deutsche Weltmeisterinnen wie Jutta Müller, Natalie Siebel, Andrea Hoeppner und Amelie Lux kannte früher jeder Windsurfer. Die letzten Jahre hielt nur noch Moana Delle auf dem Olympiaboard RS:X die deutsche Flagge hoch. Nun bekommt sie Verstärkung – die 17-jährige Stefanie Schwarz konnte auf dem Jugendbrett Bic Techno 293 in die internationale Spitze vorstoßen. Auf der Düsseldorfer boot wurde sie jetzt als „Windsurf-Talent des Jahres“ ausgezeichnet.

Ihre Trainerin Regina Stadler vom Regatta Surf-Club Chiemsee, die sie seit dem Einstieg 2008 ins Windsurfen betreut, ist überzeugt: “Die Stefanie kann noch eine ganz Große werden.” Das hat die Schülerin aus Schondorf 2011 bei der Europameisterschaft auf Sardinien bewiesen. Bei den Girls in der Altersklasse U17 surfte Stefanie bei zum Teil sehr anspruchsvollen Bedingungen auf Rang acht. Kurz vorher hatte es bei der Deutschen Meisterschaft auf der Ostsee vor Warnemünde zum zweiten Rang im gemischten Feld der Jungs und Mädels gereicht.

Du kommst aus einer reinen Seglerfamilie, bist früher im Optimist gesegelt. Wann und warum der Umstieg aufs Windsurfen?

So mit 14 wurde ich zu schwer für den Optimist. Da sah ich mal die Werbung für den Bic Techno 293 in der Opti-Zeitung, fand das Windsurfen als Alternative ziemlich interessant. Ich musste allerdings viel Überzeugungsarbeit zuhause leisten.

Deine sportliche Heimat ist der Regatta Surf-Club Chiemsee. Über 100 Kilometer entfernt von deinem Wohnort am Ammersee. Weshalb?

Ich hab’ mich informiert, wo Trainings angeboten werden. Und da war der Club in Prien-Harras die einzige Möglichkeit. Da sind wir nach einer Opti-Regatta einfach mal an den Chiemsee zum Testsurfen gefahren. Später trat ich dem RSCC bei.

Das gemeinsame Training dort am Stützpunkt, war das der Grund für deinen Erfolg?

Hauptsächlich gehe ich alleine am Ammersee aufs Wasser. Zum Training fahren wir aber auch mit dem Club an verschiedene Reviere, wie Gardasee, Ostsee oder Mittelmeer. Dort haben mich zuerst Toni und dann Regina Stadler in der Gruppe trainiert.

Bist du dort das einzige Mädchen? Oder gibt es mehrere?

Ein paar jüngere Mädchen sind auch dabei.

Trainiert ihr mit den Jungs zusammen?

Immer, das fordert mich als Mädchen mehr und macht einen besser.

Bei der DM musstest du gemeinsam mit den Jungen starten? War das fair?

Bei der EM fuhren ja Boys und Girls getrennt. Es gibt in Deutschland wenige Mädchen, die bei einer DM starten, also gehen alle zusammen aufs Wasser. Bei kleinen Regattafeldern ist es in Ordnung, wenn gemischt gestartet wird.

Du hast in Warnemünde bis auf einen Jungen alle anderen abgehängt. Wie war die Reaktion der Konkurrenten, nach deinem zweiten Platz?

Keiner war geknickt, keiner war böse.

Eigentlich hätte doch dann die WM in San Francisco dein nächster Start sein sollen. Sie fand aber ohne dich statt. Warum?

Wäre schön gewesen, es gab dort meine Bedingungen mit Wind und auch Welle. Aber der Aufwand dafür wäre viel zu groß gewesen.

Wird in Deutschland die Jugend zu wenig gefördert?

Nein, in Surfclubs wird sicherlich genug getan, aber große Events, die so weit weg sind wie San Francisco, bleiben Titelfavoriten vorbehalten.

Für deinen Start bei der EM in Cagliari auf Sardinien, gab’s da irgendwie Unterstützung?

Ja, ich bin ja im Audi Sailing Team, der Verband hat mich ordentlich unterstützt und auch meine Eltern taten was dazu.

In sechs von zwölf Rennen konntest du dich dort in den Top Ten platzieren, einmal sogar auf Rang vier, am Schluss kam Rang acht raus. Wie war das Niveau?

Sehr hoch, die Konkurrenz aus Frankreich, Italien, Israel, Polen und Großbritannien ist sehr stark.

Die Auszeichnung jetzt in Düsseldorf als “Windsurf-Talent des Jahres”, eine Überraschung, oder?

Voll, ich war platt, als ich es am Telefon hörte und hab’ mich sehr gefreut.

Der Preis, die 2012 Euro Fördersumme, wo steckst du die hin?

Ich will mich für die ISAF Jugend-WM in Irland qualifizieren. Wenn’s klappt, wäre das gleich ein Reisekostenzuschuss.

Aus Altersgründen war die Saison 2011 deine letzte auf dem Bic Techno 293. Wie geht’s jetzt weiter? Steigst du auf den RS:X um?Wenn ja, welche Ziele hast du da?

Ich trainiere schon auf dem RS:X, will es ausreizen, soweit es geht.

Olympia 2016 in Rio de Janeiro, könnte das Anreiz für dich sein?

Falls Windsurfen im olympischen Programm bleibt, auf jeden Fall. Mal schaun, was im Frühjahr entschieden wird. Ich hoffe doch, dass die Funktionäre Windsurfen dem Kitesurfen vorziehen.

Sport und Schule, wie vereinbarst du beides?

Klappt ganz gut, nach dem Abi will ich studieren und viel von der Welt sehen.

Info-Box

Geburtsdatum/-Ort: 14.3.1995/München

Wohnort: Schondorf am Ammersee

Beruf: Schülerin in der Q11 am Rhabanus Maurus Gymnasium in St. Ottilien

Surft seit: 2008

Segelnummer: GER-782

Homespots: Ammersee, Chiemsee

Club: Regatta Surf-Club Chiemsee

Erfolge 2011 auf dem Bic Techno 293: Deutsche Vize-Meisterin U17,

8. Platz EM U17, 2. Platz Jahresrangliste

Sponsoren: Audi Sailing Team, BSV und Eltern

Hobbys: Schwimmen, bei Flaute auch mal SUPen

Der Durchbruch: Bei der EM der internationalen Jugendklasse Bic Techno 293 vor Cagliari auf Sardinien surfte Stefanie Schwarz (GER-782) in die Top Ten.

Themen: Stefanie Schwarz


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