Steven van Broeckhoven

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 9 Jahren

Eigentlich passt er nicht so recht in das Bild, das man von einem Freestyle-Weltmeister hat. Der Belgier Steven van Broeckhoven hat nichts Ausgeflipptes, ist an Land alles andere als ein Show-Typ und eher Mann als Wunderkind. Auf dem Wasser aber explodiert der Modellathlet regelrecht.

Zugegeben, es war erneut denkbar knapp, das zwölfte Aufeinandertreffen der laufenden Saison zwischen den Dauerrivalen Steven van Broeckhoven und Kiri Thode. Sieben Mal gewann der Belgier den Krimibisher, vier Mal der Mann aus Bonaire. Niemand am Fuerte-Strand, der das Halbfinale gesehen hat, möchte sich auf einen Sieger festlegen. Nur darüber, dass man nicht in der Haut der Judges stecken möchte, herrscht allgemeiner Konsens.

Mit 3:2 Stimmen setzt Steven sich schließlich durch. Er freut sich, bleibt aber gelassen, denn er weiß noch nicht, dass er mit einem Finalsieg gegen Gollito bereits vorzeitig den Weltmeistertitel klarmachen kann. Ohne Druck geht er in den nächsten Heat und schlägt den Venezolaner. Dass er gerade etwas Großes vollbracht hat und der erste europäische Weltmeister in der Ära des modernen Freestyles ist, wird ihm erst Stunden später zugetragen – per SMS in seinem Hotelzimmer.

Irgendwie typisch für Steven, dass er auf diese Art vom Gewinn des Titels erfährt. Keine Siegesfeier mit Trommelwirbel und Konfetti, keine Sektdusche, kein Stage Dive vom Siegertreppchen ins Publikum. Es geschah leiser. Ein kurzer Piepton auf seinem Handy, eine Umarmung mit Freundin Sweta, ein Dinner mit seinen Eltern beim Italiener und schließlich eine kurze Dankesrede bei der abendlichen Siegerehrung. Das passt zu Steven – spektakulär auf dem Wasser, schnörkellos an Land.

Wenn man nach den Gründen für seinen sportlichen Erfolg sucht, muss man vielleicht bei genau diesem Wesenszug ansetzen. Stevens Surfstil ist kraftvoll und elegant zugleich. Eine Mischung aus Abräumer Dieter Eilts und Zauberfuß Messi. Wenn er seine Moves landet, dann mit Überzeugung. Niemals drückt er sein Board in eine unnötige Drehung, um ein Manöver künstlich aufzuwerten. Während viele Fahrer einen Double Flaka bodennah sliden, springt Steven entweder in die zweite Rotation, oder er verzichtet gänzlich auf zusätzliche 360 Grad, um lieber flüssig durch einen einfachen Flaka zu gleiten. Spektakulär, aber schnörkellos eben. Die Punktrichter scheint er in der laufenden Saison damit überzeugt zu haben, denn oft war das Weiterkommen gegen Gegner wie Kiri oder Gollito dieses Jahr eine Frage des Styles.

Einen weiteren Schritt zur Entschlüsselung des geheimnisvollen van-Broeckhoven-Gens liefert dessen Kleidungssponsor O’Neill, der den Belgier zusammen mit einem erfolgreichen Kitesurfer und Wellenreiter zu einer sportmedizinischen Untersuchung schickte, um mehr über das Belastungsprofil von Boardsportlern herauszufinden. Erstaunlich schnitt dabei vor allem Stevens Oberschenkelmuskulatur ab. Mit 400 Kilogramm Stemmkraft ordnete sich sein Quadrizeps in einem Bereich ein, der höher liegt als der eines durchschnittlichen Profi-Radrennfahrers. Eine Erklärung für Stevens Gummiballartigen Surfstil scheint also gefunden zu sein. Wer ihn bei seinen Signature Moves, dem Air Funnel into Funnel und Burner into Puneta gesehen hat, dürfte ohnehin vermutet haben, dass in seinen Oberschenkeln Sprungfedern verbaut sein müssen. Auch im Fahrerfeld wird ihm eben diese Fähigkeit, auch bei wenig Wind das Brett noch einmal explosiv herauszupoppen, liebevoll als “Magic Pop” attestiert.

Das gesamte Portrait über Steven van Broeckhoven lest ihr als PDF-Download.

Ob Podersdorf in einer kalten Winternacht oder Badewannen-Bedingungen in der Karibik. Steven ist steht’s motiviert und selten 100 Prozent mit sich selbst zufrieden.

Steven van Broeckhoven prägte den Begriff der Power Moves. Niemand katapultiert sich so explosiv in spektakuläre Manöver.

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