Tim Poggemann

  • Alois Mühlegger
 • Publiziert vor 7 Jahren

Der große Blonde vom Chiemsee schoss als Youngster im Deutschen Windsurf-Cup in seiner ersten Saison gleich in die Top Ten. Doch Tim verbesserte nicht nur sich selbst, seit er in Kiel studiert, er gibt sein Know-how als Trainer auch an die noch Jüngeren weiter.

Vom Chiemsee an die Ostsee – Tim Poggemann lässt es auch gerne in der Welle vor Weißenhaus krachen. 

Ein Salto mit missglückter Landung im Sand, dabei den siebten Halswirbel gebrochen – die sportliche Karriere eines jungen Windsurf-Talentes wäre 2012 um ein Haar schon frühzeitig beendet gewesen. Und die Trainingsgruppe des Regatta Surf-Club Chiemsee hätte sich nach einem neuen "Vorturner" umsehen müssen. Mittlerweile surft Tim Poggemann wieder wie der Teufel und mischt im DWC kräftig mit.

Tim, spürst du noch Nachwirkungen? Nein, die nicht ganz geglückte Aktion vor eineinhalb Jahren ist überstanden. Ich musste zwar ein halbes Jahr pausieren, bin auch regelmäßig zur Krankengymnastik gegangen, aber hängengeblieben ist nichts.

Miro Klose dreht nach einem Tor auch keinen Salto mehr. Lässt du es nun? Muss nicht mehr sein. Mein Pech war, dass ich beim Absprung in ein Loch stolperte, sprang, bei der Landung umkippte, da war’s passiert.

Das hat dich jetzt aber nicht gehindert, nach deinem Umzug vom Chiemsee nach Kiel richtig Gas zu geben. Überhaupt nicht, ich bekam im Norden ’nen richtigen Schub.

Erzähl doch mal, wie’s bei dir anfing mit der Surferei? Wie bei vielen. Meine Eltern surfen, nahmen mich immer mit. Als Siebenjähriger stand ich am Gargano erstmals auf dem Board, dann bekam ich Kontakt zum RSC Chiemsee, ging dort mit elf in die Jugendgruppe. Die machen dort seit Jahren gute Nachwuchsarbeit, und veranstalten viele Regatten.

Und irgendwann war’s auch bei dir soweit? Du wolltest dich mit anderen messen, oder? Mit zwölf Jahren stand ich dann auf dem Bic Techno 293 erstmals an der Start­linie. Da sprang der Funke über.

Du hast aber auch andere Dinge ausprobiert? Immer nur Dreieck, das fand ich auf Dauer fast langweilig. Hab’s dann zwischendurch auch mit Freestyle versucht, leider fehlte mir am Chiemsee aber dafür regelmäßiger Gleitwind.

"Ich möchte 2014 in der Jahresrangliste des DWC in die Top Five fahren". Tim Poggemann, DWC-Cupper und Nachwuchs-Trainer

Slalom, wie war’s damit? Ich wurde für den Bic Techno 293 schnell zu groß und zu schwer, hatte aber auf Formula- und Slalombrett mit meinem guten Hebel Vorteile. Mit 15 bin ich dann beim Long Distance Grand Prix in Almanarre angetreten, da waren Profis am Start wie Anders Bringdal und Cyril Mousilmani. Das hat mich beeindruckt und fasziniert.

Vor deinem Unfall bist du schon mal beim DWC auf Sylt und diversen Regatten in der Schweiz und am Gardasee angetreten. Hattest du schon Top-Material dafür? Keineswegs, ich bin mit einem gebrauchtem 105-Liter-Slalomboard, einem F2 SX, eingestiegen. Auch meine Freerace-Segelpalette war noch bunt gemischt, das 6,0er von Gun Sails, das 8,0er von Simmer.

Und konntest du mithalten? Durchaus, auf Sylt wurde ich schon bester Jugendlicher. Das motivierte natürlich.

Viele Einsteiger glauben oft, ohne aktuellstes Spitzen-Material wie das der Top-Fahrer bräuchten sie gar nicht anzutreten. Wie siehst du das? Kann ich nicht unterschreiben, Mittlerweile sind die Entwicklungssprünge nur noch minimal, viel mehr Erfolg verspricht ein schnelles Brett, auf das man sich über längere Zeit richtig eingefahren hat.

Auch deinen ersten Formula-Renner hast du dir gebraucht am Strand gekauft. Als Schüler hast du ja nicht viel Geld in der Tasche. Dick Hoekstra, der jedes Jahr aus Holland zum Chiemsee Insel-Marathon anreist und auch meistens gewinnt, hat immer auch gebrauchten Stuff im Hänger. Da ging so ’ne breite Flunder für wenig Kohle her.

Die hat dir auch Glück gebracht, Platz sieben in der Jahresrangliste Formula- Racing 2013. Wer konstant alle Regatten mitsurft, hat schon mal ein Plus. Und da haben sich ein paar Profis wie Langer oder Asmussen schwer getan, die setzen mittlerweile auch andere Prioritäten. Aber es ist schon ein tolles Gefühl, als Youngster zu den Top Ten im DWC zu gehören.

Tim trainierte, zusammen mit Regina Stadler, den Nachwuchs des RSC Chiemsee auf dem Bic Techno 293. Jetzt will er ein Slalom-Team aufbauen mit drei Jugendlichen, die aus dem Bic Techno "rausgewachsen" sind. 

Du machst beim DSV auch eine Ausbildung als Trainer. Hast du da Ambitionen? Klar, ich möchte meine Erfahrungen weitergeben. Wir haben eh zu wenig Nachwuchs im Windsurf-Cup. In meinem Club, dem RSCC, scheiden jetzt drei Jugendliche aus Altersgründen aus der Bic-Klasse aus. Auf RS:X oder langes Raceboard wollen sie nicht umsteigen, sie möchten mehr Action. Und wir wollen sie beim Surfsport halten.

Was steht an – hast du einen Plan? Slalom könnte das Rezept sein. Die drei RSCC-Jugendlichen wollen der Club und ich ranführen. Gebrauchtes Material haben sie sich teilweise schon besorgt. Regatten am Lago wie One Hour, Rennen in der Schweiz an diversen Seen und vielleicht auch mal zu einem Stand-by-Long-Distance nach Fehmarn bieten sich an.

Gibt’s Unterstützung? Hoffe ich, von den Eltern, vom Club, vielleicht auch von Sponsoren. Wir versuchen es jetzt einfach mal, um den Jugendlichen eine Chance zu bieten.

PROFIL

Tim Poggemann

Alter: 20 Jahre Wohnort: Früher Bad Endorf, jetzt Kiel Ausbildung: Abi, studiert Geographie, später Sport, macht nebenbei auch noch die Ausbildung für die DSV-Trainer-Lizenz Leistungssport Größe/Gewicht: 186 cm/78 Kilo Segelnummer: GER-130 Sponsoren: Gun Sails, ib-pastor, es dürfen gerne aber noch mehr werden Surft seit: 2001, mit sieben Jahren erstmals auf dem Brett gestanden, durch meinen Vater zu Regatten motiviert Regattadebüt: 2005 auf dem Bic Techno 293 Erfolge: 2010 IFCA Jugend-Slalom-WM 11. Platz, 2013; 9. Platz Overall-Rangliste im DWC/7. Platz Rangliste im Racing der Formula Windsurfing; 2013 bester deutscher Youngster bei der DM auf Sylt Lieblingsspots: Weißenhaus, Hanstholm, Sal/Kapverden Lieblingsmoves: Shaka, Pushloop Lieblingsdisziplin: Natürlich in der Welle surfen, als Wettkampf-Disziplin den Slalom Hobbies: Snowboarden, Schwimmen Ziele: In der Welle noch weiter verbessern, in der Jahresrangliste 2014 im Deutschen Windsurf-Cup unter die Top Five fahren

Themen: Tim Poggemann


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