Tobi Ullrich Tobi Ullrich Tobi Ullrich

Tobi Ullrich

  • Stephan Gölnitz
 • Publiziert vor 7 Jahren

Manchmal könnte man glauben, er kann auf zwei oder drei Seen gleichzeitig surfen und dabei auch noch in Echtzeit Fotos ins Facebook stellen. Dabei steht er doch den ganzen Tag im Shop. Oder etwa nicht? Wir haben den Mann getroffen, der, ohne bei Regatten anzutreten, so viel Präsenz zeigt wie drei DWC-Teamfahrer gleichzeitig. Bei rund 80 Surftagen im Jahr – „nur dahoam ohne den Urlaub“ – kein Wunder.

Nach dem Motto: Lieber offene Hände vom Schredden als vom Schrauben, wurde aus dem KFZ-Mechaniker Tobi Ullrich der Shop-Verkäufer und nebenbei eine der aktivsten Gestalten im süddeutschen Windsurfgeschehen.

Mit hyperaktivem Facebook- und Beach-Engagement ist Tobi Ullrich für seine Sponsoren und den Shop vielleicht wichtiger als mancher Contest-Fahrer. Sein Baby ist aber der von ihm organisierte "Speed Kini". Ein Event für Jedermann.

Auf wieviele Surftage bringst du es eigentlich im Jahr? So 60 bis 80 etwa – aber nur hier gerechnet. Mit Urlaub am Gardasee werden es dann natürlich mehr. Dieses Jahr waren es erst 12 (die Red.: Mitte März), weil die guten Kochelseetage alle unter der Woche waren.

Freestyler sieht man oft am Ammersee, wo surfst du meistens? Hier in Allmannshausen am Starnberger See. Oder am Walchensee, auch am Kochelsee. Am Gardasee bin ich logischerweise saugerne. Der angebliche Unterschied vom Wind zwischen Ammersee und Starnberger See ist übrigens nur im Kopf. Ich fahre da fast täglich lang – da ist genau derselbe Wind.

Man hat jedenfalls den Eindruck, dass du immer da bist, wo auch der Wind gerade ist. Ist das die Erfahrung? Das ist alles relativ simpel. Ich schaue im Prinzip nur Wetteronline. Einmal die Grundströmung und für Föhn am Kochelsee noch die Stationen auf dem Hohenpeißenberg und Patscherkofel.

Tobi Ullrich: "Am meisten freut mich, wie viele Leute ich mit dem Event zum Slalom ziehen konnte – sogar Fabi Weber ist momentan auf Platz drei."

Du hast eine "spezielle" Segelrange? Ich hab’ nur Segel von 6,3 bis 9,7. Ich hatte letztes Jahr ein 5,6er und den 87er iSonic und habe dann das Segel zweimal gefahren und das Brett dreimal. Der 107er jetzt – ich hab’ fast 100 Kilo – der geht ewig. Selbst am Kochelsee, wenn die anderen mit Freestylezeug und 4,0 fahren, bin ich immer noch 7,2 gefahren. Das ist, wie auch bei meinen Spezln, der Standard bei Slalommaterial. Ich kenne wenige, die ein 5,6er-Slalomsegel haben. Das macht dann keinen Spaß mehr, da muss es ja 45 Knoten haben, wenn du mal 5,0 als Racesegel brauchst.

Hast du kein Interesse, bei Regatten mitzufahren? Schon. Aber keine Kohle dafür. Das ist für einen Süddeutschen echt schwierig irgendwo an der Küste mitzufahren – wegen der weiten Anreisen.

Ist das ein Problem in der deutschen Regatta-Szene? Eindeutig. Ich hab’ bei Veranstaltern mal gefragt, ob die nicht Interesse hätten, dass man am Walchensee mal ’ne Regatta macht. Wo es ja definitiv im Sommer windsicherer ist als im Norden. Da war kein Interesse. Da fahre ich dann lieber zum Gardasee und so Rennen wie die One Hour sind auch lustig – auch wenn sie es letztes Jahr total verpatzt haben. Ich würde am Walchensee gerne mal selber ein Event machen, aber die Bürokratie ist der Wahnsinn. Wir hatten letztes Jahr ein Treffen mit dem "Black-Sheep-Team" und wollten da einen Grill aufstellen – kriegt man nicht genehmigt. Am nächsten Tag ist dann das Wikingerfest, wo sie alles grillen was es gibt.

Du bist aber auch häufig am Gardasee. Da sind viele Freunde, auch im "Black-Sheep-Team" mit Andrea Cucchi und Alberto Menegatti. Und wenn man zu den Jungs hingeht, und du hast ’ne Frage – die helfen dir auch. Und wenn du hinter denen herfährst – mifahren kann man ja nicht (lacht) – da lernst du richtig was. Hier bin ich bei den Schnellsten dabei und dann komm’ ich an den Lago und denke: Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Die fahren dir so um die Ohren. Am Ende des Urlaubs war es dann so, dass ich auf der Geraden schon ranschnuppern konnte. Nach der Halse sind die dann natürlich weg.

"Black Sheep"-Treffen am Gardasee. Tobi (links) mit der italienischen Herde und Point-7-Boss Andrea Cucchi (rechts).

Als Alternative hast du einfach eine eigene Veranstaltung, den "Speed-Kini", aufgebaut? Und das geht jetzt richtig rund. Den German Speed King gibt es ja schon länger, doch die fahren im Norden auf Flachwasser ihre 40+ Knoten. Da kannst du als Bayer nicht mitfahren. Das geht nicht auf dem Kabbelwasser. Also wird bei uns nur auf bayerischen Gewässern gefahren.

Du hast fürs Windsurfen deinen "richtigen" Job an den Nagel gehängt und deine Kumpel haben gesagt "der ist verrückt". Ich hatte da schon immer mal in Peißenberg bei Hang Five ausgeholfen und dann hat der Thorsten (die Red.: Inhaber Hang Five) irgendwann gesagt, dass er jemanden fix braucht. In der Werkstatt musst du von acht bis sechs da sein, auch wenn nix los ist. Es könnte ja noch einer kommen. Wenn wir zu zweit im Shop stehen und es fängt Wind an, dann sagt der Thorsten schon öfter mal "Komm, geh!" Der Shop macht jetzt auch erst um 10 Uhr auf und am Kochelsee steh ich dann in der Früh um sechs da, sobald es hell wird. Wenn ich dann um neun wieder wegfahre, passt das noch.

Deine Eltern waren vom Jobwechsel wahrscheinlich nicht begeistert? Das ging eigentlich. Mein Vater hat eh immer gesagt "Bist blöd – lernst Mechaniker", weil er selber sein Leben lang hart gearbeitet hat, und das jetzt spürt.

Deine Hände sind heute aber auch ganz schön kaputt. Weil ich am Sonntag am Starnberger See sechs Stunden durchgehend ohne Pause nur Vollgas am Glühen war. Das war so ein richtig geiler Tag.

Dein Vater ist aber auch begeisterter Surfer, das hat sicher geholfen? Ja, ich hab’s von ihm gelernt, hier am See. Dann hat er es, auch wegen uns Kindern, vernachlässigt. Ich hab’ ja auch zwischendurch Fußball gespielt bis das Knie kaputt war. Und jetzt gibt’s seit sechs Jahren wieder nur surfen, surfen, surfen. Und da ist mein Vater dann mit seinem alten Glump angerückt, das er früher schon hatte. Dann hat er sich einmal auf mein Board gestellt und war sofort voll infiziert. Seitdem geht er – immer wenn er kann – surfen.

Und was sind deine Pläne für 2014? Den Andi Laufer vom Spitzenplatz beim Speed Kini verjagen, das ist klar (lacht) – und die 35 Knoten knacken.

PROFIL

Alter: 32 Jahre Geboren: 9. August 1981 Wohnort: Wolfratshausen Beruf: KFZ-Mechaniker; Windsurf-Händler bei "Hang Five" in Inning/Ammersee Größe/Gewicht: 190 cm/98 Kilo Erfolge: Schnellster auf Bayerischen Seen beim Speed Kini 2013 Lieblingsspots: Starnberger See, Walchensee, Kochelsee, Sardinien Lieblingsmoves: Speed, Race Jibe Sponsoren: Starboard, Point-7, Hang Five, Winheller Prototypes, ION Webpage: www.speed-kini.de

Themen: Tobi Ullrich


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