Was macht Frank Spöttel?

 • Publiziert vor 15 Jahren

Vermutlich ist Frank Spöttel, neben Rudi Pfützenreuter vielleicht, der am längsten aktive Regattasurfer in Deutschland. Mit Sicherheit aber einer der erfolgreichsten. In den 80ern holte sich Spöttel nicht nur einen WM-Titel auf dem Mistral Competition, er wurde auch zweimal Vize-Europameister und krönte diese Periode mit dem Deutschen Meister-Titel auf dem damals neugewählten Olympiabrett Windglider. Mehr über ihn im Interview...

Nachdem er die Quali zu den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles knapp verpasste, stieg der damalige „Vollprofi“ in den Euro-Funboard-Cup ein und mischte bis in die 90er in der nationalen Spitze mit, bevor er sich dem Aufbau seiner Medienagentur widmete. Ohne aber das Regatta fahren ganz aufzugeben – Frank ist auf dem Mistral One Design bei einigen Wettbewerben noch immer vertreten.

Du bist fast 30 Jahre auf Regattabahnen unterwegs. Was motiviert dich, auch heute noch ums Dreieck zu surfen?

Ich glaube, ich bin immer etwas lockerer an die Sache gegangen als viele meiner Konkurrenten. Ich liebe den Wettkampf, aber auch die Natur und vor allem das Drumherum. Außerdem kann ich mich heute durch die verschiedenen Altersklassen mit anderen Masters messen, wobei ich auch international noch im vorderen Feld mitfahre. Damals und heute, wo liegt der gravierende Unterschied?

Früher konnte man viel mehr mit Gefühl für den Wind und Taktik bewirken, jetzt ist Regatta surfen viel athletischer und trainingsintensiver, vor allem auch durch das Pumpen, das früher ja nicht erlaubt war. Mistral Competiton oder Windglider, das waren doch richtige Tanker. Und dazu gab es noch Flatterriggs, die bei fünf Windstärken null Druckpunktstabilität besaßen.

Machte das Spaß?

Großen Spaß sogar. Wenn ich mich jetzt auf so ein Brett stelle, kann ich das gar nicht mehr glauben. Man hört heute noch immer, damals konnten Werksfahrer im Funboard-Cup richtig Kohle scheffeln. Blieb da wirklich was hängen?

Anfang der 80er herrschte in der Surfbranche noch eine Goldgräberstimmung, das Sponsorengeld saß locker. Wir jetteten um die Welt und bekamen noch Geld dafür. Damit verdiente ich mir mein Studium und eröffnete 1988 mein erstes Geschäft (die Red.: Sonnenstudios), dem bald weitere folgten.

Thomas Staltmeier war zu dieser Zeit das deutsche Jahrhunderttalent. Was hatte der und du nicht?

Stalti war ein Besessener, der nur für seinen Sport lebte und einen schon fast krankhaften Siegeswillen hatte. Ich liebte damals schon andere Dinge im Leben.

Du bist mehrmals gegen Robby Naish gesurft. Und hast ihn auch ein paar Mal besiegt. Wie war das?

Robby war immer mein Idol. Als ich ihn bei den Weltmeisterschaften geschlagen habe und plötzlich auf Augenhöhe mit ihm stand, war das ein unbeschreibliches Gefühl.

Das neue Olympiaboard RS-X löste den Mistral One Design ab. Willst du nochmal umsteigen?

Ja, ich bin sehr gespannt auf das neue Brett. Innovationen sind wichtig und vielleicht bekommen wir dadurch wieder mehr junge Leute zum Regattasport.

Wie lange wirst du noch Spaß am Regattafahren finden?

Das hängt auch davon ab, wieviel Fahrspaß der RS-X im unteren Windbereich bringt. Denn Wochenend-Regatten finden nun mal bei jedem Wind statt. Ich möchte nur Einheitsklasse surfen – ein Brett, ein Segel. Auf das Materialgerödel wie früher im Funboard-Cup habe ich keine Lust mehr. Ansonsten wartet mein Wave-Equipment in Australien.....!

Text Interview: Alois Mühlegger, Fotos: Cornelia Thiele, Christian Braatsch

STECKBRIEF

Größe/Gewicht: 175 cm/70 Kilo

Beruf: Gesellschaftender GF einer Medienagentur Segelnummer: G-114 Homespot: Starnberger See Lieblingsspot: Lancelin/Westaustralien Lieblingsbedingungen: Sonne, Wind sideshore und Wellen Hobbies: Snowboarden, Tischtennis, Reisen Musik: Rock, Pop, Mainstream Sponsoren (früher): Surfsailer, Mistral, F2, Neil Pryde, North Sails Größte Erfolge: Mistral-Weltmeister 1980, 2 x Vize-Europa-Meister 1981 Mistral und Offene Klasse, Deutscher Meister 1981 auf dem Windglider


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