Was macht Gunnar Asmussen?

 • Publiziert vor 13 Jahren

Anfang Januar 2000 gab ein blonder Hot Shot aus Niesgram sein letztes Interview fürs surf Magazin? Titel: Wer ist Gunnar Asmussen? Der Hüne von der Ostsee, gelernter Segelmacher, hatte 1999 als Newcomer im Deutschen Windsurf-Cup auf Anhieb Platz drei in der Jahresrangliste belegt und sich beim Worldcup-Racing auf Sylt sensationell mit Rängen in den Top 20 ins Rampenlicht geschoben.

Aber auch mit einer sagenhaften Dummheit gleich wieder rauskatapuliert. Asmussen benutzte ein Board, das nicht zugelassen war, eine Disqualifikation war die Folge. Die nächsten zwei Jahre liefen erfolgreich, Spitzenplätze bei Regatten und am Ende des Jahres immer in den Top Five. Experten handelten Asmussen schon als den legitimen Nachfolger von Bernd Flessner, denn Gunnar zeigte in allen Disziplinen, Racing, Slalom und Wave sein Können. Während Flessi noch immer den DWC dominiert, stürzte Asmussen ins Bodenlose ab – Alkohol, ein Unfall und falsche Freunde. 2003 surfte er beim DWC-Auftakt in Dranske seinen letzten Windsurf-Cup. Mit altem Material reichte es hinter Laufer, Wilkens noch zu Rang drei, einen Platz vor Flessner. Sein letzter Auftritt. Nun versucht ein neuer Asmussen ein Comeback. Du bist plötzlich 2003 von der Bildfläche verschwunden. Es gab Gerüchte um Alkohol und Drogen. Was war wirklich los mit dir?

Nein, ich denke nicht, dass ich Probleme mit Alkohol beziehungsweise Drogen hatte. Ich habe allerdings zu dem Zeitpunkt keine Feier ausgelassen und habe dadurch meine Möglichkeiten nicht voll ausschöpfen können. Viele Ereignisse kamen zu dem Zeitpunkt zusammen, und ich habe komplett den Überblick verloren. Nach einem schweren Autounfall und einigen privaten Problemen musste ich für mich einen Schlussstrich ziehen, um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Freunde, Gegner und Sponsoren, alles vorbei? Oder haben die Kontakt gehalten?

Nein, ich habe mich total zurückgezogen. Um mit dem Vergangenem abschließen zu können, fühlte ich mich ebenso dazu gezwungen, den Kontakt zu all denen, die mit dem Sport zu tun haben oder hatten, abzubrechen. Asmussen, damals als der neue Flessner propagiert, war’s das?

Nein, ich denke ich habe heute viel bessere Möglichkeiten als damals. Konntest du den Rummel, der um deine Person entstand, nicht ganz verkraften?

Ich denke nicht, dass der Rummel beziehungs-weise die Aufmerksamkeit viel zu meinem „Verschwinden“ beigetragen haben. Beim letzten Interview hattest du ganz eindeutig die Profikarriere im Fokus. Reizt dich das noch mal, der Worldcup?

Ja, natürlich wäre ich gerne, wenn die diesjährigen Ergebnisse stimmen, 2008 auf Sylt dabei. Danach werde ich mir über meine weiteren Ziele Gedanken machen. Wie hast du jetzt die Kurve bekommen. Schon letztes Jahr haben dich Leute beim harten Training beobachtet?

Zwei Jahre lang stand ich kein einziges Mal auf dem Board, habe mich mit anderen sportlichen Aktivitäten fit gehalten. Als es mir jedoch besser ging, hat es mich selbstverständlich sofort wieder aufs Wasser gezogen und mich der Ehrgeiz gepackt, nochmal voll durchzustarten. Dann bekam ich ein Formulaboard von Flessi und seit dem bin ich wieder voll dabei. Mistral und NeilPryde waren damals deine Sponsoren. Wer unterstützt dich jetzt?

Für mich war es sehr wichtig, extrem konkurrenzfähiges Material einsetzen zu können. Ich werde mit Boards von F2 und Segeln von North Sails an den Start gehen. Die passenden Finnen liefert mir darüber hinaus Otmar Schleenvoigt von Hurrican Fins. Zudem habe ich mich mit Florian Bandel, Denis Standhardt und Philip Horn zum „Windfinder Surfteam powered by Calm“ zusammengetan. War es schwierig, an Material zu kommen? Ich denke, viele Insider kennen mein Potenzial und somit war es nicht allzu schwer, neues Equipment zu beschaffen. Bei der Sponsoren-suche hat mir André Paskowski geholfen! Zum Wiedereinstieg bietet sich jetzt nur der DWC an. Keine Formel 25 mehr, keine One Hour mehr. Ist das nicht eine Spur zu hoch?

(Lacht) Nein! Du sollst wie ein Wahnsinniger trainieren, bei jedem Wind und Wetter auf dem Wasser sein. Wie sieht dein Programm aus?

Ich versuche natürlich, so oft wie möglich auf dem Wasser zu sein, nur leider lassen es die niedrigen Temperaturen nicht immer zu. Aus diesem Grund habe ich mich auf die körperliche Fitness konzentriert. 100 Kilometer Fahrradfahren, 30 Kilometer Lauftraining und dreimal Krafttraining stehen pro Woche an. Trainierst du allein oder hast du Partner auf dem Wasser?

Ich werde versuchen, mich mit Philip Horn so gut wie möglich vorzubereiten. Was sind deine Saisonziele für 2008? Mein Ziel ist es, mich auf jede Regatta, jedes Rennen 100 Prozent zu konzentrieren und das Beste aus meinen Möglichkeiten zu machen. So wird es mich bald an die Spitze führen. Die Disziplin Slalom boomt, es gibt eine Reihe schneller Fahrer. Wie sieht es mit deinem Speed aus?

Ich denke, dass die Disziplin Slalom mir extrem entgegenkommt, hier sehe ich meine besten Chancen. Mit meinen Körpermaßen habe ich gute Voraussetzungen. Bernd Flessner und Helge Wilkens beherrschen nach wie vor das Racing. Du warst vor fünf, sechs Jahren dicht dran, allerdings sahen damals Raceboards noch etwas schmäler aus. Hast du dich auf dem breiten Formulaboard schon eingefahren?

In meinem letzten Regatta-Jahr waren die Boards schon bei einer maximalen Breite von 100,5 cm, und ich konnte die besten Platzierungen meiner Karriere einfahren. Demnach kommen die neuen Boards mir eher entgegen. Besonders Wave/Freestyle hat sich weiter-entwickelt, extreme Moves sind angesagt. Wie sieht’s da aus?

Freestyle ist für mich nur eine Abwechslung beim Windsurfen. Es ist keine Disziplin, auf die ich mich weiter konzentrieren werde. Dein stärkstes Manöver zurzeit? Ich habe schon diverse Grubbys gestanden (lacht). Bei harten Wave-Bedingungen bin ich, denke ich, immer noch ein starker Fahrer. Bist du beim DWC-Saisonstart am Stein- huder Meer dabei?

Ja, ich werde dabei sein. Tipp doch mal den Einlauf im Racing? Ich denke, das erste Rennen wird so ausgehen: 1. Vincent Langer, 2. Helge Wilkens, 3. Gunnar Asmussen, 4. Bernd Flessner :-) Ich denke, alles ist offen und jeder hat gute Chancen. Du hast Segelmacher gelernt, übst du den Job auch aus?

Ja, ich arbeite seit fünf Jahren zusammen mit meinem Chef und Freund Axel Lenz in der Firma Sailmaker 2000 in Dänemark. Hier füllen wir den Bereich Wassersport komplett aus. STECKBRIEFGeburtsdatum: 23.12.1978 Größe/Gewicht: 186 cm/ 92 Kilogramm Wohnort: Kupfermühle bei Flensburg Surft seit: 1990 Sponsoren: F2, North Sails, Windfinder, Calm Größte Erfolge: 3. Platz  DWC-Jahresrangliste 1999 und 2000; 5. Platz DWC-Jahresrangliste 2001; 3. Platz Euro-Cup Sylt 2002

Interview: Alois Mühlegger, Fotos: Marit Andresen, Ole Daetz, Nadine Ehlers

 

 

 


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